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„Die Leute machen sich selber ihre Städte kaputt“

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(Rinteln) Der Rintelner Fußgängerzone droht ein weiterer Leerstand in Top-Lage. Das Bücherparadies in der Weserstraße wird sehr wahrscheinlich am 31. Januar 2020 seine Türen schließen. Inhaberin Nina Rittgerodt eröffnete die Filiale in Rinteln vor über sechs Jahren. Zuvor war die Buchhandlung Sedlmair unter dieser Adresse ansässig. Seitdem ist ein Trend auszumachen, der ihr Sorge bereitet und die Existenz bedroht: Die Menschen kaufen immer mehr im Internet ein. Online-Buchhändler und Shops machen kleinen, inhabergeführten Geschäften in Städten das Leben zunehmend schwerer.

Das Kuriose: In Deutschland gibt es eine Buchpreisbindung. Ein Buch kostet also beim Buchhändler vor Ort genau so viel wie beim Großkonzern. Die Tatsache scheint aber nicht allgemein bekannt zu sein. Das Bücherparadies verfügt sogar über einen Online-Shop, liefert versandkostenfrei nach Hause. Trotzdem praktizieren immer mehr Rintelner den abendlichen Klick beim Versandriesen im Netz. Die Miete für den Laden auf zwei Etagen mit Schreib- und Spielwaren im Obergeschoss, so die Inhaberin, sei dadurch immer schwerer zu erwirtschaften: „Die Leute machen sich selber ihre Städte kaputt. Wenn man nicht vor Ort kauft, darf man sich nicht wundern, dass die Geschäfte irgendwann weg sind.“ Auch zur Vorweihnachtszeit, die traditionelle Zeit der Geschenkekäufe, sei in den vergangenen Jahren immer weniger los gewesen. Das Weihnachtsgeschäft sei regelrecht weggebrochen. Im Jahr 2013 habe man im Weihnachtsgeschäft zu siebt gearbeitet, so Rittgerodt, im vergangenen Jahr war man lediglich zu dritt tätig. Im Geschäft mit Schulbüchern werde zwar noch Umsatz gemacht, jedoch bleibe aufgrund der Monopolstellung der Schulbuchverlage nur wenig Verdienst übrig.

Das Bücherparadies in der Weserstraße. Wenn nicht schnellstens eine Lösung gefunden wird, schließt es zum 31. Januar 2020.

Neben der Filiale in Rinteln gibt es noch weitere Bücherparadiese in Alfeld und Königslutter. Von der Schließung ist – derzeit – nur die Rintelner Filiale bedroht. Von den fünf Mitarbeitern haben zwei aufgrund der ungewissen Zukunft bereits gekündigt, aktuell ist wieder eine Abiturientin eingestellt worden, da sonst zu wenig Mitarbeiter auf der großen Fläche vorhanden seien.

Das Ende des Rintelner Bücherparadieses ist relativ sicher. „Zu 99,5 Prozent“, sagt Nina Rittgerodt am Telefon. Immerhin, ein klitzekleiner Hoffnungsschimmer bleibt noch: Die Fläche müsste halbiert werden, die Miete ebenso. Eine Idee besteht darin, die Ebenen aufzuteilen. Das Bücherparadies bliebe mit verkleinerter Fläche und reduziertem Sortiment im Erdgeschoss erhalten. Ein weiteres Geschäft, vielleicht ein örtlicher Spielzeuganbieter, zieht in die obere Etage ein. Die Miete würde aufgeteilt, die Kosten würden halbiert. Es habe bereits Gespräche mit dem Vermieter gegeben. Jedoch wolle dieser bei einer Teilung des Ladens fürs Erdgeschoss mehr als die Hälfte der Miete haben. An dieser Stelle sind die Verhandlungen bislang ins Stocken geraten. Das Fazit ist eine Mischung aus Verzweiflung und Resignation. Und gleichzeitig ein Hilferuf: „Wenn die Rintelner nicht wollen, dass die Läden verschwinden, müssen sie dort einkaufen und nicht im Internet.“

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