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Beim Trocknen zerbröselt: Interessantes aus 775 Jahren Rinteln – Ausstellung in der Rathaus-Galerie

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Rinteln blickt auf eine 775-jährige Stadtgeschichte zurück. Vermutlich im Frühjahr oder Sommer des Jahres 1239 erteilte Adolf IV. Graf zu Holstein-Schaumburg der von ihm neu am südlichen Ufer der Weser gegründeten Siedlung das Stadtrecht. Ein exaktes Datum fehlt, was auch daran liegt, dass die Stadtrechtsurkunde ihr Siegel verloren hat. Wie Dr. Stefan Meyer, Leiter des Museums anlässlich der Eröffnung der neuen Ausstellung der Rathaus-Galerie berichtete, war die Urkunde schon immer Bestandteil von Forschungen zu ihrer genauen Geschichte.

Im enzyklopädischen Lexikon von Krünitz von 1810 steht geschrieben, dass die Stadtrechtsurkunde von Rinteln zu den ältesten Papierdokumenten Europas gehört. Der Leidener Professor Friedrich Wilhelm Pestel hatte vor rund 250 Jahren Nachforschungen angestellt und die These zunächst bestätigt. Demnach wäre die Urkunde tatsächlich das älteste Stück Papier nördlich der Alpen.

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Die Stadtrechtsurkunde von Rinteln aus dem Jahr 1239 ist eins der Exponate der neuen Ausstellung in der Rathaus-Galerie.

Meyer, ob der lange vergangenen Zeit der Nachforschungen unsicher, zog einen Urkundenexperten (Diplomatiker) aus Hannover zu Rate. Dieser gab nach ausgiebiger Untersuchung Entwarnung: Die Urkunde war nicht aus Papier, sondern aus (sehr dünnem) Pergament. Pestel hatte sich geirrt.

Was es mit dem fehlenden Siegel auf sich hatte, klärt ein der Urkundenmappe beigelegter Zettel aus dem 17. Jahrhundert: Jemand hatte eine Notiz beigefügt, nach der die Urkunde feucht geworden sei. Beim Trocknen auf dem Ofen ist das Siegel zerbröselt und somit abhanden gekommen.

Die antike Schrift vergangener Tage ist für heutige Verhältnisse kaum zu entziffern, doch bereits damals legte man Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild wichtiger Korrespondenz. Mahnungen, Pfandobligationen und Schuldscheine waren bemerkenswert detailliert ausgearbeitet. So erwähnte Dr. Meyer unter anderem die Mahnung, die Kaiser Karl VI. im Jahre 1728 an den Landgrafen von Hessen-Kassel schrieb. Es ging um eine nicht entrichtete „Fräuleinsteuer“ in Höhe von 39.000 Talern (40 Taler entsprachen damals dem Jahreseinkommen eines Tagelöhners). Unterschrieben war die Mahnung mit Goldtinte.

Rintelner Siegelstempel aus verschiedenen Epochen.
Rintelner Siegelstempel aus verschiedenen Epochen.

Diese und andere Dokumente aus acht Jahrhunderten Stadtgeschichte sind noch bis zum 14. November 2014 in der neuen Ausstellung der Rathaus-Galerie zu besichtigen. In seiner Eröffnungsrede ging Rintelns Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz vor den Gästen auf die Entstehungsgeschichte der ältesten Stadt des Schaumburger Landes ein. Mit verkehrsgünstiger Lage und Brücke, dank der Weser gut an Minden und Bremen angebunden und über ein fruchtbares Umland verfügend, war Rinteln gut für die Zukunft gewappnet.

Die Entstehung des Stadtnamens ist und bleibt rätselhaft. Eine dörfliche Vorgängersiedlung am Nordufer der Weser ist mit dem Namen „Rintelen, Rinctelen oder Renthene“ schon 100 Jahre vor der Stadtgründung erwähnt. Ob es aber von einer „ring“förmigen Siedlung oder von „Rente“, also einer Zoll- oder Mautstation abgeleitet ist, bleibt im Dunkeln.

Das mittelalterliche Leben in Rinteln war aus damaliger Sicht durchaus komfortabel. Manche der Häuser, wohnlicher als die auf dem Lande, verfügten über beheizbare und aus Stein gemauerte Kemenaten. Neben der harten alltäglichen Arbeit führten die Bürgerfamilien ein reges gesellschaftliches Leben in Zünften oder Bruderschaften und engagierten sich für das Gemeinwohl. Es gab eine Vielzahl von Ämtern, deren Wahrnehmung die Abendstunden füllte. Oder aber tagelange Kirchenfeste und der ausgiebig gefeierte Karneval forderten ihren Tribut. „Sieht man heute auf den Veranstaltungsplan von Vereinen und Stadtfesten“, so Buchholz, „dann hat sich bis heute nichts daran geändert.“

Mit einem Schlusssatz bringt der Bürgermeister die Sache auf den Punkt: „Wenn Graf Adolf VI. Von Holstein-Schaumburg heute noch einmal einen Spaziergang durch sein ´Rintelen´ machen könnte, er würde es sicher nicht bereuen, einst an dieser Stelle eine Stadt gegründet zu haben.“

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Rintelns Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz hält die Eröffnungsrede zur neuen Ausstellung.

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