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Corona-Spaziergang in Rinteln: Eine Festnahme / Polizei berichtet, Zeuge äußert sich

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(Rinteln) Auch am gestrigen Montag gingen in mehreren Städten im Landkreis Schaumburg hunderte Menschen auf die Straße um im Rahmen von „Corona-Spaziergängen“ zu demonstrieren.

Die Spaziergänge fanden laut Polizei in Bückeburg, Bad Nenndorf, Stadthagen und Rinteln statt. Es habe sich sowohl um vorher angemeldete, als auch unangemeldete Versammlungen gehandelt, insgesamt seien 525 Teilnehmer unterwegs gewesen, so die Polizei. Es sei „weitestgehend friedlich und störungsfrei“ abgelaufen.

In Rinteln wurde der Corona-Spaziergang von einem großen Polizeiaufgebot begleitet. Laut Polizeichef Jörg Stuchlik habe es in der vergangenen Woche eine potenziell gefährliche Situation gegeben, in der sich rund 20 Teilnehmer um die kontrollierenden Polizeibeamten aufgestellt hätten. Zur Sicherheit habe man daher für diesen Montag rund 40 weitere Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei aus der Polizeiinspektion zur Verstärkung angefordert, so Stuchlik.

Etwa 100 Personen waren am Montag in der Weserstadt auf Seiten der Teilnehmer unterwegs. Es kam auch zu einer Festnahme.

Die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg berichtet dazu in einer Pressemeldung am Montagabend: „In Rinteln weigerte sich ein Teilnehmer, die vorgeschriebene Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Als die eingesetzte Polizeikräfte die Identität des Mannes feststellen wollten, weigerte sich dieser, seine persönlichen Daten anzugeben. Schlussendlich musste der Mann die Rintelner Polizeibeamten zur Identitätsfeststellung in deren Dienststelle begleiten. Gegen diese Maßnahme setzte sich der Mann aktiv zur Wehr, indem er in Richtung der eingesetzten Beamten schlug. Aus diesem Grund mussten ihm Handfesseln angelegt und er unter Zwangsanwendung zur Polizeiwache gebracht werden.

Weiterhin heißt es zur Rintelner Corona-Demo in der Polizeimeldung: „Im Zuge der Demonstration mussten die Einsatzkräfte eine Strafanzeige wegen Widerstand und tätlichem Angriff auf Vollstreckungsbeamte und drei Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen des Nichttragens der erforderlichen Mund-Nasen-Bedeckung einleiten.“

Ein Großaufgebot von Einsatzkräften der Polizei traf gegen 17:45 Uhr auf dem Rintelner Marktplatz ein. (Foto: Rinteln Webcam)

Festnahme in Konrad-Adenauer-Straße: Zeuge meldet sich bei der Presse

Am selben Abend kontaktierte Ex-Ratsmitglied Dr. Ralf Kirstan die heimische Presse. Er sei Zeuge der Festnahme eines Mannes geworden, der zu einer Gruppe von mehreren Männern und Frauen mittleren Alters gehört habe. Um 18:25 Uhr habe Kirstan den Malerfachmarkt in der Konrad-Adenauer-Straße aufsuchen wollen. Da er gegenüber wohne, habe er die Festnahme sowohl von seiner Grundstückseinfahrt als auch aus unmittelbarer Nähe mitbekommen. „Mein Eindruck war, dass gegen einen eingeschüchtert wirkenden Mann, der keineswegs aggressiv oder widerständig war, mit ungerechtfertigter Härte und Brutalität vorgegangen worden ist. Der Mann schien aus meiner Sicht lediglich von der Härte der polizeilichen Maßnahmen gegen ihn überrascht und schien nicht zu wissen, warum man ihn festnehmen wollte. Die beteiligte Personengruppe trug übrigens Masken“, schildert Kirstan.

Weiter führt er aus: „Da der Mann nicht augenblicklich so wollte, wie die drei männlichen Beamten es wollten, wurde er von diesen zwei oder dreimal so heftig gegen einen dort geparkten schwarzen PKW geschlagen, dass ich noch dachte, nicht nur der Mann, sondern auch der Wagen könnte Beschädigungen erleiden. Der Mann schrie dabei gellend in hohem Ton laut um Hilfe. Ich konnte weder aus unmittelbarer Nähe von 2 Metern noch auch später von meinem Grundstück aus beobachten, dass er aggressiv aufgetreten wäre oder gewaltsamen Widerstand geleistet hätte. Er versuchte vielmehr mit den männlichen Beamten zu diskutieren, woraufhin diese aggressiv und brutal reagiert haben.“

Er habe zwei Polizistinnen im polizeilichen Zivilfahrzeug angesprochen, schreibt Kirstan weiter: „Ich habe Ihnen gegenüber mein Unverständnis über die aus meiner Sicht unmäßige und unnötige Gewalt gegen einen eher wie ein in die Ecke gedrängtes Stück Wild wirkenden Wehrlosen zum Ausdruck gebracht. Ich habe gesagt, dass ich ein solches Vorgehen gegen nicht-aggressive Zivilpersonen nur aus dem Fernsehen von Sicherheitskräften Weißrusslands kennte, so etwas hier in Deutschland jedoch schockierend finde. Die beiden Polizistinnen sagten mir daraufhin, sie würden dies so weitergeben.“ Kirstan gibt an, daraufhin zur Wache gefahren zu sein um sich als Zeuge des Vorfalls zu melden.

Wie Polizeichef Jörg Stuchlik auf Nachfrage erklärt, befinde sich der verhaftete Mann derzeit noch in Polizeigewahrsam: „Bis jetzt weigert sich der Mann noch immer, uns seine Identität preiszugeben. Er sagt nicht, wer er ist.“

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