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Für mehr Artenvielfalt an Wegrändern: Ökologisches Mähkonzept startet in Rinteln

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(Rinteln) Wenn Wegränder und Säume in diesem Jahr anders aussehen sollten als gewohnt, hat das einen triftigen Grund: Sie sind nicht etwa beim Mähen in Vergessenheit geraten, sondern werden künftig anders behandelt und weniger häufig gemäht. Hintergrund ist das ökologische Mähkonzept der Stadt Rinteln, das jetzt vom Unternehmen „O9“ aus Minden in Zusammenarbeit mit einer NABU-Arbeitsgruppe erarbeitet und von den Landschaftsarchitekten Elvira Pass und Wolfgang Hanke im Bauhof vorgestellt wurde. Das Konzept ist mit 44.000 Euro über das „LEADER“-Programm der EU gefördert worden. Von den 80.000 Euro Gesamtkosten trägt die Stadt Rinteln daher den Restanteil von 36.000 Euro.

Das Problem: Bisher kommt, wie in den meisten Kommunen, die sogenannte Mulchmahd zum Einsatz. Hierbei wird gemähtes Gras zerkleinert und auf der Oberfläche, dem Saum, belassen. Dadurch kommt es zu erhöhtem Nährstoffeintrag in den Boden und sogar zu Fäulnisprozessen. Schlechte Voraussetzungen für artenreiche Säume mit Kräutern und Blühpflanzen. Diese benötigen eher magere Böden. Auch kommt es durch häufige Mahd zu einer Stärkung der schnell wachsenden Gräser. Künftig soll daher die erste Mahd später, gegen Ende Juli, erfolgen. Das Mähgut soll darüber hinaus abgeräumt werden. Rund 180 Kilometer Wegstrecke unterhält der Bauhof der Stadt Rinteln, davon sollen etwa 70 Kilometer nach den neuen Vorgaben gemäht werden.

Vertreter von NABU (v.l.: Ute Bargenda, Angelika Wagner und Maria Rollinger), dem Mindener Planungsbüro „O.9“ (Elvira Pass und Wolfgang Hanke) und des städtischen Bauhofs (Klaus-Ulrich Hartmann und Daniel Spönemann) stellten das ökologische Mähkonzept für Rinteln vor.

Seltener Mähen: Mehr Chancen für Wildblumen und Kräuter

Artenvielfalt auf Knopfdruck wird es jedoch nicht geben, soviel macht die Vorstellung des Konzepts deutlich. Die geänderten Abläufe verlangen dem Bauhof und seinen Mitarbeitern einiges an zusätzlichem Aufwand ab. Zwar wurde intern fleissig geschult und informiert, doch einige Knackpunkte gilt es, bis zum Sommer zu lösen; darunter die Frage, wie das gemähte Gras eigentlich abtransportiert werden soll. Die Methode des Mähens und Absaugens hat nämlich einen unerwünschten Nebeneffekt. Im Gras lebende Insekten werden gleichermaßen entfernt. Verschiedene technische Änderungen, darunter modifizierte Mähköpfe mit Striegeln, die Insekten vorab verscheuchen und ihnen damit eine Überlebenschance geben, sind laut stellvertretendem Bauhof-Leiter Daniel Spönemann in der Betrachtung. Weiterhin lässt sich die Schnitthöhe nicht ohne weiteres beliebig einstellen. Sonst drohe die Gefahr, dass Steine und ähnliche Gegenstände von den Messern auf die Straße geschleudert würden. Es sei ein Lernprozess und eine Entwicklung über Jahre, befand Bauhof-Chef Klaus-Ulrich Hartmann. Maschinen müssten neu angeschafft und umgerüstet werden.

Mähen und abtransportieren statt mulchen

Maria Rollinger vom NABU lobte den politischen Rückhalt fürs Projekt, das auf dem Aktionsplan „Bienenfreundliches Rinteln“ basiert und die Aktion „Hier blüht Euch was“ unterstützt. Man könne, so der Vorschlag, Ehrenamtliche zur Mitarbeit gewinnen, das Mähgut von Hand abzuräumen und Landwirte mit ihrem Wissen ermutigen, sich zu beteiligen.

Verkehrsteilnehmer müssen übrigens nicht befürchten, aufgrund hoch wachsender Gräser Sicherheitsrisiken ausgesetzt zu sein. Sichtdreiecke an Kreuzungen und Einmündungen würden weiterhin rechtzeitig gemäht, stellte Hartmann klar.

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