(Rinteln) Die evangelisch-lutherische Stadtkirche St. Nikolai gilt als das weithin sichtbare Wahrzeichen im Herzen der Rintelner Altstadt.
Die Kirche wurde ab 1238 als Basilika geweiht und nach dem Schutzpatron der Schiffer und Kinder (St. Nikolaus) benannt. Im 14. Jahrhundert erfolgte der Umbau zu einer dreischiffigen Hallenkirche ohne Querschiff, wodurch Haupt- und Seitenschiffe die gleiche Höhe erhielten.
Der barocke Turm und die Kuppel wurden zwischen 1788 und 1803 gebaut und gaben der Kirche ein neues Gesicht, dass das Stadtbild bis heute prägt. Und genau dieser Aufsatz ist es, der jetzt eine Frischzellenkur benötigt.

Dipl.-Ing. Heinfried Stuve und Bauleiterin Dipl. Ing Birgit Ringe erläutern bei einem Pressetermin zusammen mit Vertretern der Zimmerei Wolter, dem Dachdeckerbetrieb Lars Kammann und Klemptner Christian Bagge, warum die aufwendige Sanierung notwendig war und wie der Stand der Arbeiten ist.

Mit dem Lastenaufzug geht es auf 40 Meter Höhe bis zum Laternenboden des Turms. Bereits hier kann man sehen, dass es eine Mischung aus alten und erneuerten Holzkontruktionen gibt, die am Ende wieder die Blechverschalung tragen sollen.
„Viel hilft viel“: Interessante Reparaturmethoden kamen zum Vorschein
Generationen vor uns hat man einfach Blech auf Blech gelegt und bei den Arbeiten am Turm konnten bis zu drei Lagen Blech übereinander festgestellt werden, die zum Teil noch mit geschmiedeten Nägeln von bis zu 60 Millimeter Länge befestigt waren: „Die rauszuziehen war unmöglich“, so Stuve.

Nach Entfernen der alten Bleche wurde deutlich, wie groß die Schäden an der Unterkonstruktion waren. Während die Traghölzer noch in einem guten Zustand waren, waren Hölzer der Unterkonstruktion zum Teil stark vermodert durch Wassereinfall. Deshalb musste die Schalung der Kuppel teilweise erneuert werden, wobei der Zimmereibetrieb in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz Wert darauf legt, vorhandenes gesundes Holz zu erhalten.
Uhren verneigen sich vor der Stadt
Eine Feststellung überraschte die bauausführenden Firmen und Heinfried Stuve besonders. Die Uhren der Kirche neigten sich rund 20 Zentimeter weit in Richtung Stadt auf der Wetterseite. Auch hier musste nachgearbeitet werden.

Titan-Zink-Bleche in gelb-grauer Färbung
Eine weitere Überraschung stellten die Firmen auf der Südostseite des Turms fest, als sie eine seltene Bemalung auf alten Holzplanken feststellten. Als nächste Baumaßnahmen werden jetzt die Maler mit ihrer Arbeit beginnen, sobald die neuen Bleche installiert sind.
Die gelb-graue Färbung ist bereits mit dem Denkmalschutz abgestimmt und soll sich harmonisch in die Gesamtfarbgebung des Turms einpassen, genau so, wie Rintelner ihn kennen. Was noch fehlt ist die Vergoldung der Wetterfahne, für die noch ein Sponsor gesucht wird. Kostenpunkt etwa 2.000 Euro.
Fertigstellung im ersten Quartal 2027
Durch eine rund zehnwöchige Verzögerung im Winter werden die Arbeiten am Kirchturm voraussichtlich erst Ende des ersten Quartals 2027 fertig sein, teilt Dipl.-Ing. Heinfried Stuve mit. Auch die Eisenglocken im oberen Teil des Turms, die die Zeit durch ihr Geläut anzeigen, müssen erneuert werden. Zu groß ist der Rostfraß an den Glocken. Die Austauschteile werden derzeit neu gegossen.

Was den Kostenrahmen angeht, so zeigt sich Stuve optimistisch: „Wir haben das Schlimmste bei unseren Kostenplanungen angenommen und werden den Rahmen vermutlich einhalten!“
Video: So sieht es auf der Kirchturm-Baustelle von St. Nikolai aus
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(Text & Fotos: ot)


























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