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„C-Base“ remixt und produziert: Musik aus der Region für die Tanzflächen dieser Welt

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(Heeßen/Rinteln) Allen, die in den 90er Jahren Dancefloor- und Eurodance-Musik gehört haben, sind sie ein Begriff: Snap, Dr. Alban, Mr. President, Twenty 4 Seven und viele andere Interpreten. Letztere verkauften über 18 Millionen Kopien ihrer Songs zu einer Zeit, als man Musik noch auf CDs „presste“ und Streamingdienste noch kein Thema waren. Die Band feiert gerade in den Niederlanden ein Comeback mit „Do you really want me“, einem flotten Dance-Track, bei dem sich viele heute 40-Jährige in ihre Jugend zurückversetzt fühlen. Was kaum jemand wissen dürfte: Ein Remix des Songs entstand im Landkreis Schaumburg, genauer gesagt in Heeßen.

Im zugehörigen YouTube-Video ist „C-Base“ als Remixer angegeben, ein Pseudonym. In Schriftstellerkreisen und der Musikszene ist es eine nicht ungewöhnliche Vorgehensweise, unter Künstlernamen zu arbeiten. Hinter „C-Base“ verbirgt sich Christian Zikeli, der hauptberuflich Englisch und Französisch am Gymnasium Ernestinum in Rinteln lehrt und in seiner Freizeit Musikstücke für international tätige Produzenten modifiziert und schon etliche Werke veröffentlicht hat.

Christian Zikeli in seinem Studio in Heeßen. Hier remixt der 42-Jährige unter anderem Dance-Musik für international tätige Produzenten.

Wer jetzt ein pompös ausgestattetes Studio mit einer ganzen Armee von Mischpulten, Reglern und Dutzenden Lautsprechern erwartet, wird überrascht sein. Die Zeit großvolumiger Geräte ist vorbei. Die Werkzeuge, mit denen C-Base seine Musik abmischt und mixt, sind überwiegend digitaler Natur. Ein PC, ein Mac, zwei Monitore und einiges an Eingabegeräten, sogenannten „Controllern“ bilden den Arbeitsplatz, an dem die kunstvollen Klänge entstehen. Mit „Logic“, einer gängigen Profisoftware, lässt sich nahezu alles komponieren und arrangieren. Vom digitalen Schlagzeuger bis zum virtuellen Gitarristen ist alles möglich, das entsprechende Programmmodul („Plug-In“) vorausgesetzt. Damit – und mit den passenden Samples ausgestattet – legt Zikeli los. Es kann mehrere Tage dauern, bis ein Song fertiggestellt ist. Beim aktuellen Projekt, das „C-Base“ für den niederländischen Produzenten Ruud van Rijen mixte, bekam er lediglich die „Vocals“, also den Gesang von Sängerin Nance Coolen zugeschickt. Der fertige Mix entstand komplett in Heeßen.

(„Do You Want Me“ von Twenty 4 Seven im C-Base-Remix)

„Ich mache nur Sachen, auf die ich selbst auch Lust habe“, sagt Zikeli,“das ist eine Ehre für mich. Ich remixe die Musik, die ich früher als Schüler gern gehört habe.“ In seiner Jugend war Zikeli mit seinen Werken auch im Fernsehen vertreten, trat im ZDF Fernsehgarten auf – und beim Musiksender VIVA. Dieser ist inzwischen Geschichte, prägte aber die Medienlandschaft und den Musikkonsum von mehreren Generationen. Der Wandel der Zeit hat auch in der Musikwelt tiefe Spuren hinterlassen. „Eigentlich käme man mit noch viel weniger Geräten aus“, erklärt Zikeli, „für die ganze Arbeit würde ein leistungsfähiger Computer ausreichen“. Trotz des Fortschritts entsteht die Musik nicht auf Knopfdruck, wie viele vermuten könnten. „Computer und Software vereinfachen zwar die Arbeit und machen vieles möglich, ohne den Menschen als Bediener bekommt man aber keinen vernünftigen Ton aus den Lautsprechern. Und man kann kleine Fehler reparieren. Bekommt jemand allerdings keinen sauberen Gesang über die Lippen oder trifft den Ton nicht, hilft die Software auch nicht weiter“.

Computer und Software ersetzen jede Menge Equipment – doch Kreativität kommt nicht per Knopfdruck

Übrigens entsteht nicht nur Dance- und Techno-Musik am Rechner. Im Prinzip nutzen alle Musikproduzenten – egal ob Pop, Schlager, Ballermann-Hits oder Rock – die Möglichkeiten der digitalen Produktion, sagt Zikeli. Geräte, von denen man früher mehrere Exemplare für tausende von Euro kaufen musste, existieren heute dank moderner Software in nahezu beliebiger Anzahl und auf Knopfdruck. Und dank schneller Internetverbindungen können Musikarrangements kreuz und quer über den Globus geschickt und abgestimmt werden, ohne dass sich die Beteiligten jemals in einem Studio begegnen müssen.

Zikelis Schüler finden die Freizeitbeschäftigung ihres Lehrers spannend, sagt er. Einen spitzen Kommentar über die eine oder andere Konsumgewohnheit des Nachwuchses kann er sich trotzdem nicht verkneifen. „Da sitzen Menschen stundenlang im Studio und feilen am perfekten Klang und an feinen Details, und dann werden die Songs von Jugendlichen auf billigen Handylautsprechern abgespielt“, lacht er. (vu)

(Video: Einblicke in den Aufbau eines Remixes von C-Base)

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