(Rinteln) Ein Stück Rintelner Stadtgeschichte ist für immer fort.
Die prächtige Platane am Andeplatz, am reichlich frequentierten Verkehrsknotenpunkt Bahnhofstraße/Breite Straße, wurde am Montag nach vorheriger Ankündigung gefällt.

Die Baumfällung startete mit einer Straßensperrung – Busse und Müllwagen durften durchfahren
In den frühen Morgenstunden richteten Mitarbeiter des städtischen Bau- und Betriebshofs eine Straßensperrung in dem Bereich ein. Ein großer Liebherr-Arbeitskran der Firma Heiko Schildmeier aus Petershagen wurde vor Ort in Position gebracht, um den riesigen Baum Stück für Stück abzutragen.

Pilzbefall schwächt 150 Jahre altes Naturdenkmal
Doch warum war die Fällung überhaupt nötig? Wie bereits berichtet, hat ein Pilz der Standfestigkeit des Baumes stark zugesetzt. Die Gefahr möglicherweise herabfallender Äste oder des Umfallens des Baumes als solches war groß, das ging aus entsprechenden Tests in der Vergangenheit hervor. Die Ankündigung der Baumfällung – sie brach vielen Rintelnern das Herz. Einige von ihnen verbanden Kindheitserinnerungen mit der Platane. Andere erinnerten sich an sommerliche Stunden, die sie auf der Sitzbank unter dem Schattenspender verbrachten. So oder so – die Platane wurde als Naturdenkmal geführt, sie hat Kriege „erlebt“ und überstanden. Krisen, Epochen und Entwicklungen „mitgemacht“. Viele fragten sich: „Könnte die Platane sprechen, was würde sie uns wohl aus ihrer Vergangenheit erzählen?“

Es half alles nichts: Ein Kappen der Krone hätte, so schilderte es der Bauhof, das Unausweichliche allenfalls hinausgezögert. Man hätte die Äste kürzen können und so die Statik für einige Jahre sichern – der Pilz (Lackporling) hätte sein zerstörerisches Werk weiter fortgeführt. Dann wäre die Fällung unumgänglich gewesen. So kam es am Montag, dem 9. März, zur Baumfällung.
Mit schwerem Gerät wurde der Baum Stück für Stück abgesägt
Das besagte Unternehmen aus Petershagen, es ist ein erfahrener Betrieb in Sachen Baumentnahme. Bereits vor einigen Tagen im Blumenwall, bei der Fällung einer Kastanie und eines Ahornbaumes, war es im Einsatz. Dieses Mal wurde wirklich schweres Gerät aufgefahren. Zum einen der bekannte Merlo Teleskoplader mit Greifer und Kettensäge am Ende des ausfahrbahren Hydraulikarmes. Dann ein brandneues Arbeitsgerät des Herstellers Liebherr, deutlich größer und massiver gebaut und mit einer Reichweite von 44 Meter für „dicke Brocken“ wie die Rintelner Platane geeignet.

Stück für Stück wurde der Baum, der geschätzt ein Alter von wohl über 150 Jahren haben muss, abgesägt. Zeitweise schien es fast so, als würde sich die Platane zur Wehr setzen. Einmal kam es bei dem Arbeitsgerät zu einem Schaden durch einen abgerissenen Hydraulikschlauch – der Firmenchef wurde von der Sonne geblendet und konnte nicht rechtzeitig reagieren – dann wiederum folgte ein mechanischer Schaden am Greifer, der die Maschine bei ihrem allerersten Einsatz außer Gefecht setzte.
Was bleibt, ist ein Stück Erinnerung
Am Montagnachmittag war die Aktion schließlich beendet und der Baum in Stücke zerteilt. Eine Passantin fragte freundlich, ob sie ein verbliebenes Holzstück als Erinnerung mitnehmen dürfe. Anderthalb Jahrhunderte Geschichte sind vergangen und machen Platz für eine Nachpflanzung.
An die gleiche Stelle soll im Herbst oder Winter ein „repräsentativer Baum“ treten, so wurde es angekündigt. Wer weiß, welche Geschichte dieser eines Tages „erzählen“ wird..?
(vu)






























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