(Rinteln) Der Tagesordnungspunkt klang einfach, hatte am Ende aber viel Konfliktpotenzial: „Rückbau Bolzplatz am Heinekamp“ hatte die Verwaltung in die Tagesordnung geschrieben und gleich empfohlen, den Platz „zu sofort“ zu schließen mit dem Hinweis, dass es ja eine hochwertige Alternative am Sportpark Burgfeldsweide gebe.
Hintergrund sei auch, so Stadtjurist Maximilian Schneider, dass die Stadtjugendpflege keinen besonderen Bedarf für einen Bolzplatz an der vorhandenen Stelle sah und die Untere Naturschutzbehörde dem Tiefbauamt im Nacken sitze und die saisonale Genehmigung für den Platz nicht verlängert werden solle.

Für Matthias Wehrung (CDU) war der Tagesordnungspunkt ein Grund, seinen Augen nicht zu trauen: „Es scheint eine Obsession der Verwaltung zu sein, den Bolzplatz zu schließen. War ja schon der zweite Versuch“, machte Wehrung seinem Ärger Luft. Was das für eine Signalwirkung auf junge Menschen habe, wollte er erst gar nicht ausführen. Rund 200 Kinder und Jugendliche gebe es pro Jahrgang, mache zusammen rund 1.500 potenzielle Nutzer eines Bolzplatzes. Und das Angebot gebe es nur ein Mal in der Stadt.
Wartelisten für Kunstrasenplatz zeugen von dessen Beliebtheit
Diese Nutzungsklientel auf den neuen Kunstrasenplatz verlegen zu wollen, sei absurd: „Die Vereine nutzen den Platz schon intensiv und es gibt Wartelisten. Einfach nur kicken ohne Vereinsbindung geht doch gar nicht mehr!“ Vergrätzt sei er auch über das Gebahren der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Schaumburg: „Als ich das las, dachte ich, ich wäre im falschen Film!“ Mesophiles Grünland werde hier konstatiert und an der Extertalstraße werde alles platt gemacht und dabei solle es sich um Pflegemaßnahmen handeln.

Prof. Dr. Gert Armin Neuhäuser (RI) sah im Vorgehen der Behörde konstruierte Argumente und forderte von der Verwaltung mehr Mut und Kreativität im Umgang mit der Unteren Naturschutzbehörde. Eine vereinsungebundene Nutzung des Kunstrasenplatzes sah auch Neuhäuser kritisch: „Da tummeln sich nicht nur Fußballer, es wird auch eine moderne Form des E-Scooter-Polo praktiziert!“
Weniger kritisch sahen Kilian Weers und Ursula Mücke (beide SPD) den Wegfall des Bolzplatzes. Dann jedoch, so Mücke, sollte in der Nordstadt ein solcher Platz eingerichtet werden. Wird auch, stellte Matthias Wehrung fest, denn es sei Beschlusslage, dass ein Multifunktionsplatz an der Kendalstraße gebaut werde. Der vorhandene Platz selbst ist in einem denkbar schlechten Zustand. Überall zeigt der Maulwurf, was er von einem Bolzplatz hält und die Verletzungsgefahr, so Kilian Weers, sei groß. „Mähen alleine reicht hier nicht mehr!“
Und mehr darf die Stadt an der Stelle nicht tun, weil der Platz im Landschaftsschutzgebiet liegt. Das unterstrich auch Stephan Jacob (Grüne), denn: „Auch Mähen ist ein Eingriff in die Natur!“ Karnickelbauten und Maulwurfshügel müssten bleiben.
So entschied der Ortsrat
Der Ortsrat stimmte dann (bei zwei Gegenstimmen) dafür, dass der Tagesordnungspunkt vorerst vertagt wird und die Verwaltung zuerst eine Alternativfläche sowie mögliche Ausgleichsmaßnahmen für den Eingriff in die Natur suchen solle und man dann erneut darüber beraten wolle.
Der Ortsrat Rinteln hat in dieser Sache übrigens eine beschließende Rolle.
(Text & Fotos: ot)


























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