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Landeskartellbehörde will Gas-Grundversorgern auf die Finger schauen: Stadtwerke Rinteln weisen Verdacht auf überhöhte Preise zurück

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(Rinteln / Niedersachsen) Ein Abschlussbericht der niedersächsischen Landeskartellbehörde sorgt derzeit für Aufregung und Verärgerung bei kommunalen Energieversorgern landesweit.

Die Kartellbehörde hat die Preise für die Gasgrundversorgung in Niedersachsen unter die Lupe genommen. In dem 19-seitigen Bericht geht es um die Frage, ob einige der 72 Gas-Grundversorger in Niedersachsen mit überhöhten Preisen Missbrauch betrieben haben. Untersucht wurde der Zeitraum vom 1. September 2021 bis 1. September 2024.

Die Energiekrise im Jahr 2022 hat den Markt durcheinander gewirbelt. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, die damit ausgelösten politischen Beben, die Sprengung der Erdgas-Pipeline „Nordstream“ – viele Faktoren führten zu einem regelrechten Preis-Schock an den Gasmärkten.

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Hinzu kam, dass viele Gaskunden von ihren Versorgern, zu denen sie gewechselt waren, regelrecht „vor die Tür“ gesetzt wurden. Durch die Preissteigerungen waren die Tarife oft nicht mehr zu halten, die Kosten für den Einkauf stiegen enorm. Als Folge schlitterten etliche Gasanbieter in die Krise, gingen pleite und mussten die Verträge auflösen. Damit landeten viele Gaskunden bei ihren lokalen Energieversorgern in den Grundversorgungstarifen. Die Grundversorger mussten wiederum plötzlich Kunden auffangen, mit denen sie nicht gerechnet hatten. Es musste kurzfristig Gas am Markt zugekauft werden. In einem Beitrag der Zeitung für kommunale Wirtschaft wird der Geschäftsführer der Stadtwerke Wunstorf mit den Worten zitiert, man werde jetzt noch einmal dafür gestraft, dass man in der Energiekrise die Feuerwehr gewesen sei. Laut Bericht waren zum 1.1.2022 rund 620.000 Kunden in der Gasgrundversorgung. Die Zahl stieg innerhalb eines Jahres auf fast 800.000 Kunden und fiel bis September 2024 auf 520.000.

In einer Beispielrechnung für einen mittleren Haushalt mit 15.000 kWh (Kilowattstunden) Gasverbrauch pro Jahr rechnet die Landeskartellbehörde vor: Während im September 2021 ein Grundversorgungskunde in Niedersachsen im Schnitte 916 Euro (alle Angaben netto, ohne Mehrwertsteuer) für den Jahresverbrauch zahlen musste, stieg die Summe zum 1.1.2023 auf durchschnittlich 2.293 Euro an. Anfang März 2023 trat der Staat auf die „Gaspreisbremse“ und hielt bis Jahresende daran fest. Bis September 2024 seien die Grundversorgungspreise wieder um 24 Prozent auf dann 1.726 Euro gesunken. Im Drei-Jahres-Vergleich ergibt das immer noch rund doppelt so viel wie zu Beginn der Erhebung. Die Spanne zwischen günstigstem und teuerstem Anbieter sei „weit auseinander gegangen“, so die Behörde: „Im September 2021 musste der Kunde beim teuersten niedersächsischen Grundversorger 50 Prozent mehr für die gleiche Menge Gas zahlen als beim günstigsten niedersächsischen Grundversorger.“

Seitens der Stadtwerke Rinteln weist man den Verdacht von sich, im Betrachtungszeitraum mit überhöhten Gaspreisen gearbeitet zu haben.

Dieser Preisunterschied sei bis Januar 2023 auf 220 Prozent angestiegen. Zwar sei der Unterschied bis Januar 2024 zwar wieder auf 80 Prozent zurückgegangen, im Herbst 2024 aber wieder auf 106 Prozent angestiegen. Auch unter Rechtfertigung der besonderen Umstände der Energiekrise, so das Kartellamt in seinem Bericht, wäre eine Annäherung der Preisspannen im September 2024 auf früheres Niveau zu erwarten. Die Kartellbehörde vermutet daher, dass „einige Grundversorger den fehlenden Wettbewerb durch eine missbräuchlich überhöhte Preissetzung ausgenutzt haben könnten.“

Insgesamt zwölf niedersächsische Grundversorger haben den Mittelwert der vergleichbaren Anbieter um mehr als 20 Prozent überschritten. Sie stehen daher unter Beobachtung der Kartellbehörde, darunter sind auch die Stadtwerke Rinteln. Um den Verdacht aufzuklären, kündigt die Behörde an, die zwölf Unternehmen zu kontaktieren. Während der Abschlussbericht offenbar ohne vorherige Befragung der Grundversorger veröffentlicht wurde, sind Termine bei der Kartellbehörde dem Vernehmen nach erst gegen Mitte Oktober diesen Jahres zu bekommen. Das ging aus einem Pressegespräch mit den Stadtwerken Rinteln hervor, die über die Hintergründe aufklären möchten. Man räumt ein, dass die Preise im Betrachtungszeitraum zwar über dem Durchschnitt der Grundversorger gelegen haben, jedoch habe man aufgrund einer seinerzeit langfristigen Einkaufsstrategie bereits in den Jahren 2022 und 2023 Gas in relativ großen Mengen eingekauft – weit über den in den Vorkrisenjahren üblichen Preisen. „Auch wenn wir unsere vorausschauenden Einkäufe längst nicht zu den Preisspitzen getätigt haben, müssen wir dennoch eingestehen, dass die Zeitpunkte für den Einkauf der jeweiligen Tranchen aus heutiger Sicht nicht immer optimal gewählt waren“, so die Stadtwerke. Inzwischen habe man die Strategie geändert und sei aus den langfristigen Verträgen mit dem inzwischen verstaatlichten Gashändler Uniper ausgestiegen.

Eigenen Angaben zufolge werde die Einkaufsstrategie kontinuierlich optimiert und „mit spitzem Bleistift“ gerechnet, „um Preissenkungen so zeitnah wie möglich an unsere Kundschaft weiterzugeben“. So habe man die „während der Energiekrise stark gestiegenen Preise erstmals zum 1. Januar 2024 und erneut zum 1. Januar 2025“ senken können. Den Verdacht des Preismissbrauchs weisen die Stadtwerke Rinteln als „nicht berechtigt“ von sich. Bei dem Termin bei der Landeskartellbehörde werde man den Sachverhalt erörtern, die entsprechenden Belege vorlegen und den Verdacht entkräften, kündigt das Unternehmen an.

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„Als kommunales Energieversorgungsunternehmen ist es in keiner Weise unser Ziel, uns zu Lasten unserer Kundinnen und Kunden zu bereichern. Wir streben stets danach, eine stabile und sichere Grundversorgung zu fairen Preisen, anzubieten.“ (Stadtwerke Rinteln)

Auf Preissenkungen darf gehofft werden: Zum Jahresbeginn 2026 ist man bei den Stadtwerken Rinteln ebenfalls vorsichtig optimistisch. Beschaffungsseitig sehe es gut aus. Die Weichen für eine erneute Preissenkung seien zumindest von Seiten der Beschaffung gestellt. Wie viel davon bei den Kunden ankomme, hänge von der Gestaltung der Steuern und Umlagen durch die Bundesregierung ab und werde sich in den nächsten Wochen zeigen.

(vu)

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