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Diskussion um Brückentorentscheid: „Wesertekk“ empfiehlt „Nein“, Neuhäuser wirbt auf Briefen für „Ja“

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(Rinteln) Im Vorfeld wurde so viel über den Brückentorsaal diskutiert und gestritten, dass jedes Argument vorgebracht und jeder Konter ausgeteilt ist. Am morgigen Sonntag geht die Abstimmung in die Schlussphase. Wird das Ergebnis einem Vulkanausbruch gleichkommen – oder bleibt es eine laue Brise? Befürworter und Gegner sparen jedenfalls kurz vor dem Finale nicht an verbalem Schlagabtausch. Institutionen und Gruppen melden sich öffentlich zu Wort. So schickte uns die Wesertekk-Truppe um Arne Rörtgen ebenfalls ein Statement.

Die Wesertekk-Jungs plädieren für ein „Nein“ beim morgigen Bürgerentscheid.

Wesertekk sieht in Plakaten und Bannern „Stimmenfang durch Angstmache und Druckausübung“

Die jungen Menschen, sonst eher für wummernde Bässe und schnelle Beats auf ihren Events bekannt, bekennen deutlich Farbe und empfehlen ein „Nein“. „Gerade wir jungen Leute sollten von diesem Recht Gebrauch machen, da uns die Konsequenzen am meisten betreffen“, schreibt Wesertekk, „es gibt seit geraumer Zeit keine offiziellen Veranstaltungsflächen mehr im Rintelner Raum. Das hat zur Folge, dass Abschlussbälle der Rintelner Schulen in Hameln, Obernkirchen und Bückeburg abgehalten werden. Die Schüler können aus diesem Grund auch keine lokalen Abifeiern organisieren um sich zu finanzieren. Junge Schauspieler und Musiker müssen ihre ersten Bühnenerfahrungen auf improvisierten Bühnen sammeln. Aus unserer Sicht trifft das Fehlen dieser Veranstaltungsflächen vor allem die jungen Bürger besonders hart.“

Man wolle sich „klar gegen eine vermeintlich schnelle, einfache und kostengünstige Sanierung des Brückentorsaals positionieren“. Das „schwierige Eigentümerverhältnis wird mittel- bis langfristig zu ähnlichen Problemen wie dem jetzigen führen. Das Problem würde wissentlich auf die nächste, unsere Generation verschoben“, heißt es weiter in dem Statement. Selbst bei einer Sanierung des Brückentorsaals wären keine adäquaten Tanzveranstaltungen bis in die frühen Morgenstunden aufgrund des benachbarten Hotels möglich: „Selbst mit Sondergenehmigung geht es hier nur bis ca. 3 Uhr morgens.“

„Wer am Sonntag mit „Nein“ stimmt, entscheidet sich lediglich gegen die Sanierung des Brückentorsaals durch die Stadt. Dies bedeutet nicht, dass sofort eine neue Veranstaltungshalle gebaut wird. Wir sprechen uns dafür aus, jede Möglichkeit nochmals transparent und öffentlich in Betracht zu nehmen. Auch sollten etwaige Umnutzungen alter Betriebs- und Industriehallen berücksichtigt werden. Diese haben aus unserer Sicht einen ganz besonderen Charme für Veranstaltungen 😉„, so Wesertekk weiter und ruft dazu auf, am Sonntag zur Abstimmung zu gehen. Darüber hinaus sieht man bei Wesertekk die Plakate der Bürgerinitiative besonders kritisch: „Wir wollen uns ganz klar gegen einen Stimmenfang durch Angstmache und Druckausübung positionieren. Es darf den Bürgern nicht suggeriert werden, dass mit einem „Nein“ am Sonntag KiTa Plätze fehlen werden oder Vereine ihr Geld gestrichen bekommen.“

„Pro Brückentor“ erntet in den sozialen Netzwerken viel Kritik für die großformatigen Banner im Stadtgebiet: (v.l.) Claudia Döpke, Ines Rauch und Eberhard Kirsch

Die Initiative „Pro Brückentor“, bestehend aus Ines Rauch, Claudia Döpke und Eberhard Kirsch hat ebenfalls alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Bürger von einem „Ja“ zu überzeugen. Neben Flyern als Zeitungsbeilage und großformatigen Bannern, auf denen sich eine Comicfigur in die (leeren) Taschen greift und mit dem Textzusatz, der suggeriert, bei einem prophezeiten Stadthallenneubau wäre kein Geld mehr für Feuerwehren/Vereine/Kitas, etc., übrig. Abgesehen davon, dass es – wie auch schon im Rat richtigerweise festgestellt – gar keinen Plan für eine neue Stadthalle gibt, handelt es sich beispielsweise bei Kita-Plätzen um Pflichtaufgaben einer Kommune. In den sozialen Netzwerken, gerade bei Facebook, wird von einigen Nutzern der Vorwurf erhoben, mit den Plakaten begebe man sich auf ein ähnliches Niveau wie zu Zeiten der Brexit-Kampagne in Großbritannien.

Am heutigen Samstag zogen die Sanierungs-Befürworter noch einmal alle Register. Auf einer ganzseitigen, vierfarbigen Anzeige in der Schaumburger Zeitung rühren sie mit einer Stellungnahme zum Bericht der Grünen-Fraktion über den Besuch der Aula in Neustadt am Rübenberge die Werbetrommel. Ebenso kommen 36 Rintelner Bürger, teils Vertreter aus Politik und Wirtschaft, die sich für eine Sanierung des Brückentorsaals starkmachen, in einem kurzen Statement zu Wort. Parallel dazu fanden unter anderem Bewohner der Bereiche Kollegienplatz, Josua-Stegmann-Wall, Steinanger, Paul-Erdniß-Straße, Burgfeldsweide und Kleiner Löök ein Schreiben von Ratsmitglied Dr. Gert Armin Neuhäuser im Briefkasten vor. Darin bittet Neuhäuser die Bürger darum, mit ihm „zusammen zu verhindern“, dass an den jeweiligen Standorten „eine große Mehrzweckhalle“ gebaut werde. Am Kollegienplatz könne der Lärmschutz seines Erachtens nicht gewährleistet werden können, daher werde „dieser Standort akut im Blick sein“. Am Wochenende könnten sich die angesprochenen Bürger nicht mehr auf dem Balkon oder im Garten erholen, wenn „mindestens jedes zweite Wochenende dort lärmintensive Veranstaltungen wie etwa Mallorca-Partys oder Großhochzeiten mit bis zu 600 Teilnehmern stattfinden werden“, so Neuhäuser weiter in dem Schreiben. Außerdem würde man mit einer Entscheidung für den Erhalt des Brückentorsaales verhindern, dass der städtische Haushalt „mit einem irren Großprojekt, das wie der Flughafen Berlin-Brandenburg oder das Feuerwehrhaus Möllenbeck immer nur teurer wird, gegen die Wand gefahren wird“, argumentiert Neuhäuser.

Thorsten Frühmark stellt die Frage, warum nicht auch eine ganz andere Alternative diskutiert werde: Keine Sanierung des Brückentorsaals – und auch keine neue Stadthalle? (Archivfoto)

In Rage zeigt sich auch Möllenbecks Ortsbürgermeister Thorsten Frühmark, der – ebenfalls auf Facebook – seinem Ärger über die Plakate Luft macht: „Mich ärgert, dass man mit unrichtigen Aussagen versucht, die Bürger zu einem „Ja“ zu bewegen. Ich hoffe, es fällt keiner darauf rein.“ Natürlich gebe es einen Anspruch auf Kindergartenplätze, so Frühmark weiter. Über Alternativen einer Sanierung könne nur sachlich diskutiert werden, wenn mit „Nein“ gestimmt werde. Das Thema, so Frühmark, sei für die Stadtentwicklung so wichtig, dass es nicht durch die Schilder in eine falsche Richtung gelenkt werden solle. In einem uns vorliegenden Leserbrief stellt Frühmark ergänzend die Frage, warum nicht auch eine ganz andere Alternative diskutiert werde: Keine Sanierung des Brückentorsaals – und auch keine neue Stadthalle. Man könne Vereinen kostenlos Zelte zur Verfügung stellen und Theateraufführungen könnten möglicherweise an Orten wie dem Gymnasium abgehalten werden.

Auf die Briefe Neuhäusers meldet sich auch Ratsmitglied Carsten Ruhnau auf Facebook zu Wort: „Es werden Halbwahrheiten aufgetischt, Dinge verdreht und Zusammenhänge hergestellt, die es nicht gibt.“ Ruhnau kritisiert, den Bürgern werde der Eindruck vermittelt, ein „Nein“ beim Bürgerentscheid würde automatisch zum Bau einer neuen Stadthalle führen: „Die ist dann automatisch ´groß´ und ´am Steinanger´, wird automatisch ´teurer und teurer´ und ´gegen die Wand gefahren´. Weiterhin hagelt es Kritik an – laut Ruhnau – Neuhäusers „Lieblingsvokabel“: „Eine Idee, die ihm nicht passt, ist immer ´irre´. Warum muss man ständig andeuten, wer anderer Meinung ist, sei nicht ganz richtig im Kopf? Das gehört sich nicht. Sowas macht man nicht in einer Demokratie und erst recht nicht unter Nachbarn in unserer Stadt.“

Der Höhepunkt mehrmonatiger Diskussionen um den Brückentorsaal gipfelt im Bürgerentscheid am 10.11.

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