(Rinteln) Jedes Jahr zum Todestag von Carl Wilhelm Wippermann, am 23. März, legen Vertreter der Stadt Rinteln einen Kranz an seiner Gedenkstätte auf dem Seetorfriedhof nieder und erinnern dabei an einen Menschen, der als guter Demokrat gilt, Kämpfer für die hessische Verfassung, Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung und Bürgermeister der Stadt Rinteln war.
In diesem Jahr waren neben Bürgermeisterin Andrea Lange auch Rintelns ehemaliger Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz sowie der Leiter des Museum Eulenburg, Dr. Stefan Meyer, und der Leiter des Bauhofs, Klaus Ulrich Hartmann, mit dabei.
Die jährliche Kranzniederlegung findet in der Öffentlichkeit kaum noch eine große Resonanz. Deshalb regte Karl-Heinz Buchholz an, über eine weitere Ehrung der herausragenden Person Wippermann nachzudenken. Andrea Lange nahm die Anregung mit ins Rathaus. In Frage kommt möglicherweise auch eine Ehrenbürgerwürde Wippermanns. Bislang ist nur der Pflanzensoziologe Reinhold Tüxen Ehrenbürger der Stadt Rinteln.
Doch was ist denn genau der Verdienst von Carl Wilhelm Wippermann, der von 1800 bis 1857 lebte?
Dr. Stefan Meyer hatte sich bereits vor Jahren mit seiner Person beschäftigt und weiß, dass in den Archiven von Marburg und Kassel noch weitere Informationen über diesen großen Rintelner schlummern, der als Sohn eines Juraprofessors an der Academia Ernestina am 1. Dezember 1800 geboren wurde. Bereits mit 18 Jahren hielt er seine erste und viel beachtete öffentliche Rede auf einem hochpolitischen Turnfest in Todenmann. Er studierte Jura, wurde Anwalt beim Obergericht in Rinteln und 1831 Bürgermeister der Stadt.
1832 schon wechselte er als Deputierter der Landgemeinden des Weserbezirks in die Ständeversammlung und wurde Wortführer des liberalen Flügels, übersiedelte nach Kassel und wurde zum zweiten Bürgermeister dort gewählt. Der damaligen hessischen Regierung war Wippermann zu reaktionär, doch alle Anfechtungen seiner Wahl blieben ohne Erfolg. Wippermann war beliebt, galt als wahres Redetalent und erhielt 1836 die Ehrenbürgerwürde Kassels. Er arbeitete maßgeblich an der neuen Städte- und Gemeindeordnung von 1834 und die freiheitliche Abfassung des Gesetzes ging wesentlich auf ihn zurück.

Wippermann kämpfte für eine aktive Verkehrspolitik, trat öffentlich gegen Korruption ein und wurde 1842 zum Oberbürgermeister Kassels gewählt, was auf Intervention des Kurfürsten annuliert wurde. Rinteln bot Wippermann seinen politischen Rückhalt und als 1848 die politischen Dämme in Europa brachen, nahm er als Gesandter der kurhessischen Regierung an der Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche teil, wo er sich maßgeblich an der in der Verfassung verankerten Bundesgewalt einsetzte. Er wurde Staatsrat im Finanzministerium, doch die Revolutionsbewegung scheiterte und sein politischer Rückzug war eingeleitet.
Wippermann zog zurück nach Rinteln in die Klosterstraße und starb hier 1857 an einem starken Gichtleiden. Er erlebte das Ende der strikten Reaktionszeit in Hessen 1862 nicht mehr.
(Text & Fotos: ot)





























Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.