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Hort schließt, Ganztag erweitert, Eltern in Sorge: Online-Petition gestartet

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Es ist ein DIN A4-Blatt mit wenigen Zeilen, das in diesen Tagen für viel Furore sorgte. Tenor: Die Stadt Rinteln erweitert zum 1. August 2018 das Ganztagsangebot an der Grundschule Nord (bisher von Montag bis Freitag bis 15:00 Uhr). Künftig werden Ganztagsplätze von Montag bis Freitag in der Zeit von 7:00 bis 17:00 Uhr zur Verfügung gestellt. „In diesem Zusammenhang wird die Stadt den Hort schließen, die momentanen Hortkinder müssten dann bei uns im Ganztag angemeldet werden“, heißt es in dem Infoschreiben an die Eltern. Grundschulkinder bekamen es in den vergangenen Tagen mitgegeben. Für viele Eltern war es ein Schock, auf diesem Weg von so einer Veränderung zu erfahren und nicht durch einen Elternabend. In den sozialen Netzwerken ist eine Diskussion zu dem Thema entbrannt, jetzt wurde auch eine Online-Petition gestartet, mit dem Ziel „Nicht Schließung der Kindertagesstätte und des Hortes der Stadt Rinteln“.

Im städtischen Amt für Bildung und Kultur heißt es dazu: „Die Kindertagesstätte wird nicht geschlossen, das betrifft nur den Hort.“ Wie Amtsleiter Hans-Georg Dlugosch mitteilt, hat man sich angesichts steigender Schülerzahlen und auch unter dem Gesichtspunkt der Inklusion und des steigenden Bedarfs an Räumen dazu entschlossen, zu reagieren. Aufgrund der zeitlichen Überschneidung der beiden Angebote würden Hort und Ganztag im gleichen Gebäude keinen Sinn machen, heißt es. Wie Dlugosch weiter versichert, bleiben die Hort-Mitarbeiter weiterhin bei der Stadt Rinteln beschäftigt, es wird demnach keine Kündigungen geben: „Das Angebot verändert sich allerdings mehr zum Pädagogischen hin.“

Das Gebäude der Grundschule Nord in der Breiten Straße.

Im Hort der Kindertagesstätte Klabauternest werden derzeit 50 Kinder ab dem schulpflichtigen Alter von fünf Erziehern und Sozialassistenten betreut, erklärt Kita-Leiterin Michaela Rothert auf Nachfrage. Neun von ihnen besuchen die Grundschule Süd: „Wenn die Kinder zu uns kommen, gibt es Mittagessen. An jedem Tisch sitzt ein Mitarbeiter, spricht mit den Kindern. Danach werden Hausaufgaben gemacht, anschließend findet die Freizeitgestaltung statt. Dabei gehen wir auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder ein.“ Das Klabauternest feierte im Oktober 2017 übrigens sein 25-jähriges Bestehen. Die nächsten 25 Jahre wird es, zumindest in der gewohnten Zusammensetzung, nicht mehr geben.

Eltern fürchten nun um die Qualität der Betreuung im neuen Ganztagsangebot, das laut Dlugosch gebührenfrei angeboten wird. Beaufsichtigen statt Betreuen? In den Kommentaren zur Petition befürchtet man, dass ein wichtiger Baustein der Kindheit verloren gehen könnte. Ganztagsbetreuung könne nicht auffangen, was ein Hort zu bieten habe, heißt es an anderer Stelle. Ein weiterer Kommentar, Jens Wienecke, spricht von einem „heimlichen und undemokratischen Vorgehen“, „ohne den Versuch einer transparenten Lösungsfindung in krassem Widerspruch zu den Wahlversprechen der demokratischen Parteien.“ Letztlich betrifft es aber auch Eltern, die ihr Kind bislang auch in der fünften (und teilweise auch sechsten) Klasse noch im Hort aufgehoben wussten. Zwar ist laut Stadtverwaltung von einer „Lösung in der Übergangszeit“ die Rede und von „Prüfung im Einzelfall“, doch generell bleibt der Ganztag künftig Kindern vorbehalten, die auch die Grundschule nutzen. Fünft- und Sechsklässler, die nach dem Unterricht am Ernestinum oder IGS zur Hortbetreuung in die Nordstadt fahren, diese Situation wird es nicht mehr geben. Die Zuständigkeit der Stadt als Träger der Grundschulen sieht Dlugosch bis zum Ende der vierten Klasse: „IGS und Gymnasium unterliegen der Trägerschaft des Landkreises.“ Für Schüler der Grundschule Süd bleibt das bisherige Ganztagsangebot bestehen, erklärt Dlugosch. Wenn das neue Angebot genutzt werden solle, so müsse das Kind an der Grundschule Nord eingeschult werden.

Mittel- bis langfristig wird übrigens aus Platzgründen auch ein Standortwechsel der Kindertagesstätte stattfinden, wie zu erfahren war. Wann und wohin, steht zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht fest.

Die Abfrage soll laut Dlugosch den Bedarf an Ganztagsplätzen ermitteln, danach soll ein Konzept erarbeitet werden. Ursprünglich war geplant, einen Elternabend für den Zeitraum März/April zu veranstalten. Die offenen Fragen und die Nachfrage seitens der Presse haben jetzt dazu geführt, dass doch noch ein kurzfristiger Infoabend stattfinden wird, wie soeben bekannt gegeben wurde: Am 8. Februar um 18:00 Uhr stehen Vertreter der Stadt Rinteln, Grundschule Nord und der Kita interessierten Eltern Rede und Antwort. Ort: Mensa der Grundschule Nord, Breite Str. 13.

Einen etwas längeren und älteren (aus dem Jahr 2013) Artikel zum Thema Ganztag/Hort lesen Sie auf den Internetseiten der Welt HIER

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