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Kadosch und die Scheinheiligkeit

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NEIN! Heute esse ich keine Hunde mehr, auch nicht den fetten Chow-Chow von gegenüber, obwohl der ja einmal zum Verspeisen extra gezüchtet wurde..

JA! Wir haben im letzten sog. Weltkrieg und bis zur Währungsreform 1948 alles gegessen, was nicht giftig war. Ganz sicher war auch Hunde- oder Katzenfleisch darunter. Man hat es mir später gesagt.
Doch heute immer noch? Nein, nein. Wir westlichen Länder sind ja derart vom Tierschutz beseelt, das passiert doch sicher nicht mehr bei uns.

Tiere und Menschen sind fast gleichgestellt. Menschen bringen Menschen um, nennen es Krieg – guten (?) Krieg. Der böse (?) Krieg allerdings wird verdammt. Tiere gleicher Art würden sich nicht gegenseitig umbringen, wenn sie nicht von uns Menschen dazu erzogen worden sind. Was für Mittel man anwenden müßte, um einen Hund dahin zu bringen, sehe ich ja bei der Erziehung meines entzückenden Hundemädchens – unvorstellbar. Bei uns Menschen scheint es einfacher.

Einige Japaner essen lebende Gehirne von Affen, direkt aus dem Schädel (selbst gesehen, protestiert, Job verloren). Das ist entsetzlich, das ist pervers! Aber nur aus unserer Sicht. Viele Japaner verstehen überhaupt nicht, was Tierschutz für uns Deutsche bedeutet, was z. B. Wale für uns, für die Meere bedeuten. Für sie sind sie einfach nur essbare Nahrung, und wenn die alle gegessen sind, ißt man eben etwas anderes. Doch ist ihre Kultur deswegen schlechter als unsere?

Wir alle sehen doch, was in den christlichen (!) Ländern mit dem Tierschutz passiert. Wir holen die Tiere von dort weg, weil nach unserem Verständnis die Spanier, die Italiener, die Bulgaren usw. schlecht zu den Tieren sind. Das zu tun, ist OK, doch denke man an das alte deutsche Sprichwort: Andere Länder, andere Sitten.

Ein bekanntes geflügeltes Wort lautet, Chinesen würden alles essen, was sich bewegt, scheint sich auch diese Tage wieder zu bewahrheiten, wenn wir vom Tag des Hundefleisches lesen. Wir empören uns, nennen die Chinesen Monster und schlimmer. Doch liebe Leser, ist das nicht zu einseitig? China hat eine Jahrtausende alte Tradition, Hunde zu essen. Wir wissen ja jetzt, dass der zauberhaft wuschelige (westliche Sicht) Chow-Chow extra dafür gezüchtet wurde. Ist die chinesische Kultur deswegen schlechter als unsere?

Und hier wird deutlich, was ich meine. Wir sehen alles nur aus unserer Sicht, angeblich ja so aufgeklärt. Dabei versuchen wir ständig, anderen Völkern und anderen Kulturen unsere Sichtweise aufzudrängen. Na ja, die Religionen haben es uns ja schließlich erfolgreich mit Feuer und Schwert vorgemacht.

Aber Tierschutz betreiben wir Deutschen, indem wir Schweinen die Schwänze abschneiden, das Bauchfleisch aber mit Wonne beim Grillabend verspeisen. Wir essen Hühner, denen man die Schnäbel abgeschnitten hat. Wir essen Eier von Hühnern, die bei der Zucht nach Weibchen oder Männchen sortiert werden. Männchen, also zukünftige Hähne werden auf grausamste Art getötet, vergiftet. Wie denken wohl andere Völker von uns?

Unsere westliche Sichtweise kann z. B. das russische Volk überhaupt nicht verstehen; doch wir bestehen auf unserer Sicht! BASTA! Koste es, was es wolle. Wir missachten schon aus Grundsatz alles, was anders ist. Verstoß gegen „unsere“ westlichen Menschenrechte muß geahndet werden! Ansonsten fallen sie aus dem Raster.

Aber wir haben doch nicht grundsätzlich recht, nur weil wir anders denken, und andere Völker sind doch nicht Barbaren, weil sie anders sind. Diesen Fehler machten vor einigen Tausend Jahren schon die Römer. Müssen wir das wiederholen?

Wir sollten soviel Toleranz aufbringen, diese fremden Sitten in den anderen Länder nicht andauernd zu bemeckern. Es ist aus unserer Sicht nicht richtig, was dort passiert, doch Vorschriften zu machen, dass diese Länder ihre alten und uralten Traditionen nicht mehr leben sollen, das ist unerwünscht, undiplomatisch und schlichtweg unerträglich.

Wundern wir uns also nicht, wenn uns mehr und mehr Menschen in anderen Ländern den Stinkefinger zeigen, weil wir Westler in Griechenland, in Afrika oder irgendwo anders in der Welt, wo nicht nach unseren Maßstäben gehandelt wird, ständig den erhobenen Zeigefinger vorzeigen.
Unsere Einseitigkeit ist intolerant und scheinheilig zugleich, wenngleich, verstehen wir uns richtig, ich heiße die eine oder andere Vorgehensweise der Kultur anderer Völker nicht immer gut, finde sie teilweise sogar abscheulich.

Und Hunde esse ich immer noch nicht, denn ich leide zum Glück nicht an wirklichem Hunger.

Denkt nicht einseitig und seid toleranter in der Beurteilung!

wünscht sich
Euer Kadosch

(uk)

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