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Bleibt alles anders: Kreatives Textfeuerwerk mit Neuerungen beim 7. Poetry Slam im Ernestinum

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Beim 7. Rintelner U20 Poetry Slam lief vieles in gewohnter Manier ab – und doch war alles anders. Die sogenannte „Dichterschlacht“, bei der Schüler Worte statt Waffen benutzen und poetische, nachdenkliche, polarisierende und gefühlsbetonte Texte von bis zu fünf Minuten Länge vortragen, war in diesem Jahr mit zahlreichen Neuerungen versehen. So wurde die Veranstaltung nicht wie in gewohnter Tradition von Tobias Kunze aus Hannover sondern von Tobias Gralke aus Hildesheim geleitet.

Tobias Gralke führte durch den diesjährigen Poetry-Slam-Abend am Gymnasium.

Der Autor und Performer sprang kurzerhand für seinen verhinderten Namensvetter ein und übernahm das Event im Ernestinum. Nächste Neuerung: Die Methode, nach der Zahlenkärtchen im Publikum verteilt werden und sich Besucher als Jury betätigen sollen, wurde ebenfalls spontan verworfen. Zunächst hatten sich nämlich sage und schreibe 18 Schülerinnen und Schüler (wobei der weibliche Part hier deutlich stärker vertreten war) zum Poetry Slam angemeldet. Damit wäre nach neun Teilnehmern Zeit für die Pause gewesen. Mit der zeitaufwendigen Bewertung wäre daraus ein XXXL-Abend geworden, also entschied man: Die Teilnehmer sollen sich gegenseitig bewerten. In der Zwischenzeit sprangen vier Teilnehmer ab, das Flipchart von Tobias Gralke mit den Änderungen sprach Bände, worauf er mit augenzwinkernd hinwies.

Die Teilnehmer legten sich ins Zeug um ihr Publikum mit ihren kritischen und unterhaltsamen Versen in den Bann zu ziehen. Poetisch stellen sie dabei Vergleiche und bildhafte Erlebnisse plakativ in Worten dar. Man konnte sie förmlich sehen, die Risse im Asphalt, das Mädchen in Schwarz und den Jungen, der gerne Make-Up trug, verabschiedete sich wortreich und plastisch umschrieben von der Schreibblockade, fieberte mit dem im Publikum angesichts des Liebesgedichts förmlich mit, sah das „neonfarbene Blinkeschild mit pinker Schrift“ geradezu vor Augen und bekam bei dem emotionalen Abschied an ein Elternteil einen dicken Kloß im Hals.

„Weniger Wettbewerb, mehr Lesungscharakter“, so charakterisiert Mit-Initiatorin Kristina Rehr die Veranstaltung mit dem veränderten Flair, bei dem es drei Bestbewertete gab: Henning Netzel kritisierte die Tücken des frühen Aufstehens und den folgenden Schulalltag, Ayaz Zaidfaris schilderte die schreckliche Situation in seinem Heimatland Irak samt Flucht und Maike Vonjahr ließ die Zuschauer an der Rolle des Schreibens in ihrem Leben teilhaben. Gewinner waren an diesem Abend alle – die Schüler und das Publikum.

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