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Holocaust-Gedenken: Schüler erinnern an Schicksale jüdischer Rintelner

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(Rinteln) Am 27. Januar 1945 wurden die Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Als Gedenken an den jetzt 81. Jahrestag nahm jetzt erneut eine Schülergruppe des Gymnasiums Ernestinum an der Aktion „5 Minuten für 6 Millionen“ teil.

Dabei gingen die Schüler unter Leitung von Thomas Weißbarth, Fachobmann Geschichte am Gymnasium, die Stolpersteine an verschiedenen Adressen im Stadtgebiet ab und verlasen die Geschichten und Schicksale der einst dort lebenden Rintelner Juden.

Thomas Weißbarth (am Mikrofon) und Daniel Ellermann, stellvertretender Schulleiter am Ernestinum.

Dr. Joachim von Meien, Leiter des Amtes für Bildung, Kultur und Sport, erinnerte im Namen der Stadtverwaltung an die Befreiung der Überlebenden. Die Stolpersteine waren von Schnee bedeckt, so wie damals bei der Befreiung auch in Auschwitz Schnee gelegen habe. Dabei gehe es nicht allein um die Zahl von 6 Millionen Holocaust-Opfern sondern auch der einzelnen Individuen und ihrer Schicksale aus Rinteln. Rintelner Bürger hätten damals durch ihre Wohnzimmerfenster bei der Verschleppung von Rintelner Juden zugesehen. „Es ist geschehen, folglich kann es wieder geschehen“, zitierte von Meien den Auschwitz-Häftling Primo Levi. Gegen das Vergessen, gegen die Relativierung der Verbrechen der Vergangenheit, gegen Rassismus, gegen Antisemitismus – man müsse „mutig sein“ und dürfe nicht wegsehen.

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Dr. Joachim von Meien.

Die Lebenswirklichkeit vieler jüdischen Mitbürger sähe so aus, dass sie kein Hebräisch in der Öffentlichkeit sprechen und keine Kippa tragen würden. Und erst wenige Monate sei es her, dass der jüdische Friedhof an der Ostertorstraße geschändet worden sei, es gebe eine Zunahme antisemitischer Taten im Land. Man bleibe klar gefordert, dass dieses Land ein demokratisches Land bleibe, so von Meien. Lange zurückliegende Ereignisse hätten die Tendenz, zu verblassen.

Schüler hielten Fotos von jüdischen Rintelner Mitbürgern, die während des Holocaust ermordet worden sind.

Der Abschluss der Gedenkveranstaltung fand traditionell am Kollegienplatz, im Beisein von Bürgern und Vertretern der „Omas gegen rechts“ statt. Dort sind die Stolpersteine von Julius Sundheimer und Leo Schönfeld verlegt. Julius Sundheimer wurde 1895 in Frankfurt am Main geboren. Im Alter von 19 bis 24 Jahren nahm er am Ersten Weltkrieg teil. Nach dem Abschluss seines Studiums erhielt er seine erste Anstellung an einer Oberschule in Frankfurt. Am 1. Oktober 1931 nahm er eine verbeamtete Stelle am Gymnasium in Rinteln an. Hier unterrichtete er Rintelner Schüler in den Fächern Mathematik und Physik.

Ebenfalls in Rinteln lernte er Käthe Stamfort aus der Seetorstr. 4 kennen, die er später heiratete. Nach ihrer Machtübernahme beschlossen die Nationalsozialisten, dass kein Jude mehr deutsche Schüler unterrichten sollte. Julius Sundheimer wurde im Alter von 36 Jahren in den Zwangsruhestand versetzt: Die Familie Sundheimer zog nach Herrlingen, um sich dort auf die Auswanderung vorzubereiten. 1937 wurde der Sohn Hans geboren. Der Plan der Auswanderung ließ sich nicht in die Tat umsetzen. Am 15.12.1941 stiegen sie in einen Zug, der sie ins Ghetto Riga transportierte. Der Sohn Hans war zu diesem Zeitpunkt vier Jahre alt. Die Familie Sundheimer hat die Shoah nicht überlebt.

Grablichter und Rosen wurden an den „Stolpersteinen“ abgelegt.

Leo Schönfeld war im Jahr 1913 der Abiturient mit dem besten Notendurchschnitt und wurde durch ein Geschenk des Kaisers geehrt. Er studierte Jura und arbeitete als Anwalt für eine Bank in Hannover. 1942 wurde er nach ins Ghetto Theresienstadt deportiert. 1944 wurde er ins Vernichtungslager Auschwitz verschleppt. Auch Leo Schönfeld hat die Shoah nicht überlebt.

(vu)

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