(Rinteln) Bereits 2025 hat der Abwasserbetrieb der Stadt Rinteln vorbereitende Rodungsarbeiten durchgeführt, jetzt hat der Bautrupp mit den Arbeiten an der Verwallung der Rintelner Kläranlage begonnen. Seit dem 20. Juli laufen die Bauarbeiten.
„Diese lange geplante Maßnahme ist unerlässlich, um die Kläranlage vor zukünftigen Starkregen- und Hochwasserereignissen zu schützen“, erklärt Grit Seemann, Leiterin des Abwasserbetriebs der Stadt Rinteln. Bisher sei man in Rinteln noch knapp verschont geblieben, die Kennwerte der Wasserwirtschafts- und Umweltbehörden belegten jedoch, dass extreme Niederschlags- und Hochwasserereignisse in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland häufiger und mit höherer Intensität auftreten werden. „Aufgrund der Nähe zur Weser ist es unsere Aufgabe, sicherzustellen, dass sich Abwasser und Trinkwasser auch in Zukunft nicht vermischen“, erläutert die Fachfrau.

Abwasserbetrieb investiert rund 1,7 Millionen Euro in Hochwasserschutz
Die Arbeiten beginnen im süd-östlichen Bereich mit Erdarbeiten an dem Teilstück der neuen Verwallung. Hierzu wird vorhandener Boden aufgenommen und von Wurzeln und Organik getrennt. Um eine standfeste Verankerung des neuen Walls mit dem gewachsenen Boden zu erlangen, wird der Oberboden etwa 50 Zentimeter tief abgegraben und der Dammfuß aus aufbereitetem Bodenaushub lagenweise hergestellt und gut verdichtet. In die Verwallung der Kläranlage investiert der Abwasserbetrieb der Stadt Rinteln rund 1,7 Millionen Euro. Die Arbeiten führt die Kögel Bau GmbH & Co. KG aus Bad Oeynhausen im Auftrag des Abwasserbetriebs durch.
Erdverwallung und Winkelstützen in Kombination
Ziel des Projekts ist es, den etwa 940 Meter langen Ringwall um 60 bis 80 Zentimeter aufzustocken. Neben der eigentlichen Erhöhung wird auch der bereits vorhandene Wall auf einer Länge von rund 575 Metern auf der West- und Südseite abgetreppt, mit aufbereitetem Bodenmaterial aufgebaut und verdichtet. Die äußere Walllinie bleibt unverändert. Gleichzeitig wird am inneren Wallfuß eine Drainageleitung verlegt, um Regen- und Sickerwasser aufzufangen und abzuführen. Auf einer Strecke von rund 275 Metern ist ein Böschungsaufbau mit Erde nicht möglich. Aufgrund der Gebäude auf dem Gelände der Kläranlage fehlt dort der Platz. „Deshalb arbeiten wir dort mit Winkelstützen“, erläutert Grit Seemann. Im Außenbereich der Verwallung wird zusätzlich eine geosynthetische Tondichtungsbahn ausgerollt. Sie wird außen befestigt, damit kein Wasser eindringen kann und im Hochwasserfall keine Durchnässung stattfindet.
Bootsanlegestellen für den Ernstfall
Damit im Falle eines Hochwasserereignisses auch die Zufahrten zur Anlage gesichert sind, gibt es künftig mobile Hochwasserschutzwände, die im Ernstfall schnell eingesetzt werden können. Auch muss sichergestellt sein, dass die Kläranlage durch Mitarbeiter des Abwasserbetriebes im Ausnahmefall durchgehend betrieben werden kann. Aus diesem Grund entstehen im Zuge der Baumaßnahmen auch Bootsanlegestellen, wenn Fahrzeuge den Doktorseeweg nicht mehr befahren können. Die Einsatzstelle für Rettungsboote befindet sich künftig an der Nordseite der Verwallung zwischen den Zufahrten.
Ersatzbepflanzung erfolgt nach Beendigung der Bauarbeiten 2027
Auf dem bestehenden Wall wurden bereits 2025 die Bäume entfernt, damit im Extremfall keine umstürzenden Bäume den Wall beschädigen können. „Im letzten Jahr wurden die Bäume lediglich gefällt, im Zuge der aktuellen Baumaßnahme graben wir auch das Wurzelwerk aus“, sagt Grit Seemann.
Gemäß den naturschutzrechtlichen Auflagen hat der Abwasserbetrieb der Stadt Rinteln bereits 2025 eine Ersatzbepflanzung in unmittelbarer Nähe südöstlich der Kläranlage vorgenommen. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten erfolgt die restliche Ersatzbepflanzung auf der Grünfläche außerhalb des stabilisierten Ringwalls.
Hintergrund-Info:
In Rinteln obliegt die Reinigung des Abwassers dem Abwasserbetrieb der Stadt Rinteln, seit 1996 wirtschaftlich selbstständig geführt als Eigenbetrieb. Mit der Betriebsführung sind die Stadtwerke Rinteln beauftragt. Die gründliche Reinigung benutzten Wassers ist ein wichtiger Beitrag für die langfristige Versorgung mit gesundheitlich einwandfreiem Trinkwasser. Das in der Kanalisation gesammelte Abwasser fließt in die Kläranlage. Dort wird es in mehreren technisch aufwendigen Stufen gereinigt, bevor es wieder in ein Gewässer eingeleitet wird. Zum Abwassersystem in Rinteln gehört ein gut 320 Kilometer umfassendes Kanalsystem, 14 Regenüberlauf- und Rückhaltebecken und eine moderne, hocheffiziente Zentralkläranlage. So wird der Strom für den Betrieb der Zentralkläranlage vor Ort in zwei Blockheizkraftwerken (BHKW) erzeugt, die mit Klärgas befeuert werden, das bei der Abwasserreinigung entsteht. Zu den Unternehmen der Stadt Rinteln gehören neben dem Abwasserbetrieb der Stadt Rinteln auch die Bäderbetriebe Rinteln GmbH, die Gemeinnützige Verwaltungs- und Siedlungsgesellschaft mbH und die Stadtwerke Rinteln GmbH. Weitere öffentliche Aufgaben zur Daseinsvorsorge und Lebensqualität der Stadt deckt der Unternehmensverbund durch zahlreiche Beteiligungen ab; so sind die Stadtwerke Rinteln etwa Gesellschafterin bei der Schaumburger Trinkwasser Verbund- und Aufbereitungsgesellschaft mbH. Die Stadtwerke Rinteln sind die kaufmännische Klammer des gesamten städtischen Verbunds; auf diese Weise werden Synergien gehoben und die Effizienz erhöht.
(pr; Fotos: Abwasserbetrieb der Stadt Rinteln)



























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