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JugendKomm: So stellen sich Rintelner Jugendliche die Stadt zum Bleiben und Rückkehren vor

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Als man in der Stadt Rinteln vor über einem Jahr das Projekt „JugendKomm“ ins Leben rief, beschäftigte die Demografiebeauftragte Linda Mundhenke und Stadtjugendpfleger Sebastian Beck zusammen mit der Stadtverwaltung die Frage, warum so viele Jugendliche Rinteln verlassen. Man habe festgestellt, so Bürgermeister Thomas Priemer, dass man die Jugend nicht mehr so richtig verstehe. Viele der jungen Menschen kehren der Stadt fürs Studium oder eine Berufsausbildung den Rücken und kommen oft nicht mehr zurück. Im Sinne des demografischen Wandels sind diese Jugendlichen für die Stadt „verloren“. Was kann man also tun, um die Jugendlichen dauerhaft an Rinteln zu binden oder sie dazu bewegen, nach der Ausbildung wieder in ihre Heimatstadt zurückzukehren? Um das herauszufinden, wurde das Projekt „JugendKomm“ ins Leben gerufen.

Eine Erkenntnis, so Beck, sei die Tatsache dass sich junge Leute in Rinteln beteiligen wollen und hungrig sind, etwas zu bewegen – wenn man sie nur anhört und lässt: „Und wenn sie die Chance bekommen, das Leben in Rinteln mitzugestalten, dann wird es zu deren Stadt.“ Auf einem Fragebogen, den die rund zehn Jugendlichen auf dem Rintelner Adventszauber, wollten sie wissen: Wie informiert man sich über Angebote wie Ausbildungsplätze oder Veranstaltungen in der Stadt? Über welche Kommunikationswege werden bevorzugt, um mit der Heimat in Kontakt zu bleiben? Was würde die jungen Menschen motivieren, nach Ausbildung oder Studium zurückzukehren und was muss sich in Rinteln dafür zwingend ändern?

Jugendliche informieren sich am häufigsten durch persönliche Kontakte, Google, Plakate und Rinteln-Aktuell.de

Stadtjugendpfleger Sebastian Beck (li.) und Demografiebeauftragte Linda Mundhenke (re.) leiteten das Projekt „JugendKomm“.

Aus einem Rücklauf von 366 Fragebögen, ausgefüllt von Teilnehmern im Alter zwischen 13 und 25 Jahren (72% waren zwischen 15 und 17 Jahre alt), ergab sich folgendes Bild: 64% informieren sich im persönlichen Umfeld über Angebote in der Stadt. 43% nutzen Google und 31% Plakate. 28% gaben an, sich bei Rinteln-Aktuell Informationen einzuholen. Den Kontakt mit der Heimat stuften die Befragten als mittelmäßig wichtig ein und gaben an, am liebsten über Familie und Freunde und über soziale Netzwerke wie Instagram und den Messenger WhatsApp in Kontakt bleiben zu wollen. Veranstaltungen kamen auf Platz drei. Als Gründe für eine Rückkehr sind am häufigsten Familie und Freunde genannt, gefragt von guten Arbeitsbedingungen und attraktiven Wohnmöglichkeiten. Eindeutig fielen auch die Änderungswünsche aus: Rinteln braucht bessere Geschäfte und eine attraktivere Innenstadt, befanden 44%, Partys für Jugendliche und Feiermöglichkeiten hielten 36% für wichtig und Freizeitangebote lagen bei 27% der Nennungen (Mehrfachnennungen waren möglich) vorn. Ein Hochschulangebot oder einen Treffpunkt für Jugendliche befanden lediglich 7%, bzw. 5% für wichtig. Auffällig häufig fiel bei den freien Angaben das Stichwort „H&M“ – die schwedische Textilkette steht bei jungen Menschen hoch im Kurs. Auch das Happy Night wurde oft genannt, ebenso wie die Vorschläge „Eishalle“, „Bike Park“ und die Fast-Food-Angebote „Subway“ oder „KFC“.

Die „JugendKomm“-Gruppe (bestehend aus Bastian Wolanski, Katharina Hils, Sina Marie Lindenberg, Victoria Briebsch, Peter Hallau, Viktoria Eggersmann, Leonie Fiedler, Alexa Kanne, Fynn-Niklas Strüve, Jonas Menden) handelte, rief einen Instagram-Account ins Leben und nahm an Veranstaltungen teil, bei denen sich Vertreter ähnlicher Projekte austauschten. Und tüftelte bereits erste Ideen zur Attraktivitätssteigerung aus. Ein Volleyball-Turnier im Freibad für alle ab 13 Jahren soll veranstaltet werden, ebenso ein „Mobiler Cocktail Klatsch“ als Gegenstück zum Mobilen Kaffeeklatsch mit einem Cocktailwagen, der jede Woche einen anderen Ortsteil ansteuert und so die Möglichkeit bietet, gemütlich im Freundeskreis Cocktails zu schlürfen, ohne weite Fahrwege zurücklegen zu müssen.

Zum Abschluss gab es Teilnahmezertifikate, die auch bei einer künftigen Bewerbung Eindruck machen – vielleicht bei einem Unternehmen in Rinteln?

Bürgermeister Thomas Priemer zeigte sich beeindruckt von der Idee eines Volleyballturniers und regte an, Partner und Hilfe mit ins Boot zu holen, damit die erste Veranstaltung auch richtig erfolgreich wird. Und Astrid Teigeler-Tegtmeier regte als SPD-Fraktionsvorsitzende an, die Jugendlichen sollen der Politik „gerne mal auf die Füße treten“. Auch ein Jugendbeirat soll gegründet werden, damit sich die junge Generation stärker einbringen kann. Dass der Wille da ist, haben die Teilnehmer von „JugendKomm“ eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

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