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Rinteln soll wieder Hochschulstandort werden

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Große Dinge beginnen oft mit einer Vision. Über eine solche Vision ist jetzt im Verwaltungsausschuss der Stadt Rinteln positiv abgestimmt worden: Die Blaupausen zum Hochschulstandort Rinteln. Vor etwa 15 Monaten gründete sich eine Arbeitsgruppe, bestehend unter anderem aus Bürgermeister Thomas Priemer, Stadtjurist Dr. Joachim Steinbeck, der Demografiebeauftragten Linda Mundhenke sowie weiteren Ratgebern und Professoren. Deren Bemühungen tragen jetzt Früchte, denn sie drehen sich um die Frage: Wie kann man die Altersgruppe mit den meisten Einwohnerverlusten, das sind die 18- 25-jährigen, in Rinteln halten? Für Bürgermeister Priemer klar: „Wir brauchen weitere attraktive Bildungseinrichtungen, denn die vorhandenen enden ungefähr mit dem 20. Lebensjahr der Schüler. Da es im gesamten Landkreis kein Hochschulausbildung gibt, versprechen wir uns durch eine Hochschule in Rinteln auch einen Imagegewinn für die Stadt und die Region.“

Von links: Bürgermeister Thomas Priemer, Demografiebeauftragte Linda Mundhenke und Stadtjurist Dr. Joachim Steinbeck.

Der Plan sieht die Gründung eines Unternehmens, wahrscheinlich einer GmbH, und eines Trägervereins vor. Dieses Unternehmen soll zwei Gesellschafter erhalten. Zum Einen, mit Mehrheitsanteilen, die Stadt Rinteln und auf der anderen Seite den Trägerverein, in dem idealerweise jeder Bürger Mitglied werden könnte. Ein privater Hochschulträger, die private, staatlich anerkannte Diploma übernimmt als Kooperationspartner den Lehrbetrieb und stellt Professoren sowie digitale Lehrmittel. Das ambitionierte Projekt soll bereits zum 1.10.2017 mit dem Wintersemester starten. Dabei werden vier Schwerpunkte aus dem Fachbereich Gesundheit und Soziales um die Gunst der Studierenden werben: Frühpädagogik, Kindheitspädagogik, Medizinalfachberufe und soziale Arbeit. „So etwas kann man höchstens in der Region Bielefeld studieren, bei uns bisher noch nicht“, weiß Priemer.

Vorgesehen ist das Modell eines sogenannten Fernstudiums mit Präsenzpflicht. Das bedeutet: Die Studenten gehen unter der Woche ihrer Arbeit nach und lernen fürs Studium, immer 14-tägig am Samstag erscheinen sie in den dafür vorgesehenen Räumlichkeiten. Das kann der Sitzungssaal in der Klosterstraße 20 sein, oder andere passende Gebäude. Idealerweise, wenn das Angebot gut angenommen wird, kann sich Priemer eine Erweiterung auf ein reguläres Studienangebot vorstellen, und – am idealsten natürlich im historischen Universitätsgebäude am Kollegienplatz.

Professor Hans F.W. Hübner, Ehrenpräsident und vor rund 20 Jahren Gründungsmitglied der Diploma-Hochschule, freut sich auf die Zusammenarbeit mit der Stadt Rinteln, die Verwirklichung des Hochschul-Konzepts und das Anknüpfen an die akademische Entwicklung in Rinteln: „Als Tochterunternehmen der Blindow-Schulen ist für uns auch die räumliche Nähe zu Rinteln interessant. Wir haben im hessischen Bad Sooden-Allendorf mit 25 Studenten angefangen, inzwischen betreuen wir über 5.000 Studenten in 18 Studiengängen von Technik, Robotik, Tourismus bis über grafische Gestaltung.“

Der Erfolg gründet zum erheblichen Teil auch in der Virtualisierung des Lernens. „Wir haben zwar den Raum aufgelöst, aber die Zeit nicht“, so Hübner, „mit unseren Fernstudienkonzepten und können Teilnehmer unabhängig vom Ort ihr Studium absolvieren und sind doch immer ein Teil der Studentengruppe.“ Moderne Technik macht es möglich, ohne die Leistungsfähigkeit aktueller Computer und das Internet wäre so etwas vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen.

Damit das Konzept greift, müssen die Startbedingungen stimmen. Finanziell ist das Risiko geteilt. Die GmbH haftet mit 25.000 Euro Stammkapital, beigesteuert durch die Stadt. Weitere 25.000 Euro Startkapital für die Geschäftsstelle, eine Internetseite und Akquise soll als Darlehen von Seiten der Stadt aufgenommen werden. Die Studiengebühr soll sehr wettbewerbsfähig sein und rund 200 Euro pro Semester Monat betragen. Ab dem siebten Semester müsste sich der Betrieb den finanziellen Berechnungen zufolge rechnen, dann könnte man auch mit der Rückzahlung des Darlehns beginnen. Als realistisches Szenario sieht Dr. Joachim Steinbeck drei studierende Gruppen mit einer Größe von bis zu 18 Teilnehmern: „Falls nicht genügend Teilnehmer für eine Gruppe zustande kommen sollten, brauchen sich die Eingeschriebenen aber keine Sorgen zu machen. Sie würden dann in Hannover studieren.“

Priemer hält das Modell für zeitlich ambitioniert, aber machbar. Passend zum 400-jährigen Jubiläum der Universität Rinteln (gegründet 1621) bekommt die Weserstadt wieder eine Hochschule. Vielleicht in einigen Jahren sogar als Vollzeit-Einrichtung. Als nächstes steht jedenfalls die Abstimmung über die Organisationsform in der Ratssitzung am 6. April auf der Tagesordnung. Dann muss eine Geschäftsstelle eingerichtet und eine Arbeitsstelle fürs Sekretariat besetzt werden. Es folgen Marketing und Ansprache der Zielgruppe bis hin zum Start der Hochschule am 1. Oktober diesen Jahres. Einen passenden Namen muss das „Kind“ auch noch bekommen. Ob es „Ernestina Academia Rinteln“ heißt, oder ähnlich, steht noch in den Sternen. Doch die sind für Rinteln seit heute zum Greifen nah.

 

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