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Kadosch war bei Eulenspiegel

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1964 habe ich in Mölln geheiratet, und bei meinem Wochenendausflug an die Ostsee letztens machte ich nun, 2014 nach 50 Jahren, an Eulenspiegels Grab in Mölln Station, wollte nachfragen, ob diese Ehe eine Eulenspiegelei gewesen sei, wovon ich fest überzeugt war.

Aber auch die vielen Grippekranken um mich herum seien gewarnt von der nachfolgenden Geschichte zu diesem Narren, an der ich Euch gern teilhaben lasse:

Ein Spitalmeister wäre einen Teil der kranken Menschen gerne losgeworden und hätte ihnen die Gesundheit wohl gegönnt. Deshalb ging er zu Eulenspiegel und sagte ihm Geld zu, wenn er den Kranken hülfe. Eulenspiegel war damit einverstanden.
Da ging Eulenspiegel ins Spital, nahm zwei Knechte mit sich und fragte einen jeglichen Kranken, welches Gebrechen ihn plage. Darauf sagte er zu jedem einzelnen:

»Wenn ich euch Kranken zur Gesundheit verhelfen und euch auf die Füße bringen soll, kann ich das nur so: ich muss einen von euch zu Pulver verbrennen und dies den andern zu trinken geben. Das muss ich tun! Den Kränkesten von euch allen, der nicht gehen kann, werde ich zu Pulver verbrennen, damit ich den anderen damit helfen kann. Um euch alle zu wecken, werde ich den Spitalmeister nehmen, mich in die Tür des Spitals stellen und mit lauter Stimme rufen: „Wer da nicht krank ist, der komme sogleich heraus!“ Das verschlafe nicht! Denn der letzte muss die Zeche bezahlen.« So sprach er zu jedem allein.

Auf diese Rede gab jeglicher wohl acht. Und am angesagten Tage beeilten sie sich mit ihren kranken und lahmen Beinen, weil keiner der letzte sein wollte. Als Eulenspiegel nach seiner Ankündigung rief, begannen sie sofort zu laufen, darunter einige, die in zehn Jahren nicht aus dem Bett gekommen waren. Als das Spital nun ganz leer und die Kranken alle heraus waren, begehrte Eulenspiegel von dem Spitalmeister seinen Lohn und sagte, er müsse eilig in eine andere Gegend reisen. Da gab er ihm das Geld mit großem Dank, und Eulenspiegel ritt hinweg.

Aber nach drei Tagen kamen die Kranken alle wieder und klagten über ihre Krankheit. Da merkte der Spitalmeister, dass er von Eulenspiegel betrogen war. Aber der war hinweg, und er konnte ihm nichts mehr antun. Also blieben die Kranken wieder wie zuvor im Spital, und das Geld war verloren“.

Man sieht, moderne Betrugsmethoden gab es schon im Mittelalter, mögen meine Leser davon verschont bleiben.

Euer Kadosch

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