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Kadosch und seine Nachbarinnen

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„Guten Morgen, Herr Kadosch, ich hab da `mal `ne Frage.“ Abrupt unterbreche ich mein morgendlich sportliches die Treppe hinaufstürmen, mein Hund hat noch den Schwung und zerrt an der Leine, dass ich fast umfalle.

„Ja bitte.“ „Ich habe diesen Zeitungsartikel nun schon zweimal gelesen und verstehe immer noch nicht, wovor man uns denn nun warnt. Sie wissen schon, die Bösen mit ihren Anrufen. Schon fünfmal hat heute Morgen das Telefon geklingelt, das waren bestimmt diese Leute.“

Geduldig gehe ich in die Wohnung mit ihr und schaue mir die Nummer auf dem Display ihres Seniorentelefons an. Gerade will ich die Rückruftaste drücken, da fällt sie mir in den Arm: „Nein, nein, bloß nicht, Herr Kadosch, wer weiß, was die mit meinem Telefon machen!“ Ich drücke trotzdem und siehe da, es war die Arztpraxis, die sich um Verschiebung eines Termines bemühte. Ich mache mich lachend auf den morgendlichen Rundgang mit meinem Hund, muß noch andauernd in mich hineingrinsen.

Zurückgekommen erwartet mich die Nachbarin mit einem Körbchen voll Keksen, entschuldigt und bedankt sich damit.

Gerade ziehe ich mir die Schuhe aus, da klingelt mein Telefon. Ob das wohl die bösen Buben sind? Es ist meine andere Nachbarin, 86-jährig und ganz aufgeregt: „Kadosch, Kadosch ich sitze hier und kann nicht in mein Badezimmer, das Licht geht nicht und ich muss doch fertig sein, bis die Pflegerin kommt und mir die Stützstrümpfe anzieht. Kannst Du mir nicht die Birne austauschen?“

Ich ziehe die Schuhe wieder an, gehe die Treppe hinauf, klingle an der Tür und schreite nach der Begrüßung sofort zur Tat. In der Speisekammer steht die Leiter. Nein, einen so kleinen Schraubenzieher habe sie nicht, also von unten aus meiner Werkzeugkiste geholt. Treppe runter, Treppe rauf. Jetzt das Glas der uralten Deckenlampe abgeschraubt, die Birne herausgeschraubt und für den Müll bereitgelegt.
Auch eine Ersatzbirne ist nirgends zu finden. „OK“, sage ich, „ich fahre schnell zu Beckmann und hole eine Lampe, bezahlen kannste später.“ „Aber ich will eine Sparbirne, muß ja jeden Groschen einsparen! Und schön hell muß sie sein, will ja auch alles sehen, wenn ich mich rasiere zum Wochenende.“

Bei Beckmann angekommen finden der junge Verkäufer und ich schnell eine Sparlampe mit 70er Lichtausbeute, lege meine 11 €uro auf den Tisch und fahre zurück. Es kribbelt im Nacken. Auf die Leiter, die Lampe eingeschraubt und nun noch das Glas drüber – zu lang, passt nicht! Mist. Also großes Palaver, noch einmal zu Beckmann und eine herkömmliche Lampe in Birnenform erworben für nur 2, 70 €uro. Das Gutschriftverfahren zieht sich hin, meine Zeit verrinnt, doch jetzt endlich habe ich meine 8 €uro 30 zurück, fahre heim, die Treppe hoch, ins Badezimmer, die Lampe eingeschraubt, das Glas festgeschraubt, die Leiter zurückgestellt in die Speisekammer – fertig.

Meine Nachbarin hat ihr Portemonnaie verlegt, doch ich warte nicht, diese Aktion hat mich über eineinhalb Stunden gekostet, mein geplanter Tagesablauf ist hin.
Am nächsten Tag steht eine Topfblume vor meiner Tür, daran ein Beutelchen mit meinem Geld und eine Karte mit einem Dankeschön meiner Nachbarin.

Ist das nicht schön, so nette Nachbarinnen zu haben?

Herzlich grüßt Euch

Euer Kadosch

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