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Kadosch geht spazieren

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Meinem Hund zuliebe gehe ich jeden Tag, den Gott werden läßt, mindestens 3 Stunden, meist aber 4 Stunden und mehr sommers und winters hinaus in Feld, Wald und Flur. Nun will ich Euch an einem solchen Spaziergang mitnehmen und erzählen, wie „langweilig“ so ein Gang ist, wie man so von Nicht-Hundebesitzern immer wieder zu hören bekommt.

Heute gingen wir über den Pioniersteg und dem Heinekamp in die „Rintelner Gärten vor dem Ostertore“, meist Professorengärten genannt. Zuerst halte ich bei einem Bauern an, der gerade von einem Lohnunternehmen sein frisch gemähtes, in einer langen Schlange zusammengeharktes Heu in quadratische Ballen pressen und in Plastikfolie zur Futter-Silage abernten läßt. Er erklärt geduldig alle meine Fragen und weiter geht’s.

Im ersten Garten hält eine türkische Familie Schafe, ich frage, ob ich eines streicheln darf. Gefragt, getan, meine Luna schaut das blökende Tier gelangweilt an.
Einen Garten weiter nasche ich von überhängenden Ästen ein paar Kirschen. Die Frau, wohl die Besitzerin, fragt, ob ich ein paar Erdbeeren haben möchte, sie könne sie nicht alle verarbeiten. Danke, in der rechten Hand die Leine und in der linken Hand eine Plastiktüte mit mindestens 2 Pfund Erdbeeren geht es weiter.

Um die Ecke herum, in einem anderen Garten, beschenkt man mich mit weißen Johannisbeeren, ich naschte fast ein Pfund. Und dann ein freundliches „Hallo, Herr Kadosch, wie schön, kommen Sie doch herein“. Ich öffne die historische Gartenpforte und werde später mit 3 Kohlrabi verabschiedet.

Im Garten von Herrn G. bellt der kleine Hund zur Begrüßung von mir und meiner Luna, denn er bekommt natürlich ein Leckerli.
Gegenüber im anderen Garten fühlt sich ein kleiner Erpel sichtlich wohl zwischen den Hühnern und einem Hahn. Er stolziert durch die Reihen, als wenn er die Parade abnimmt.

Die ersten Tropfen fallen vom Himmel und ich treibe uns an, schneller heimzugehen, da ruft mich ein Gartenbesitzer zurück. „Hallo, ich habe hier etwas für Ihren Hund, unserer will den nicht haben.“ Ich halte an, gehe zurück und meine Luna bekommt ein nagelneues Wurfspielzeug inform eines rot-weißen Leuchtturmes geschenkt.
Nun ist meine linke Hand aber richtig voll, Tüten, Kohlrabi, Leuchtturm – welch eine Mischung.

Nun aber schnell, es sind ja noch mindestens 2 Kilometer bis unter das sichere Dach des Hauses. Doch es beginnt zu regnen, heftiger, schöner, warmer Landregen prasselt auf uns nieder. Die Pappel, unter der wir uns zu retten versuchen, hält nicht lange dicht.

Was soll’s, dann eben bei Regen!

Pudelnass und bis auf die Haut voll Wasser, kommen wir endlich an. Die Lederschuhe quietschen, die Jeans klebt am Körper und durch die Brille kann ich nichts mehr klar erkennen.
Meiner Luna gefällt es anscheinend, sie schüttelt sich vor der Haustür, schnappt sich noch kurz den Ball, will spielen und versteht überhaupt nicht, warum ich schon rein will.
Ja, ja, so „langweilig“ können Runden mit dem Hund sein, und wem es zu kitschig erscheint, der kann ja selber einmal mittags diese Runde drehen.

Euer Kadosch

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