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Erinnerungstafel für Eleonore Storck, die Überlieferin des Märchens „Tischlein deck dich!“

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(Rinteln) Mit freundlicher Genehmigung und im Beisein von Hauseigentümerin Rita Werner wurde am Mittwoch eine Erinnerungstafel für Eleonore Storck, die Überlieferin des Märchens „Tischlein deck dich!“ an ihrem Geburtshaus in der Bäckerstraße 4 angebracht.

Erst vor wenigen Jahren wies der Kasseler Germanist und Grimmforscher Prof. Dr. Holger Erhardt in einer ausführlichen Untersuchung nach, dass die in einem Manuskript genannte Überlieferin, eine „Mamsel Storch bei Henschel“, nur die 1750 in Rinteln geborene Eleonore Storck sein kann.

Die Gedenktafel wird an der Hauswand befestigt.

Stadtführerin Helge Heinke-Nülle und Museumsleiter und Stadtarchivar Dr. Stefan Meyer konnten nach alten Katastern das Haus Bäckerstraße 4 als Wohnhaus des Rintelner Schwertfegers und Rotgießers Johann Friedrich Anton Storck, des Vaters von Eleonore Storck ausmachen. Die Storcks lebten von der Herstellung hochwertiger Gegenstände aus Messing, Kupfer und Bronze, für Waffen und Uniformteile. Um 1770 ging Johann Friedrich Anton Storck mit seiner Familie nach Kassel, wo sein Schwiegersohn Carl Henschel, der Schwager Eleonores, mit in das Unternehmen eintrat. Aus der Stück- und Rotgießerei entwickelte sich später die große Kasseler Lokomotivenfabrik Henschel.

Der gutbürgerliche Unternehmerhaushalt in Kassel gehörte zum Umfeld der Brüder Grimm, die dort von der unverheiratet mit im Haus lebenden „Mamsel“ Eleonore Storck, später auch „Storch“ geschrieben, das Märchen vom „Tischlein deck dich“ übernahmen. Eleonore Storck, die ihren niederdeutschen Namen in ihren letzten Jahren auch wiederholt in hochdeutsche „Storch“ abwandelte, starb unverheiratet in Haus ihrer Schwester und ihres Schwagers im Jahre 1828. Da hatten die berühmten Grimms Märchen schon ihre zweite, verbesserte Auflage hinter sich und traten ihren Siegeszug durch die Wohn- und Kinderzimmer in aller Welt an.

Für Rinteln wird durch die neuen Erkenntnisse aus touristischer Sicht ein kleines Märchen wahr. Gerade dieses Märchen bietet für Hoteliers und Gastronomen eine vielversprechende Verbindung zwischen den weltberühmten Grimm- Märchen, der romantischen Landschaft des Weserberglandes und der Gastlichkeit eines „Tischlein deck dich!“. Gleichzeitig liegt Rinteln ohnehin an der Route der „Deutschen Märchenstraße“, auch wenn die Stadt schon seit vielen Jahren nicht mehr formelles Mitglied in diesem Zusammenschluss „märchenhafter“ Städte ist.

(Text & Foto: Dr. Stefan Meyer)

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