(Rinteln) Museumsleiter Dr. Stefan Meyer weist darauf hin, dass es in den vergangenen Jahren immer häufiger kommt zur Zerstörung alter Grenzsteine kommt.
Als jüngste Beispiele führt er zwei besonders schöne Exemplare des 18. und 19. Jahrhunderts bei Steinbergen beziehungsweise bei Friedrichshöhe an.
„Alte Grenzsteine sind bedeutende Kulturzeugnisse in unserer Landschaft“, so Dr. Meyer, „sie erzählen von einstigen Territorien, von Grenzkonflikten und Grenzkompromissen. Ihre Setzung war immer ein besonderer Akt, vergleichbar mit einem Friedensvertrag. Als Kennzeichnung sind sie meist auch heute noch rechtlich bindend und müssen nach einem Herausreißen durch das Katasteramt kostenaufwändig wieder neu eingemessen und eingesetzt werden.“
Umso ärgerlicher sei es laut Dr. Meyer , dass die modernen, forstwirtschaftlichen und landwirtschaftlichen Geräte viele solche Grenzsteine beschädigen oder zerstören. Hinzu kommen Diebstähle, die keine Kavaliersdelikte sind: „Nicht wenige der kostbaren Steine sind im Laufe der letzten Jahrzehnte als Dekoration in privaten Gärten gelandet“.
Dabei sei laut Meyer vielen neuen “Besitzern“ nicht bewusst, dass die Nummerierungen der Steine noch die genaue Platzierung des Diebesguts benennen: Denn auch zu sehr alten Grenzsteinen wie denen bei Friedrichshöhe und Steinbergen gibt es im Landesarchiv in Bückeburg noch exakte zeitgenössische Karten, in denen die jeweiligen Steine genau eingezeichnet sind.
Das erste Bild zeigt einen umgestürzten Grenzstein an der ehemaligen Grenze zwischen dem Fürstentum Lippe und der zum Kurfürstentum Hessen gehörigen Grafschaft Schaumburg (Kreis Rinteln). Er befindet sich am Heringer Loh oberhalb von Friedrichshöhe und stammt vermutlich aus dem frühen 19. Jahrhundert.
Weil hier auch heute noch die Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen verläuft, sind hier beide Bundesländer für den Erhalt des Grenzsteins zuständig. Er ist bereits im vergangenen Dezember mit schwerem Gerät abgebrochen und umgeworfen worden. Die Behörden sind informiert, aber die Wiederaufstellung ist immer noch nicht erfolgt.
Das zweite Foto zeigt einen Grenzstein von 1733 südöstlich von Steinbergen, an der früheren Grenze zwischen der Grafschaft Schaumburg Lippe und der Landgrafschaft Hessen-Kassel.
Diese Grenze wurde um 1731 nach dem Triangulationverfahren exakt eingemessen und „versteint“, also statt mit Holzpfählen mit sorgfältig gearbeiteten Grenzsteinen aus Obernkirchener Sandstein markiert. Diese Grenzsteine finden sich noch an etlichen Stellen der alten Grenze. Sie zeigen auf der einen Seite den hessischen Löwen und auf der anderen Seite das schaumburg-lippische Nesselblatt mit der lippischen Rose.
Dieser Stein wurde ebenfalls gemeinsam mit einem weiteren kleinen, nicht genau gekennzeichneten Stein, durch ein schweres Gerät abgebrochen und umgerissen. „Hoffentlich findet auch hier möglichst bald eine Wiederaufstellung statt“, so Dr. Meyer abschließend.
(pr/Fotos: pr)




























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