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„Die Weihnachtsmärkte sind der letzte Rettungsanker“

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Der Rintelner Schausteller, Gastronom und Schaustellersprecher Marlon Klaasen ist in Sorge, was die Weihnachtsmärkte in diesem Jahr betrifft. Noch ist völlig offen, ob sie aufgrund der Corona-Auflagen überhaupt stattfinden werden (können). Einige Märkte wurden bereits lange im Vorfeld abgesagt, da es den Veranstaltern und Betreibern aussichtslos erscheint, angesichts der Corona-Bestimmungen entsprechend planen zu können. Für die Schausteller und Standbetreiber eine existenzbedrohende Situation, wie Klaasen betont. Viele von ihnen hätten zur Weihnachtsmarktsaison 2019 zum letzten Mal Umsätze verzeichnet: „Die Weihnachtsmärkte machen inzwischen 30 bis 50 Prozent des Jahresumsatzes aus. Eine Zeit ohne Weihnachtsmärkte würde die Existenz vieler Schaustellerfamilie kosten, zumal die Überbrückungshilfen leider völlig unzureichend sind.“

Die Mängel führt der Schaustellersprecher beispielhaft an. So könnten Schausteller, die ihre Fahrgeschäfte oder Buden geleast oder gemietet hätten, über das befristete Hilfeprogramm die Kosten erstattet bekommen. Dies gelte nicht, wenn diese Anschaffungen per Kredit finanziert wurden, die Tilgungspflicht des Kredites bedrohe die Existenz der Betriebe, wenn sie nicht ausgesetzt werde. Über das Programm könnten von den erstattungsfähigen Kosten maximal 80 Prozent ersetzt werden, bei einer Deckelung von höchstens 9.000 Euro. Die Lücke von 20 Prozent könne für einen kurzzeitig betroffenen Betrieb „noch verträglich“ sein, rechnet Klaasen vor: „Schaustellerbetriebe sind aber für den Fall, dass der Spielbetrieb erst im Frühjahr nächsten Jahres wieder aufgenommen werden kann, bis zu 18 Monate ohne reguläre Einkünfte.“ Auch das „Wintergeld“, das aus laufenden Einnahmen der Saison zurückgelegt werde und zur Überbrückung der einkommenslosen Monate diene, könne aufgrund fehlender Einnahmen nicht gebildet werden.

Weihnachtsmärkte haben laut Klaasen auch eine große Bedeutung für die Städte, in denen sie stattfinden. „Der Einzelhandel bewertet den Weihnachtsmarkt nicht nur als Bereicherung des innerstädtischen Lebens, sondern als mittlerweile unverzichtbar. In vielen Jahren ist bis heute ein nahezu symbiotisches Verhältnis gewachsen. Denn ein liebevoll gestalteter, breit gefächerter Weihnachtsmarkt schafft Anreiz für einen Besuch der Innenstadt“, so Klaasen weiter, „nicht nur für die Einwohner selbst, sondern auch für Menschen aus der Region. Die lebendige Innenstadt mit Einzelhandel, Gastronomie, Kino und Theater lädt wiederum zum Bummel auf dem Weihnachtsmarkt ein.“ Damit stehe der Weihnachtsmarkt dem Einzelhandel in der so wichtigen und umsatzstärksten Zeit „im Konkurrenzkampf gegen den Online-Handel zur Seite – insbesondere in diesem auch für den Handel überaus schwierigen Jahr“, wie Klaasen weiter ausführt: „Auch Dank der Weihnachtsmärkte wird Einkaufen so wieder zu einem kommunikativen Erlebnis, das dem Kauf per Mausklick an Emotionalität deutlich überlegen ist.“ Städte hätten das touristische Potenzial der Weihnachtsmärkte erkannt und würden diese unter anderem mit Busreisen bewerben und fördern. Davon wiederum profitierten Gastronomie und Hotelgewerbe. Klaasen nennt als Beispiel Städte wie Dresden, Nürnberg, Erfurt, Kiel und Rostock, die für einen Wintermonat hohe Besucher- und Belegungsquoten verzeichneten.

„Die Weihnachtsmärkte sind der letzte Rettungsanker“, sagt der Rintelner Schausteller Marlon Klaasen und hofft, dass das traditionelle Fest zum Jahresende stattfinden kann.

Weihnachtsmärkte hätten, so Klaasen weiter, einen „echten, historisch begründeten Bezug zum christlichen Ursprung des Weihnachtsfestes“ und böten „Kirchen eine exzellente Möglichkeit, auch außerhalb eines Kirchengebäudes den Kontakt zur Bevölkerung zu suchen und mit den Besuchern zu kommunizieren“. Weihnachtsmärkte seien Orte des sozialen Miteinanders, Orte der Integration, Inklusion und Identifikation, erklärt der Schausteller weiter: „Hier kommen Menschen von jung bis alt, von unterschiedlicher Herkunft und aus unterschiedlichen sozialen Schichten zusammen. Sie heben die Ausrichtung traditioneller Weihnachtsmärkte als ein Stück Daseinsvorsorge für die Bürger hervor, weil sie eine die Gemeinschaft fördernde und Identität stiftende Funktion haben.“

Die Schausteller plädierten daher aus offensichtlichen und naheliegenden Gründen dafür, die traditionellen Weihnachtsmärkte auch in diesem Jahr abzuhalten, führt Klaasen in einer Presseerklärung an. Mit Einbahnstraßenregelungen, Verzicht auf Aktionstage, Beschilderungen und breiteren Wegen könnten die Besucherpräsenz verteilt und gestaltet werden. Weiterhin könne jedes einzelne Geschäft mit Abstandsflächen, Abtrennung von Arbeitsbereichen, optimierten Abläufen und regelmäßiger Reinigung Vorsorge treffen. Das stabile und erfreulich niedrige Infektionsgeschehen und die von der Bevölkerung verinnerlichten Regeln des Hygieneschutzes und das geringere Infektionsrisiko an frischer Luft gegenüber geschlossenen Räumen ließen die Durchführung von Weihnachtsmärkten gut vertretbar erscheinen. Zudem seien sie keine Großveranstaltungen und zeichneten sich durch eine ruhige und besinnliche Atmosphäre aus. „Die Weihnachtsmärkte sind der letzte Rettungsanker“, so Klaasen abschließend.

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