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9 Monate Bauzeit, Vertragsstrafen, 2 Millionen Euro: Umbau der Steinberger Kreuzung

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Über das bevorstehende Großprojekt „Steinberger Kreuzung“ haben bereits mehrfach im Vorfeld berichtet. Jetzt stellte Markus Brockmann, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln, konkrete Details zum Umbau vor.

Kreuzung am Limit

Mit bis zu 33.850 Fahrzeugen pro Tag (bis zu 3.300 pro Stunde zu Spitzenzeiten) ist die Steinberger Kreuzung einer der am stärksten belasteten Verkehrsknoten in der Gegend. Die Ampelanlage ist am Ende ihres Lebenszyklus angekommen und fällt regelmäßig aus, die Fahrbahnschäden ziehen sich auch durch tiefere Schichten. Starke Spurrinnen zeugen von enormer Belastung durch den LKW-Verkehr, hinzu kommt eine Häufung von Unfällen. Die Kreuzung sei, so Brockmann, in der Qualitätsstufe F eingeordnet. Das ist die schlechteste Stufe und mit bis zu 200 Sekunden Wartezeit an der Ampel gibt es bei dem Verkehrsaufkommen auch keinerlei Verbesserungsmöglichkeiten mehr, die ausgeschöpft werden könnten.

Der Umbauplan

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Eine zusätzliche Linksabbiegerspur von der B238 auf die B83 in Richtung A2 soll die Kapazitäten der Kreuzung verdoppeln. Linksabbieger erhalten getrennte Ampelphasen, kürzere Wege für Fußgängerüberwege sollen die Sicherheit erhöhen. Mit diesen Umbaumaßnahmen wird eine Verbesserung in Qualitätsstufe D erreicht. Das bedeutet eine maximale Wartezeit von 70 Sekunden auf die nächste Grünphase. Besser geht es mit den gegebenen Möglichkeiten nicht, erklärte Brockmann. Eine Steigerung sei nur mit Brücken, Rampen und aufwändigeren Verkehrsführungen machbar. Man hat auch eine Alternative untersucht, aber wieder verworfen: Ein zweispuriger Kreisverkehr wäre nur mit großen Eingriffen in benachbarte Grundstücke möglich. Durch das Gefälle bestehe Kippgefahr bei großen LKW. Für Fußgänger und Radfahrer bedeutet so ein großer Kreisverkehr eine Verschlechterung, da sie die Straße nur viel schwerer überqueren könnten.

Beton statt Asphalt

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Die Kreuzung entsteht in Betonbauweise. Die Fahrbahn wird in zwei Schichten gebaut, bei Asphalt wären fünf Schichten nötig. Laut Brockmann gibt es, anders als bisher befürchtet, bei Beton keinen Zeitverlust gegenüber einer Asphaltdecke. Der Großteil der Zeit geht aufs Konto der Nebenanlagen (Fuß- und Radwege, Gabionenwände zur Abstützung an der Waldseite, Entwässerung, neue Ampel). Zudem seien die Beton-Bauarbeiten unempfindlicher gegen Witterungseinflüsse wie Nässe und Kälte. Beim Thema Lärm gebe bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h keinen Unterschied, maßgeblich seien hier Motorengeräusche und die Brems- und Anfahrvorgänge.

Kosten und Dauer

 

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Der Umbau der Steinberger Kreuzung wird 2 Millionen Euro kosten. Das Ausschreibungsverfahren ist gestartet. Der Zeitplan ist eine weitere Überraschung: Die Bauarbeiten sollen nicht (wie auch von uns bisher berichtet) ein Jahr dauern, sondern nur neun Monate. Das Bauende ist vertraglich für den 30.11.2017 zugesichert. Erstmals sind auch Vertragsstrafen bei Bauvorhaben dieser Größe möglich. Das heißt: Wird die Kreuzung später fertig, kommt auf die Baufirma eine Strafzahlung zu. Das heißt aber auch: Arbeitet die Firma schneller, wird eine sogenannte „Beschleunigungsvergütung“ fällig. Also eine Prämie für einen vorzeitigen Abschluss. Diese Möglichkeit gab es noch vor einem halben Jahr nicht, sagte Brockmann dazu.

Die Bauphasen

Der Verkehr soll während der gesamten Bauzeit ringförmig um die Großbaustelle herumgeleitet werden. Dabei ist eine Unterteilung in drei Abschnitte vorgesehen.

Im ersten Bauabschnitt wird es keine Ampelregelung an der Kreuzung geben. Der Verkehr auf der B83 soll frei in beiden Richtungen fließen. Ein Abbiegen auf die L442 in Richtung Buchholz wird weiterhin möglich sein (allerdings nur „rechts rein, rechts raus“). In den ersten beiden Bauabschnitten wird aus der B238 eine Einbahnstraße. Von der B83 kann dann nur nach rechts auf die B238 in Richtung Rinteln abgebogen werden. Der Verkehr aus Richtung Obernkirchen wird auf die L443 („Auetal-Highway“) in Richtung Rehren geleitet. In Westendorf wird eine Ampel zur Verkehrssteuerung installiert, in Engern soll es auf der kompletten L438 (Berliner Straße) ein Halteverbot geben, ebenso zwei Fußgängerampeln.

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Im zweiten Bauabschnitt wird der Verkehr weiterhin so fließen, wie gehabt. Einzig die Anschlussmöglichkeit zur L442 (Arensburger Straße) entfällt komplett. Die Eigentümer der Arensburg und die Betreiber des Steinbruchs sind bereits informiert.

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Im dritten Bauabschnitt wird der Verkehr auf der B238 wieder in beiden Richtungen fließen können. Die B83 wird zwischen der Marktstraße und Westendorf zur Einbahnstraße. Innerorts können sich die Steinberger in beiden Richtungen fortbewegen. Damit soll verhindert werden, dass sich der außerörtliche Verkehr Schleichwege durchs Dorf sucht.

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Stau auf der A2 – und dann?

Sobald die Autobahn wegen eines Unfalls dicht ist, bahnen sich regelrechte Blechkarawanen den Weg durch unsere Region. Kommt dann noch die Großbaustelle mitsamt der Umleitungsregelung hinzu, ist ein Verkehrs-Super-GAU zu befürchten. Mit Stau und Ausnahmesituationen müsse man rechnen, sagte Brockmann. Doch natürlich wünsche man sich das Szenario natürlich keineswegs. Es sei aber nicht zu beeinflussen. Allerdings seien im Vorfeld Absprachen getroffen worden, wonach es für die Zeit der Steinberger Baustelle zumindest keine Baumaßnahmen auf der A2 in unserer Region geben soll. Zudem soll mit Hinweisschildern auf der Autobahn frühzeitig und umfassend über die große Baustelle in Steinbergen informiert werden. Der Umleitungsverkehr soll weiträumig über die B65 gelenkt werden. Auch Verkehrsinfodienste werden darüber informiert.

Weitere Infoveranstaltungen werden folgen

In der jüngsten Ratssitzung stellten Ratsmitglieder weitere Fragen an Brockmann. Es wurde befürchtet, dass sich eine sanierte Kreuzung negativ auf eine Umgehungsstraße für Steinbergen auswirken könnte. Brockmann sagte, die Gefahr bestehe nicht, der Bundesverkehrswegeplan werde verabschiedet, doch eine Ortsumgehung baue man nicht von heute auf morgen. In Steinbergen könne man dagegen nicht mehr länger mit Baumaßnahmen warten. Im Hinblick auf die Verzögerungen beim Bau der Ortsdurchfahrt Todenmann kam die Befürchtung auf, in Steinbergen könne sich ein ähnliches Szenario wiederholen. Brockmann beruhigte, in Todenmann seien viele Dinge zusammengekommen, die nicht geplant waren. Darunter war eine nicht dokumentierte Kanalführung, unbekannte Leitungen, und weiteres. Eine Ortsdurchfahrt habe eben immer ihre Tücken. Bei der Steinberger Kreuzung sehe er diese Probleme nicht. Doch was ist, wenn die Telekom hinterher auf die Idee kommen sollte, unter die frisch gebaute Kreuzung Kabel verlegen zu wollen? Ob man da nicht vorsorglich ein paar Leerrohre verlegen könne, lautete eine weitere Nachfrage? Nein, sagte Brockmann, das gehe nicht so einfach. Im Vorfeld sei bei den Unternehmen angefragt worden. Es habe kein Interesse gegeben. Die Leerrohre seien außerdem Schächte aus Beton, die Kosten für vorsorgliche Verlegung übernehme der Bund nicht, und planbar sei so etwas ohnehin nicht im Vorfeld ohne konkreten Anlass. Weitere Fragen taten sich auf: Was passiert mit der Schülerbeförderung? (Es wird nicht ohne Verspätungen gehen) Wer stellt sicher, dass die Schüler pünktlich zu den Abi-Prüfungen im Gymnasium ankommen? Wird die L438 durch Engern der Belastung stand halten oder ist sie danach ebenfalls sanierungsreif? Wie verträgt sich das Halteverbot auf der Berliner Straße mit den Gewerbebetrieben im Ort? Was passiert mit der Anfahrt ans neue Zentralklinikum in Vehlen? Wie reagieren Feuerwehren und Rettungsdienste auf die Veränderungen (sie sind informiert)? In weiteren Veranstaltungen in Engern, Steinbergen und Westendorf sollen die Bürger darüber informiert werden, welche Veränderungen und Belastungen auf sie zukommen. Die Termine geben wir zeitnah bekannt.

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