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Klinikum-Neubau: Trotz Verzögerung keine Mehrbelastung für den Steuerzahler

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Der Einzug ins neue Gesamtklinikum Schaumburg verzögert sich bis zum Herbst (wir berichteten). Das hat mehrere Gründe, wie die Geschäftsführung der Krankenhaus Projektgesellschaft jetzt bei einem Pressegespräch mitteilte. Bei Bauvorhaben solcher Größe spricht man in Teilerfolgen von sogenannten „Meilensteinen“, die es innerhalb einer bestimmten Zeit zu erreichen gilt. Das hat nicht geklappt.

So gab es bei der Fertigstellung der zentralen Sterilgutversorgung Probleme mit der koordination von ausführenden Firmen. Dazu muss man wissen: Rund 80 Prozent des OP-Bestecks werden wiederverwendet und durchlaufen daher einen komplizierten Prozess der Sterilisation. Die Teile werden gewaschen und dann im Sterilisator mit Dampf höchster Reinheit keimfrei gemacht. Wie Dirk Hahne, technischer Leiter, erklärte, geht das nicht mit haushaltsüblichem Wasser. Dazu braucht es eine vorgeschaltete Wasseraufbereitung. Insgesamt handelt es sich um fünf Arbeitsschritte, die stets zusammen ausgeführt werden müssen. „Die Geräte sind da, die Räume sind fertig“, ergänzt Dr. Achim Rogge, Sprecher der Geschäftsführung, „wir haben keine technischen Probleme, aber die Koordination einiger beteiligter Firmen untereinander ist nicht gewährleistet.“ Erst in etwa zwei Wochen rechne man mit einer Fertigstellung, danach brauche es weitere 12 Wochen zum Abstimmen der Geräte. Das wäre nicht termingerecht zu schaffen gewesen.

Ein weiterer Meilenstein wäre das Installieren von Radiologiegeräten ins Erdgeschoss des Nordkubus gewesen. Das MRT, eine digitale Röntgenanlage sowie zwei CT-Anlagen und weitere Apparate im Gesamtwert von fünf Millionen Euro benötigen absolute Staubfreiheit. „Die können sich nicht einfach solange eingepackt in eine Ecke stellen und abwarten, bis sie angeschlossen werden“, macht Dr. Rogge die Situation klar. Diese sicherheitsrelevanten Herzstücke des Klinikums verzögern sich als Spätfolge der Imtech-Pleite im Jahr 2015. Das Unternehmen hatte ein Auftragsvolumen von 3,5 Millionen Euro erteilt bekommen, war für die EDV, Telefonanlage, Netzwerktechnik und Brandmeldeanlagen zuständig. 800.000 Euro sind bereits verbaut worden, dann kam die Imtech-Insolvenz in die Quere. Das Unternehmen ROM (Rudolf Otto Meyer) übernahm einige der angefangenen Imtech-Baustellen, darunter auch die des Klinkum-Neubaus. Man habe sich dann zu einem Umsortieren im Bauablauf entschlossen, was wiederum zu weiteren Änderungen im Bauprozess führte. Gar nicht so einfach, bei 58 Firmen, die am Klinik-Neubau beteiligt sind. Rund 300 Mitarbeiter befinden sich ständig auf der Baustelle im Einsatz.

Dr. med Achim Rogge (Sprecher der Geschäftsführung) und Bettina Geißler-Nielsen (Geschäftsführerin) erklärten bei einem Pressegespräch die erneute Verzögerung beim Klinik-Neubau.

Die Umstrukturierung brachte neue Probleme mit sich, jetzt wurden stellenweise zu viele Bauabschnitte auf einmal fertig. Doch die beteiligten Firmen können nicht beliebig viel Personal abrufen und einsetzen, auch sie müssen dank des Baubooms langfristig planen. Ein weiteres Mal Spätfolgen der Imtech-Pleite, die ein Aufholen der Verzögerung nicht mehr möglich machten. Ob im Anschluss Schadenersatzforderungen geltend gemacht werden, ist noch offen, heißt es von Seiten der Geschäftsführung. „Den Steuerzahler und den Landkreis kostet die Verzögerung jedenfalls nichts extra“, betont Dr. Rogge ausdrücklich. Die Mehrkosten trage ausschließlich Agaplesion. Man rechne bei den Gesamtkosten von rund 130 Millionen Euro (aufgeteilt in 95 Millionen Fördersumme und 35 Millionen Kredite, aufgenommen durch Agaplesion) mit einer „marginalen“ Verteuerung. Festlegen mag man sich derzeit noch nicht, doch sollen die Mehrkosten nicht auf über zehn Prozent steigen. Einen genauen, neuen Einzugstermin gibt es ebenfalls noch nicht. „Im Herbst“, so lautet das Ziel. Wie Hahne erklärt, komme es auf die baurechtliche Abnahme an. Diese beinhalte eine Prüfung aller Fluchtkonzepte, eine Brandsimulation, den Test der Entrauchungsanlage und ein Stromausfallszenario. Erst nach erfolgreicher Abnahme kann ein langsames Hochfahren des Krankenhausbetriebs erfolgen. Hygienische Endreinigung der 30 Lüftungsanlagen inklusive. Bis alles eingespielt ist, vergehen also leicht noch einmal sechs bis acht Wochen. Der reibungslose Ablauf für Patienten und Mitarbeiter sei für die Klinikleitung das Wichtigste, betont Rogge: „Lieber ein späterer Einzug, dafür sicher!“

 

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