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Kadosch und die Rechtschreibung

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Befreundete Lehrer erklärten mir meinen Irrtum bei meiner Verwunderung zu der heutigen Praxis der Handhabung der Rechtschreibung in den Schulen.

„Man muss die Kinder da abholen, wo sie gerade sind“. Gemeint ist wohl ihr Lern- oder Bildungsstand. OK. Verstehe.

Aber muss denn nicht im Laufe des Lebens und später im Berufsleben das mit der Rechtschreibung sitzen? Und macht nicht Übung den Meister? Jedenfalls bekam ich ein Angebot einer Firma auf meine Anfrage, die gräulich zu lesen war. Voller Fehler und ganz katastrophaler äußerlicher Form, näheres weiter unten! Und dann ist der Trend in unserer Lokalzeitung zu erkennen, dass offensichtlich der Beruf des Korrekturlesers nicht mehr vorhanden ist.

In einer bekannten Familie mit drei Kindern im Alter zwischen 11 und 16 Jahren fragte ich nach dem Herumtollen im Garten nach dem Wort „Deinetwegen“. So ganz, ganz hinten im Bewusstsein meinte sich das älteste Mädchen zu erinnern, dies Wort schon einmal gehört zu haben.

Es gibt im viel geliebten Deutschen Schlager laut herausgesungene Rechtschreibfehler. „Wegen Dir“, heißt dieser Titel. Verstehe schon wieder. Auf diese Melodie „Deinetwegen“ zu singen ist auch ganz schön blöd. Dennoch, ein schauerlicher Schauer läuft mir da den Rücken hinunter. Die Sängerin übrigens hat Abitur gemacht und studiert. Upps!

Was steht denn nun in dem o.g., Angebot? Einleitung mit Tippfehlern: „mit hnen“, ohne Das „I“. Was ich bedenken soll: „dabei bedenken das, dass“. Na, das ist ja ein ganz verdrehtes Das. Information an mich: „haben wir volgendes in Erfahrung gebracht“. Kein weiterer Kommentar.

So geht das munter immer weiter. Ich jedenfalls habe zu dieser Firma kein Vertrauen, denn wenn die fertige Arbeit auch so aussieht und alle baulichen Vorschriften ebenso „frei“ verwirklicht werden? Na danke!

Nun schau ich in die Kleinanzeigen Rubrik meiner Zeitung. Da finde ich ganz muntere Sachen.
Da „giebt“ es etwas, oder da will jemand verkaufen: 2 Pelzjacken, „eine Persiana und eine Bisam Wanne“. Was sind den das für Pelze? Einer sucht mit der Abkürzung „mänl“. eine Partnerin. Das angebotene Fahrrad hat „26ger“ Reifengröße.

Schreibt man Single wirklich in Neudeutsch „Singel“? Da wurde eine Wohnung frisch „Moderniesiert“
Ein Nachhilfeinstitut (!) bietet “Qualiefizirte“ Lehrer an. Eine Anzeige hat mir ganz besonders gefallen. Sie lautet: „Preis 120 €, Telef.Nr.“ Das würde ich doch zu gern wissen, was hier an den Mann gebracht werden soll.

Derjenige, der den „PKW Ein-Stellplatz“ bekommt, hat sicherlich viel für sein Autochen übrig.
Bin ich zu strenge mit meinem Wunsch, richtige Rechtschreibung bei geschriebenen Briefen oder Anzeigen zu erwarten? Sagen aber nicht Ausbildungsbetriebe, sie würden damit nicht klar kommen? Was sagen die Lehrer, die Schüler mit solchen Schwächen in die Welt hinaus lassen? Zugegeben, den Drill meiner Schuljahre (ab 1949) habe ich nie als Leistungsdruck empfunden, aber heute ist eben alles anders, und das ist auch gut so, wirklich?

Morgen werde ich wohl den nächsten Brief mit 6 Rechtschreibfehlern auf einer Seite erhalten, ich werde versuchen, tolerant zu sein, wenn wieder einmal der „Dativ dem Genitiv sein Tod“ sein wird.

Ich tu Sie denn mah grüssen, meine Freunde.
Euer Kadosch

P.S.: Meine Duden-Korrektur-Software spielt verrückt; für diese Kolumne werde ich sie wohl nicht einsetzen können.

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