(Rinteln) Es ist Donnerstagnachmittag. Ein angenehmer Herbsttag geht zu Ende. Auf dem Boot der Feuerwehr Rinteln ist noch ein Platz frei, als Sabine Rinne, Michael Fritz und Daniel Fritz von der Ortsfeuerwehr Rinteln beim Bootsanleger des Rintelner Kanu Clubs Halt machen, um den Pressevertreter mit an Bord zu nehmen.
Der niedrige Wasserstand der Weser lässt die Wahl der Anlegemöglichkeiten schrumpfen, andere Bootsanleger scheiden daher aus.

Das Feuerwehr-Trio sichert die Weser für die bevorstehende Übung ab – immerhin werden sich über ein Dutzend Menschen im Fluss aufhalten, da darf aus Sicherheitsgründen kein Motorboot oder Jetski vorbeifahren. Schon wenige Minuten nach dem Ablegen zeigt sich, wie wichtig diese Absicherung ist. Aus Richtung Doktorsee nähert sich ein Sportboot. Michael Fritz gibt Handzeichen zur Annäherung, Daniel Fritz lässt die Bootssirene aufheulen. Ein kurzes Gespräch zur Aufklärung und die Erkenntnis für die Bootsbesatzung: Hier geht es – vorerst – nicht mehr weiter.

Bereits seit 2014 findet im jährlichen Rhythmus die Übung zur Wasserrettung in Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und DLRG statt. Hintergrund war seinerzeit der Gedanke, der auch heute noch gilt: Bei Einsätzen sind Polizisten oft die ersten Kräfte vor Ort. Befindet sich ein Mensch in Not und ist ins Wasser geraten, zählt jede Sekunde. Dann eilen die Beamten zu Hilfe und begeben sich möglicherweise selbst in Lebensgefahr. Fließgewässer haben, das gilt auch bei niedrigem Wasserstand, ihre Tücken. Verschiedene Strömungen, Strudel, schlechte Sicht auf den Grund, noch dazu eine möglicherweise in Panik geratene Person, die sich vielleicht noch an den Retter klammert oder um sich schlägt.
Um sich selbst nicht übermäßig in Gefahr zu bringen, gibt es Techniken und Griffe, die zur Anwendung kommen. Damit jeder Handgriff sitzt, im Notfall der hoffentlich niemals eintritt, sind Übungsveranstaltungen wie diese Gold wert – das war auch in diesem Jahr aus den Reihen der Polizisten zu hören, die aus Rinteln, Braunschweig und Hannover zur Teilnahme vor Ort mitmachten.

Bei einem Pegel von rund 92 Zentimetern, einer Strömung von etwa vier Stundenkilometern und erfrischenden 18 Grad Weserwassertemperatur machten sich insgesamt neun Polizeibeamte in Begleitung der DLRG-Profis ans Werk, um die bestmögliche Wasserrettung zu üben. Als Option zeigte die Feuerwehr, wie das Herausziehen aus dem Wasser mittels sogenanntem „Spine-Board“ funktionieren kann.
Nach ungefähr einer Stunde im kalten Wasser ging die Wasserrettungsübung mit einer Grillrunde, warmen Getränken und einer Nachbesprechung im Rintelner DLRG-Hauptquartier zu Ende. Der Erkenntnisgewinn unter den Teilnehmern war groß: Die „Weser, das unbekannte Wesen“ ist auch bei Niedrigwasser nicht zu unterschätzen, das Schwimmen in voller Polizeimontur inklusive Schutzweste gestaltet sich deutlich anders als mit Badehose und eine Neuauflage im kommenden Jahr wäre wünschenswert. Damit im Ernstfall jeder Handgriff sitzt.
(Text & Fotos: vu)



























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