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IGS-Neubau in Rinteln: Das sind die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs

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Der Landkreis Schaumburg baut am Schulzentrum an der Paul-Erdniß-Straße, in Nähe zum Gymnasium Ernestinum eine neue IGS (wir berichteten). Bedingt durch die Größe des Projekts (geschätzt rund 17,9 Millionen Euro Kosten) ist das Bauvorhaben nach der Vergabeverordnung europaweit auszuschreiben. Entsprechend wurden zu Beginn unter Beteiligung der Architektenkammer Niedersachsen und Fachleuten für die Durchführung des streng geregelten Verfahrens eines Planungswettbewerbs Architekturbüros in ganz Europa aufgefordert, sich zur Teilnahme am Architektenwettbewerb zum Neubau der IGS zu bewerben.

Die Vorgabe lautete, ein eigenständiges Gebäude in einer identitätsstiftenden Architektursprache zu planen, dass die fünfzügige, Integrierte Gesamtschule mit 900 Schülern aufnehmen soll. Das Gymnasium Ernestinum soll dabei als gleichberechtigtes Gebäude erhalten bleiben. Im Neubau sollen Unterrichts- und Fachräume, Gemeinschaftsflächen, Verwaltungsräume, Lehrerräume und Rückzugsmöglichkeiten geschaffen werden. Dabei soll ein Umfeld von hoher Qualität zum Lernen, Arbeiten und Aufhalten entstehen.

Landrat Jörg Farr (links) und IGS-Schulleiter Torsten Rudolf setzen das favorisierte Preisträgermodel in die schematische Umgebung ein.

Die Klassenräume eines Jahrgangs werden entsprechend dem pädagogischen Konzept der IGS in einem Jahrgangsbereich zusammengefasst. Jeder Bereich besteht aus fünf Unterrichtsräumen, einem Gruppen-/Differenzierungsraum, einem Lehrmittelraum, einem Jahrgangslehrerzimmer und einem Sanitärbereich, angeordnet um eine gemeinsame Mitte.

Aus den eingegangenen Bewerbungen wurden 15 Architekturbüros ausgefählt, von denen 13 nach einer sechswöchigen Bearbeitungszeit einen Entwurf abgegeben haben. (Ergänzung: Zwei eingereichte Bewerbungen stammen aus dem Landkreis Schaumburg). Ein Preisgericht hat in der vergangenen Woche in einer siebenstündigen Sitzung die vier besten Arbeiten ausgewählt. Die Jury setzte sich unter anderem aus Architekten, Vertretern des Landkreises, Vorsitzenden des Bauausschusses im Kreistag (CDU- und SPD-Fraktion) und einem Vertreter der Stadt Rinteln zusammen.

So wie in dieser Illustration dargestellt, würde das neue Schulgebäude aussehen. Details, wie die Größe und Unterteilung der Fenster können sich aber noch ändern (Foto: Landkreis/Bez+Koch Grafik/privat)

Am Ende standen die vier Preisträger fest. Alle Entscheidungen der Jury wurden, bis auf eine Gegenstimme bei Platz Zwei, einstimmig gefasst. Das Rennen machte der Entwurf der Architekten Bez + Kock aus Stuttgart. Sie konzipierten einen zweigeschossigen Holzskelettbau (überwiegend aus Lärchenholz) für angenehme Raum-Atmosphäre und Nachhaltigkeit bei Einhaltung der Brandschutzvorschriften. Das neue IGS-Schulgebäude ist direkt gegenüber dem bestehenden Eingang des Gymnasiums platziert und wird mit einem überdachten Verbindungsgang ans Ernestinum angeschlossen. Wichtig: Der Skate-Park bleibt erhalten. Der Neubau überragt das Ernestinum nicht und ist baulich gleichberechtigt.

Das neue Schulzentrum aus Sicht der Paul-Erdniß/Friedrich-Wilhelm-Ande-Straße. Rechts: Der Neubau. Links: Das bestehende Ernestinum.

Zum Schulhof hin sorgt eine arkaden-ähnliche, durchgehende Eingangszone für einen überdachten Willkommens- und Pausenbereich als Kommunikationsfläche. Musik- und Kunsträume bilden den zentralen Block im Erdgeschoss. Werkräume sind im Westen, naturwissenschaftliche Fächer im Norden angesiedelt. Die Verwaltung liegt in Nähe zu den Bushaltestellen und Parkplätzen. Im Obergeschoss sind die insgesamt sechs „Cluster“ (Einzelteile) in drei Baukörpern angeordnet. Jeweils in der Mitte der Cluster befinden sich offene Treppen und ein Aufzug für barrierefreien Zugang. Die Cluster gruppieren sich jeweils um eine zentrale Aktionsfläche, die die Mitte der Jahrgangsgemeinschaft bildet und über den Innenhof direkt mit Tageslicht versorgt ist. Von dieser Aktionsfläche sind alle Klassenzimmer und Gruppenräume direkt erschlossen. Das Lehrerzimmer ist so angeordnet, dass von dort aus die Aktionsfläche und Eingänge zu den Klassenzimmern eingesehen werden können.

Das erstplatzierte Modell aus der Vogelperspektive: Links die Kreissporthalle; links oben das VTR-Heim, links unten ist das Hallenbad zu sehen.
IGS-Schulleiter Torsten Rudolf ist sehr angetan vom Gewinner des Wettbewerbs. Dass sein persönlicher Favorit das Rennen machen würde, wusste er vorher nicht.

Die Plätze Zwei bis Vier gingen an die Münchener Architekten Felix Schürmann und Ellen Dettinger (2), das Architektenbüro Bär, Stadelmann und Stöcker aus Nürnberg (3) und Atelier 30 aus Kassel (4). Der zweitplatzierte Entwurf setzt auf eine Erschließung des Schulcampus von Norden her. Von der Burgfeldsweide sollen die Schüler jeweils zu IGS und Gymnasium geleitet werden. Die Bushaltestellen werden ebenfalls nach Norden verlegt, die Parkplätze nach Osten. Das Konzept mit geringen Raumtiefen und eingefügten Lichthöfen sieht eine natürliche Lüftung auch bei Regen vor. Die Bauweise erfolgt in konventioneller Stahlbetonbauweise mit Glasfassade, Holzständerwerk und ausgiebiger Dachbegrünung mit Photovoltaik.

Dieser Entwurf schaffte es auf Platz Zwei.

Die Nürnberger Architekten setzen mit ihrem drittplatzierten Konzept auf einen Zugang von drei Seiten aufs Schulgelände. In der Mitte befindet sich ein zentraler Pausenhof. Das weit ausladende Obergeschoss sorgt für einen überdachten Eingangsbereich. Einfache, robuste Materialen mit Klinkerfassade dienen als Referenz zur historischen Hildburgschule. Durch die Optimierung von Flächenwerten, Fenstern, umfassender Tageslichtnutzung und weitgehend natürlicher Belüftung sollen Wärme-, Strom- und Kältebedarf minimiert werden. Regenwasser kann in einer Zisterne gesammelt und als sogenanntes Grauwasser für die Toilettenspülung genutzt werden. Ein Großteil der Gebäudekonstruktion wird mit schweren Materialien ausgeführt. Diese können tagsüber die entstehende Wärme gut aufnehmen und speichern, nachts sorgt ein automatisch geregeltes Öffnen der Fenster für Abkühlen durch die kalte Nachtluft.

Das Modell des drittplatzierten Entwurfs.

Die Kasseler Architekten auf Platz Vier setzen ebenfalls auf eine Verlagerung von Bushaltestellen und Parkplätzen auf die Nordseite hin zur Burgfeldsweide. Der dreiteilige Neubau setzt sich vors Ernestinum, direkt an die Paul-Erdniß-Straße. Es gibt eine Erweiterungsoption für den Schulstandort, sowie einen zentralen Campus zwischen den beiden Schulgebäuden. Auch hier setzt man auf Cluster, Lichthöfe und eine Verknüpfung der Jahrgangsbereiche durch innenliegende „Straße“.

Dieser Entwurf belegte den vierten Platz.

Auch wenn die einstimmige Jurywertung ein deutliches Signal setzt, und es sehr wahrscheinlich ist, dass das erstplatzierte Konzept umgesetzt wird: Die finale Entscheidung fällt der Kreisausschuss in seiner Sitzung am 15. August. Zuvor folgen ausgiebige Gespräche und Verhandlungen sowie eine Angebotsabgabe der vier Preisträger. Parallel werden europaweit die Dienstleistungen Projektsteuerung, Technische Gebäudeausrüstung und Tragwerkplanung ausgeschrieben. Sämtliche 13 eingereichten Entwürfe werden vom 27. Juni bis 11. Juli in den Räumen der IGS in der Klosterstraße öffentlich ausgestellt.

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