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Kadosch und das Wettrudern

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Hinweis: Ähnlichkeiten mit noch lebenden Politikern, anderen Personen oder Einrichtungen und Vereinen sind rein zufällig und nicht gewollt.

Zwei Tourismus-Organisationen im gleichen Landkreis treffen aufeinander und man diskutiert, wer denn nun der Erfolgreichere sei und mehr Aufmerksamkeit bei Reisenden und Touristen aufzuzeigen hat. Wichtig war auch herauszufinden, welche Organisation am effizientesten sei.
Man kam überein, nachdem verbal und mit Hunderten von Memos keine Einigung zu erzielen war und jeder dem anderen getürkte Zahlen vorlegte, das ganze durch drei Achter-Wettruderregatten auf der Weser zu klären. Wer zwei Rennen gewinnen konnte, der hatte dann wohl auch die Nase vorn im Tourismus-Geschäft.

Man trainierte hart und lange. Am großen Tag des ersten Wettruderns präsentierten sich beide Verbände topfit.
Doch – die Mannschaft aus Bu. gewann mit einem unglaublichen Vorsprung von ein paar Dutzend Bootslängen.

Das Team Ri. war nach dieser Niederlage tief betroffen, die Moral sank auf den Nullpunkt. Der Grund für diese vernichtende Niederlage müsse unbedingt herausgefunden werden. So beauftragte das Tourismus-Management der vielen verschiedenen Ortschaften (Gruppe Ri). ein Projektteam zu gründen, welches das Problem untersuchen und Abhilfemaßnahmen herausfinden sollte. Dieses fand nach langen Analysen und Untersuchungen heraus, dass bei Team Bu. sieben Leute ruderten, während im Team Ri. ein Mann ruderte und sieben steuerten.

Das übergeordnete Touristik-Management engagierte sofort eine Beratungsfirma mit dem Auftrag, eine Studie über die Struktur des Ri.-Teams anzufertigen. Nach einigen Monaten und beträchtlichen Kosten kamen die Berater zu dem Schluß, dass zu wenig Leute ruderten und zu viele Leute nicht richtig steuerten.

Deshalb wurde, um einer weiteren Niederlage gegen die Bu.-Ruderer vorzubeugen, die gesamte Teamorganisation geändert: Es gab fortan nur noch vier Steuerleute, dazu zwei Obersteuerleute, einen Steuerdirektor und einen Ruderer.

Für diesen wurde zudem als Ansporn ein Leistungsbewertungssystem eingeführt mit dem Motto: „Wir müssen unserem Ruderer den Aufgabenbereich erweitern und ihm mehr Verantwortung geben.“

Beim nächsten Wettrudern gewann das Team Bu. mit einem Vorsprung von 500 Metern.

Man erkannte die Niederlage an. Das Management entließ daraufhin den Ruderer wegen mangelnder Leistung, ebenfalls die einfachen Steuerleute. Die Obersteuerleute wurden befördert und versetzt, der Steuerdirektor wurde in das ständige Management in leitender Stellung übernommen. Man verkaufte das Boot und die Ruder und stoppte jegliche Investitionen in ein neues Ruderboot.

Das eingesparte Geld sowie gegebenenfalls erlöste Geld wurde dem obersten Management als Bonus ausbezahlt. Der Beraterfirma wurde ein großes Lob ausgesprochen, deren Rechnungen zügig bezahlt. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben diese Manager in Politik, Wirtschaft und Tourismus womöglich noch heute in gut situierter persönlicher Lebenslage unter uns.

Würdet Ihr, liebe Leser, sagen, dieser Geschichte mangelte es an Realität?

Euer Kadosch
(uk)

PS: Basierend auf einer Kolumne aus dem März 1996

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