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BIGTAB hält 20 Kilometer langen Tunnel für „absolut unrealistisch“

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In der jüngsten Ratssitzung berichtete Bürgermeister Thomas Priemer über den Besuch mehrerer Schaumburger Verwaltungschefs beim Verkehrsministerium in Sachen Bahntrasse Hannover-Bielefeld am 14. Oktober diesen Jahres. Dabei führte Priemer aus, dass ab Sommer 2020 in Sachen Bahntrasse ein Bürgerbeteiligungsverfahren beginnen solle. Dass sie gebaut werde, davon gehe er aus. Eine Tunnellösung sei angesichts der Höhenunterschiede im Weserbergland möglich, was zur Folge haben könnte, dass man von der Strecke in Rinteln nicht viel mitbekommen würde. Warnende Worte gab es hingegen von Heinrich Sasse. Der stellvertretende WGS-Fraktionsvorsitzende konnte keinen Grund darin sehen, eine Entwarnung für eine mögliche, oberirdische Trassenvariante zu geben.

Auch die Bürgerinitiative gegen den trassenfernen Ausbau der Bahn in Bückeburg/Minden/Porta Westfalica (BIGTAB) teilt einen möglichen Optimismus in Sachen Tunnel nicht. BIGTAB-Sprecher Thomas Rippke findet, „der Rintelner Bürgermeister sollte sich gut überlegen, ob er in dieser Weise der Verwirrungs- und Vernebelungstaktik des Bundesverkehrsministeriums Vorschub leisten möchte. Ein 20 Kilometer langer Tunnel, der auf Grund seiner Ausdehnung große Teile Schaumburgs von einem oberirdischen Trassenbau verschonen würde, ist sowohl aus wirtschaftlichen wie auch aus technischen Gründen völlig unrealistisch. Gerade die Höhenunterschiede des Wesergebirges und die unumgängliche Brückenquerung der Weser sowie die Bedingungen für den 300 Stundenkilometer schnellen Bahnverkehr machen es technisch unumgänglich, eine ICE-Neubautrasse von Hannover nach Bielefeld weitgehend oberirdisch zu bauen.“

Auch auf Grund der „immensen Kosten“ sowie der „katastrophalen Erfahrungen mit vielen anderen Tunnelprojekten wie zum Beispiel bei Stuttgart 21, im Thüringer Wald, in der schwäbischen Alb oder in Rastatt“, so Rippke, werde die Bahn, „der derzeit 49 Milliarden für ihre bestehende Infrastruktur fehlen, bei Neuprojekten so weit es ihr nur irgend möglich ist auf Tunnelbauten verzichten und stattdessen oberirdisch planen.“ Nötigenfalls würden, um Kosten zu sparen, statt Tunnel riesige Tröge gegraben, um Höhenzüge zu queren, vermutet die BIGTAB: „Wie so etwas aussieht, lässt sich auf der ICE-Strecke Hannover-Göttingen oder der 2017 eröffneten ICE-Schnellfahrstrecke Erfurt-Nürnberg sehr plastisch in Augenschein nehmen.“

Weiterhin führt Rippke aus: „Derartige Tunnel-Visionen sind, wenn sie von Vertretern des Bundesverkehrsministeriums kommen, ohnehin nur als rein politische Äußerungen anzusehen. Sie dienen allein dazu, die Bevölkerung und die heimischen Abgeordneten ruhig zu stellen und sind ebenso Schall und Rauch wie die vielen Versprechungen, Minden werde im Falle eines Trassen-Neubaus vom Fernverkehr nicht abgehängt. Daran ändert auch das immer wieder vollmundig angekündigte Bürgerdialogverfahren nichts, da es eine reine Alibi-Veranstaltung ist und überhaupt keine rechtsverbindlichen Beschlüsse fassen kann. Maßgeblich für die Planung und den Bau sind allein das sich anschließende reguläre Planfeststellungsverfahren und der abschließend ergehende Planfeststellungsbeschluss durch das Eisenbahnbundesamt. Besonders brisant ist die Situation dabei gerade für Rinteln, da die Stadt von den beiden bislang bekannten möglichen Varianten einer Neubautrasse – zum einen durch das Auetal, zum anderen über Stadthagen und durch den Harrl und das Wesergebirge in Richtung Todenmann – massiv betroffen wäre.

Die gesamte Diskussion hätte jedoch längst zur Zufriedenheit aller zu den Akten gelegt werden können, wenn das Bundesverkehrsministerium den bereits 2004 vom Deutschen Bundestag beschlossenen und von der gesamten Region einhellig befürworteten und geforderten trassennahen Ausbau der Bahnstrecke Hannover-Minden von zwei auf vier Spuren zeitnah umgesetzt hätte. Der Engpass auf der chronisch überlasteten Strecke Berlin-Ruhrgebiet hätte schon vor Jahren beseitigt und die für die Verlagerung von mehr Verkehr von der Straße auf die Bahn erforderliche Schienenkapazität längst bereit gestellt werden können. Die Anlieger der bestehenden Trasse hätten endlich verbindlichen Anspruch auf wirksamen Lärmschutz, das Bundesland Niedersachsen seine verbesserte Hafen-Hinterland-Anbindung, und das alles ohne die irrsinnigen Kosten und die gigantischen Zerstörungen in Natur und Landschaft, die beim Bau einer Neubautrasse unumgänglich wären. Alle würden gewinnen, die Region und der Klimaschutz ebenso wie die Bahn, der Fernverkehr sowie wie der Nah- und Regionalverkehr.“

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