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Kinder filzen Kuschelfelle

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Die Leiterinnen der Naturschutzjugendgruppe (NAJU) Rinteln boten in diesem Jahr wieder eine sehr beliebte Aktion an – auf Grund der Nachfrage vieler Kinder nun schon zum zweiten Mal. „Wir waren von diesem Wunsch selbst sehr überrascht“ sagt Christine Land, denn „es ist doch mit sehr viel Arbeit verbunden, so ein Kuschelfell zu filzen“. Immerhin zwei Stunden dauert es, um aus dem Rohvliesen – so nennt man die unbehandelte Wolle, die der Schafscherer vom Tier schneidet – ein kuschliges Fell für die Ofenbank oder den Lieblingssessel herzustellen.

„Offenbar ist es dennoch ein besonderes Erlebnis für die Jungen und Mädchen, etwas mit ihren eigenen Händen herzustellen“ fügt Britta Raabe hinzu – zumal für dieses Kuschelfell kein Tier geschlachtet werden muss“. Die Vliese stammen von ihren eigenen Skudden; eine alte, aus Ostpreußen und dem Baltikum stammende Rasse, die auf der roten Liste der bedrohten Haus- und Nutztierrassen steht. So weiden Marlene, Sunny, Cloud und Moni mit ihren Schaffreunden immer noch friedlich auf der Streuobstwiese in Hohenrode, während Ihre Wintervliese nun eine besondere Wandlung durchmachen.

Erst wird das Fell eingeseift, dann durchtränkt. (Foto: privat)

Zunächst legen die Kinder Kunststoffplanen aus, auf welchen die Vliese mit der Schurseite nach oben ausgelegt und dünn mit Schmierseife bestrichen werden. Anschließend kommt die gute, alte Zinkgießkanne zum Einsatz, denn die Wolle wird nun tief durchtränkt. Dann erst beginnt der eigentliche Filzvorgang: in immer größer werdenden Kreisen erzeugen die Kinder durch Reibung Schaum, der den manuellen Filzvorgang beschleunigt und gleichzeitig das Fell reinigt. Eine gute Stunde dauert die Prozedur und die Kinder sind trotz müder Rücken und aufgeweichter Hände mit Feuereifer dabei.

Schließlich ist es soweit: die Schurseite hat sich zu einer festen Filzschicht verbunden, die sich nicht mehr auseinanderziehen lässt. „Es erstaunt mich immer wieder, wie dieser Prozess sich vollzieht“ sagt Raabe, die gern mit der Wolle ihrer Tiere arbeitet und das leicht fettige Gefühl an den Händen mag. Eines der Mädchen stellt erstaunt fest, dass ihre Hände nach dem Filzen ganz glatt und sehr weich geworden sind und Land erklärt ihr, dass dies am Wollfett, dem sogenannten Lanolin, liegt, welches die Schafe zur Fellpflege über ihre Haut bilden und in der unbehandelten Wolle noch reichlich vorhanden ist.

In Maurerkübeln werden die Felle gewaschen. (Foto: privat)

So werden die fertig gefilzten Felle dann in der eigens erfundenen „Waschstraße“ gereinigt: eine Reihe von mit Regenwasser gefüllten Mauerkübeln wird einer um den anderen benutzt, bis das Wasser im letzten klar bleibt und das Kuschelfell sauber auf der Wiese ausgelegt werden kann. Erstaunlich schnell ist das Wasser aus den Fellen herausgetropft und nun muss es nur noch ganz durchtrocknen – ungefähr einen halben Tag in der Sonne, weiß Raabe aus eigener Erfahrung zu berichten. Dann können eventuell entstandene Löcher rückseitig genäht und die gewachsenen Haare auf der Vorderseite gekämmt werden – und fertig ist das vegetarische Kuschelfell.

Das fertige Fell. (Foto: privat)

Und so schön, wie die Felle wieder geworden sind, da sind sich alle Teilnehmer sicher, wird diese Aktion selbstverständlich wiederholt werden. Zumal die Wolle der Skudden jetzt, im August, schon wieder fast fünf Zentimeter nachgewachsen ist: das nächste Fell kommt also ganz bestimmt. (pr)

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