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Eingepackt und abtransportiert: St. Nikolai Orgelpfeifen kommen in die Werkstatt

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(Rinteln) Der vorerst letzte Ton ist am vergangenen Sonntag aus der historischen Orgel in der St. Nikolai Kirche entwichen. Bereits tags darauf machten sich die Mitarbeiter der Firma Bente Orgelbau aus Suthfeld in der Samtgemeinde Nenndorf an die Zerlegung des Musikinstruments.

Beim Pressetermin am Dienstag war bereits jede Menge Handwerkertätigkeit auf der Orgelempore zu sehen. Einer der Mitarbeiter hatte sich tief ins Innere des Orgelaufbaus begeben und saugte den Staub aus der Konstruktion, der sich im Laufe der Jahre angesammelt hatte. Weitere fleißige Hände verpackten Orgelpfeifen aus Metall und Holz in Transportkisten und beförderten sie mittels Hebebühne nach unten.

Immer sorgsam und vorsichtig, dass die kostbaren Gegenstände auch ja keinen Schaden nehmen. Einer von ihnen, Christoph Neitzel, zeigt bei der Gelegenheit Details, die man im normalen Betrieb einer Orgel niemals zu Gesicht bekommt. Da sind die Nahtstellen der Pfeifen auf der Rückseite.

Deutlich zu sehen: Die Orgelpfeife besteht aus Einzelteilen und wurde verlötet.

Die rohrförmigen Klangerzeuger werden aus gegossenen und gerollten Metallplatten, meist eine Blei/Zinn-Legierung gefertigt und verlötet. Man erfährt auch, dass die Pfeifen eigentlich Labialpfeifen heißen und die Luft gegen das Labium (lateinisch für „Lippe“) geblasen wird und so der Ton erzeugt wird. Blockflöten funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Und da jede dieser Pfeifen nur einen Ton erzeugen kann, braucht eine Kirchenorgel so viele einzelne davon. Mehrere davon werden zu Registern zusammengefasst und können während des Spielens zu- und abgeschaltet werden.

Bei der Feinabstimmung dieser Pfeife wurden feine Kerben in die Lippe gefräst, um die Luftführung zu beeinflussen.

Nach und nach werden die Orgelpfeifen transportfest verpackt und in die Werkstatt gebracht, wo sie Zug um Zug aufbereitet und wieder aufbereitet werden. Bleifraß durch ausdünstenden Leim und Schimmel aufgrund hoher Luftfeuchtigkeit hatten dem Instrument zugesetzt. Die Luftfeuchtigkeit innerhalb der Kirche merkt Orgelbauer Neitzel aufgrund seiner Erfahrung mit verschiedenen Arbeitsstätten an diesem Tag sofort.

Orgelbauer Christoph Neitzel legt die Holzpfeifen auf eine Kirchenbank.
Deutlich zu sehen: Der Schimmelbefall an den Holzpfeifen.

Im Oktober, so der Plan, soll die Orgel nach dem Zusammenbau und der Feinabstimmung wieder in bester Tonalität erklingen. Bis dahin übernimmt die kleine Truhenorgel die Klangerzeugung in St. Nikolai.

Die Orgelpfeifen werden in Kisten von der Empore in den Kirchenraum befördert und dort für den Weitertransport vorbereitet.
Orgelsachverständiger Wolfgang Westphal mit der Truhenorgel. (Archivfoto)

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