Das Online News-Magazin für Rinteln und die Umgebung.

Historischer Moment für Rinteln: Grundsteinlegung an IGS-Baustelle erfolgt

Premium Banner 1a
Premium Banner 1a

(Rinteln) Ein historischer Moment für Rinteln und den Landkreis Schaumburg: Am heutigen Montagnachmittag fand die offizielle Grundsteinlegung zum Neubau der Integrierten Gesamtschule (IGS) an der Burgfeldsweide statt.

IGS-Schulleiter Torsten Rudolf berichtete, er habe während der mehrjährigen Planungsphase viel gelernt – von Einblicken in die Kommunalpolitik, bis hin zum Bau-Fachchinesisch. Auch klärte Rudolf die Gäste aus Kommunalpolitik und Wirtschaft darüber auf, dass bei einer Grundsteinlegung keinesfalls ein Stein gelegt werde, sondern vielmehr eine Kupferkapsel mit zeitgeschichtlich relevanten Gegenständen befüllt und eingemauert werde.

IGS-Schulleiter Torsten Rudolf gewann während der Planungsphase eigenen Angaben zufolge zahlreiche Erkenntnisse.

Wenn dann in der Zukunft Archäologen die Zeitkapsel ausbuddelten, könnten sie die darin enthaltenen Niederschriften und Wünsche der Schüler (beispielsweise nach freiem W-LAN) mit der Wirklichkeit vergleichen. Rudolf sprach vom Bauprojekt der Zukunft und bedankte sich bei allen Beteiligten, vom Landkreis bis zur Stadt, fürs „Bohren von dicken Brettern“ auf allen Ebenen. Angesichts der großen Planungstiefe glaube er an den kommunizierten Einzugstermin im kommenden Sommer, so Rudolf.

Interessante Unterschiede zwischen dem Süden und Norden der Bundesrepublik

Auch Thorsten Kock vom Architektenbüro Bez + Kock aus Stuttgart gab zu, einiges gelernt zu haben. So war er erfreut über die konstruktive Zusammenarbeit mit Schulleiter Torsten Rudolf, der angesichts genauer Zeichnungen und Entwürfe die pädagogischen Wünsche aller Beteiligter präzise darlegen konnte. Die IGS als Schulform sei in Niedersachsen selbstverständlich, während in Baden-Württemberg noch immer an politischen Konzepten darüber gefeilt werde. Auch sei ein Holzbau, wie es die neue IGS in Rinteln wird, „nördlich der Mainlinie“ eher ungewöhnlich. Aufgrund der schieren Größe, die selbst ein Fußballfeld in den Schatten stellt, sowieso.

Thorsten Kock vom Architektenbüro Bez + Kock erklärte, die Schulform IGS sei im Norden Deutschlands verbreiteter als im Süden.

Und dann erst die Verkehrsplanung. „Allein dieses Projekt hätte eine eigene Grundsteinlegung verdient“, schmunzelte Kock. Zum Gebäude merkte der Architekt und Planer an, es handele sich um eine hochwertige Struktur mit starker Dämmung und „Lärchenschalung aus dem heimischen Landkreiswald“, somit also auch nachhaltig. Holzbau sei insofern innovativ, weil man die modernen Anforderungen an Stabilität und Brandschutz (die aus dem Massivbau stammten) in Holzbauweise „gießen“ müsse: „Eine Wand kann unterschiedlich dick sein, aber das Feuer ist immer gleich und die Wand muss den Flammen immer 90 Minuten standhalten.“

Historischer Moment für einen Bürgermeister

Bürgermeister Thomas Priemer gab sichtlich stolz zu Protokoll, man habe während einer Amtszeit nicht so oft die Gelegenheit, das kostenintensivste Bauprojekt des Landkreises miterleben zu dürfen. Aus einem Schulsystem mit mehreren dezentralen Standorten in Rinteln werde eine große Schule am exponierten Bildungsstandort Burgfeldsweide, so Priemer. Dies sei ein klares Zeichen für die Stabilität des Bildungsstandortes Rinteln. Mit künftig drei Schulen entstehe ein modernes Schulzentrum, das die Stadt attraktiv für junge Menschen mache.

Bürgermeister Thomas Priemer darf während seiner Amtszeit das wohl teuerste Projekt des Landkreises miterleben.

Steigende Preise im Baugewerbe schlagen sich in immer höheren Kosten für die IGS nieder

Landrat Jörg Farr, der die Baupläne offenbar gut im Vorfeld studierte, verriet, dass es sich beim Standort der Zeitkapsel um die Fundamente für den Fahrstuhlschacht handele. Die Verkehrsgestaltung habe einen großen Teil der Planung beansprucht. Neben dem neuen Schulgebäude werde auch ins Gelände und die Aula des Gymnasiums investiert (wir berichteten).  Steigende Preise im Baugewerbe beträfen allerdings auch den Neubau der IGS. Die Kehrseite des günstigen Geldes seien gestiegene Baukosten, allerdings seien die Zinsen dafür günstiger (aktuellen Zahlen des Landkreises zufolge belaufen sich die Kosten fürs Gebäude auf 25,9 Millionen Euro, die Kosten für die Außenanlagen an beiden Schulen betragen 5 Millionen Euro = 30,9 Millionen Euro. Die voraussichtliche Fertigstellung ist für den Sommer 2021 angegeben. – Anm. d. Red.).

Landrat Jörg Farr.

Letztlich wurde die Zeitkapsel in dem eigens dafür vorbereiteten Mauerstück versenkt und mit vereinten Kräften eingemauert. Dabei klickten die Fotoapparate und ratterten die Videokameras, um diesen denkwürdigen Moment für die Nachwelt festzuhalten. Übrigens fand Architekt Thorsten Kock noch einen deutlichen Unterschied zwischen dem Süden und dem Norden der Republik, wie er anmerkte: „Die Empfindlichkeit fürs Corona-Virus scheint in Süddeutschland höher zu sein als im Norden, denn wir haben heute schon viele Hände geschüttelt.“ (vu)

Von links: Architekt Thorsten Kock, Landrat Jörg Farr, Bürgermeister Thomas Priemer und IGS-Schulleiter Torsten Rudolf setzen die Zeitkapsel ins vorbereitete Mauerstück.
Dann wird nacheinander Mörtel aufgetragen.
Der Symbolcharakter zählt: Das Ergebnis hält dem prüfenden Blick des Architekten allerdings nicht stand.

Related posts