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Ein bisschen länger: Todenmann bis Sommer voll gesperrt

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Große Bauprojekte haben einen schweren Stand. Sie sind umstritten (Stuttgart 21), werden meist viel teurer als geplant (Elbphilharmonie) oder gefühlt niemals fertig (Berliner Flughafen). Bei der Ortsdurchfahrt Todenmann schien zunächst alles anders. Lange Zeit hat man darauf gewartet und sie gefordert, im August 2015 fiel der Startschuss und es ging endlich los.

Eigentlich ein Grund zur Freude, doch bald folgte die Ernüchterung: Das Arbeiten unter halbseitiger Sperrung gestaltete sich äußerst gefährlich, im Untergrund lauerte so manche Überraschung. Jetzt bei der zweiten Informationsveranstaltung in der „Linde“ dann die Gewissheit: Es wird länger dauern als geplant.

Die Arbeiten unter halbseitiger Sperrung haben sich während der ersten Bauphase (Einmündung Allersiek bis auf Höhe der Kirche) als nicht durchführbar erwiesen. Zu gering waren die Sicherheitsabstände, zu groß das Risiko für die Mitarbeiter. In der Folge hat man umgeplant: Der zweite Bauabschnitt (beginnend ab der Kirche und beim Gasthof „Zur Linde“ endend und mit rund 400 Metern der längste) und der folgende werden komplett unter Vollsperrung gebaut.

Fast gleichzeitig startet Bauabschnitt Nummer Vier (ab Ortsausgang) unter halbseitiger Sperrung. Das zweite Teilstück, bei dem am Mittwoch bereits die Fahrbahnoberfläche abgefräst wurde, soll im Mai fertig werden. Dann starten die Arbeiten an Abschnitt Nummer Drei (ab der „Linde“ bis zum Ortsausgang), ebenfalls unter Vollsperrung, und in etwa gleichzeitig der abschließende Bauabschnitt Fünf (bis zur Sportschießanlage), ebenfalls halbseitig gesperrt. Statt wie ursprünglich im Oktober ist das Finale der Bauarbeiten nun fürs Jahresende vorgesehen. Die Vollsperrung soll bis Juni dauern.

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Klärten die Todenmanner auf (von links): Henrik Notthoff (Baufirma Völkmann), Grit Seemann (Abwasserbetriebe), Andreas Buchmeier (Ordnungsamt), Joachim Steinbeck (Stadtverwaltung), Karl-Heinz Klages (Straßenmeisterei), Anne Hanus (Straßenbaubehörde)

Fakten, die bei den über 100 anwesenden Zuschauern im Gasthaus „Zur Linde“ nicht gerade für Begeisterung gesorgt haben. Es kam Kritik und diverse Einwände von den von der Baustelle betroffenen Anwohnern. Warum man nicht im Zwei-Schicht-Betrieb arbeiten würde, fragte ein Besucher, am Ende zahle die Bevölkerung doch drauf. Der Bauleiter der Firma Völkmann, Henrik Notthoff, erklärte, die Bauzeit sei vertraglich geregelt und war ohnehin bis Ende Oktober eingeplant. Man halte sich hier nicht länger auf, als nötig, versicherte er. Und der Leiter der Straßenmeisterei Rinteln ergänzte, die Mitarbeiter auf der Baustelle gäben alles. Ein Zwei-Schicht-Betrieb bedeute zwei Mal sechs Stunden, und das sei nicht machbar.

Auch der Einwand eines Bürgers, man nehme keine Rücksicht auf die innerörtlichen Betriebe, relativierte Klages. Die Verhältnisse in Todenmann seien relativ gut, die Gaststätten können weiterhin angefahren werden und andere Betriebe hätten ohnehin Zielverkehr, also Kunden die gezielt kommen. Es hätte auch schon Situationen gegeben, da habe man Ortsdurchfahrten mit einer Tankstelle mittendrin sperren müssen – da ging es dann wirklich an die Existenz.

Andere sorgten sich um den Kirschenverkauf und bemängelten die fehlende Beschilderung mit Hinweisen am Konrad-Adenauer-Kreisel. Ein Bleekebrink-Anwohner zählte die Schadensbilanz auf, die ein unfallflüchtiger LKW-Fahrer bei einem Rückwärts-Fahrmanöver an seinem Grundstück angerichtet hatte: „Acht Meter Zaun, drei Büsche und eine Straßenlaterne gingen zu Bruch“. Navigationssysteme würden immer wieder PKW und LKW in die Irre führen, letztere steckten dann ohne Wendemöglichkeit am Wald fest. Auch die Aufhebung der Vollsperrung vor Weihnachten und die Freigabe für sämtlichen Verkehr sorgte für Irritationen, war doch zuvor erst angekündigt worden, die Straße nur für „Anlieger“ passierbar zu machen. Für Fußgänger und Krippenspiel-Kinder, die keinen Gehweg benutzen konnten, eine gefährliche Situation. Anne Hanus von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr räumte ein, das sei etwas „unglücklich“ gelaufen. Letztlich war angeblich ein „Kommunikationsproblem“ Schuld an den irrtümlich abgeräumten Schildern, die den Verkehr auf Anlieger begrenzen sollten.

„Anlieger frei“ steht dafür auf beiden Seiten der Fülmer Straße, die sich einerseits in Todenmann, andererseits in Eisbergen befindet. Die Stadt Porta Westfalica, erklärte Andreas Buchmeier vom Ordnungsamt der Stadt Rinteln, habe um Aufstellung des Schildes auf Todenmanner Seite gebeten. Sonst würde die Straße kaputtgefahren. Dafür, so eine Anwohnerin die jeden Tag zwei Mal nach Eisbergen fahren muss, würde die Polizei aus Porta jetzt dort zur Kasse bitten.

Vereinzelt gebe es auch Änderungen an den Grundstücksanschlüssen, wie Ortsbürgermeister Uwe Vogt erfragte. Bis zu zehn Zentimeter liege die Straße teilweise höher, auf eine einheitliche Linie gebracht, räumte Klages ein. Anders sei das aber nicht möglich, sonst würde die Straße wieder wellenförmig verlaufen. Tiefer liegende Grundstücke bekommen dadurch eine steilere Einfahrt, die soll aber auf rund einem Meter Länge angeglichen werden. Auch die Feuerwehr hat ihre liebe Not mit der Baustelle. Ein zweigeteiltes Todenmann, ein Kettenbagger mitten in der Baustelle – wer auf der „falschen“ Seite wohnt, muss den Weg zu Fuß zum Feuerwehrhaus antreten. Den Schlüssel zum Erfolg hatte hier der Ortsbürgermeister. Mit dem Forstamt sei die Nutzung eines Forstweges am Waldrand abgesprochen. Den Schlüssel zur Schranke am Waldweg solle man im Feuerwehrbulli deponieren, den Bulli auf der westlichen Dorfseite abstellen.

Auch ein Sammelpunkt für Mülltonnen wurde angeregt, ebenso die ständige Verspätung der Schulbusse kritisiert. Die SVG, so Vogt, war nicht in der Lage das zu ändern und die Busse früher starten zu lassen. In der Stoevesandtstraße gebe es zwar eine neue Bushaltestelle auf Höhe des China-Restaurants, an der fahren viele Busfahrer aber einfach vorbei. Aus Unkenntnis, wie zu erfahren war. Auch ersatzweise beschäftigte Fahrer wüssten oftmals gar nichts von der Vollsperrung im Kirschendorf. Ein DIN A4-Blatt mit allen nötigen Telefonnummern auf einen Blick wurde angeregt. Und eine bessere Beschilderung (ein Umfahren der Baustelle ist nämlich nach wie vor nicht möglich), damit es in der Umleitung „flutscht“ und keine Fahrzeuge fehlgeleitet in Nebenstraßen feststecken.

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