(Rinteln) Ein großer „Brocken“ im Radverkehrskonzept der Stadt Rinteln ist die Frage, wie der Fahrradverkehr künftig über die Weser geführt werden soll.
Über dieses Thema war häufig in der Lokalpolitik und der Öffentlichkeit diskutiert worden. Tenor: Die Radfahrer sollen, zusammen mit Motorrädern, Autos, Bussen, LKW und Traktoren auf der Fahrbahn unterwegs sein. Dazu soll ein Überholverbot gelten, sowie Tempo 30 auf der Weserbrücke. Doch nicht jeder fühlt sich bei diesem Gedanken wohl und so entwickelte sich in der Vergangenheit auch eine Diskussion, ob man nicht einfach das Geländer der Weserbrücke erhöhen könnte, um die erforderliche Mindesthöhe zu erreichen. Dies sei, so Stand der Dinge, nämlich eigentlich zu niedrig und Radfahrer könnten bei einem Unfall über das Geländer stürzen und ins Wasser fallen.
Es ist schwer nachvollziehbar, wer letztlich den Denkmalschutz ins Spiel gebracht hat – jedoch wurde der denkmalgeschützte Status der Brücke als schlagendes Gegenargument faktisch zementiert. Kernthese: An die Brücke dürfe aus diesem Grund nichts angebaut werden.

Umso überraschender ist die Aussage von Markus Brockmann, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln. Die Bahnhofstraße mit der Weserbrücke liegt im Zuständigkeitsbereich der Landesbehörde, da es sich um die Landesstraße 441 handelt. Brockmann gibt nämlich auf eine Nachfrage von Rinteln-Aktuell.de sinngemäß bekannt, dass dem Denkmalschutz noch niemand die Frage gestellt habe, darum habe dieser auch nicht geantwortet.
Wer nicht fragt, bekommt auch keine Antworten
So sei zum Beispiel auch die Weserbrücke in Fuhlen komplett abgerissen und erneuert worden, obwohl sie auch unter Denkmalschutz stand. Bei jener bestand die denkmalgeschützte Besonderheit nämlich im Tragsystem der Brücke, das sich „Langerscher Balken“ nennt. Was genau die Denkmaleigenschaft der Brücke in Rinteln ausmacht, habe man noch nicht besprochen. Es könnte an der genieteten Bauweise der Stahlbrücke liegen, so etwas komme heute nicht mehr oft vor. Man müsse mit der Denkmalschutzbehörde ins Detail gehen und prüfen, welche Bereiche wichtig sind und wo man einen Kompromiss eingehen könnte. „Zum Geländer haben wir noch nicht gefragt, aber wir gehen davon aus, dass es nicht das Problem ist, das Geländer durch ein neues zu ersetzen, was genauso aussieht, aber vielleicht ein Stückchen höher ist“, so Brockmann. Auch die Frage nach breiteren Gehwegen habe man mit der Denkmalpflege noch gar nicht besprochen.

Eine Erhöhung des Geländers dürfte kein Problem darstellen – aber ist das überhaupt gewollt?
Über die Frage der Sicherheit könne man „trefflich politisch diskutieren“, aber „am Ende müssen die Verwaltungen die Köpfe zusammenstecken, weil wir das verantworten müssen“, steckt Brockmann die Zuständigkeiten ab. Politisch diskutiert werden müsse darüber, wie die Rintelner Politik ihr Radverkehrsnetz auch in den Abschnitten vor der Brücke haben möchte. Es gebe auch Diskussionen darüber, Fußgänger auf der einen Seite der Brücke und Radfahrer auf der anderen zu führen. Zuerst müssten diese Fragen geklärt und dann der Denkmalschutz angesprochen werden. Die Weserbrücke befinde sich bei der Landesbehörde darüber hinaus momentan in einem Sanierungskonzept. Was genau saniert werden soll, dazu gibt es derzeit allerdings noch keine Informationen.

„Manchmal gibt es keine richtig gute Lösung“
Schnell wird deutlich: Das Thema ist sehr vielschichtig und „manchmal gibt es auch keine richtig gute Lösung, sondern nur eine zweitbeste und drittbeste“, so Brockmann. Man müsse schauen, wo und wie man alle Verkehrsteilnehmer sicher über die Brücke bringen könne. Diejenigen, die sich das zutrauen, könnten im Verkehr mitschwimmen. Alle anderen könnten ihr Rad über die Gehwege schieben. Kinder bis zwölf Jahren dürften ohnehin auf dem Gehweg fahren und Eltern dürfen ihre Kinder dann sogar auf dem Rad begleiten.
„Die Frage ist immer, was ist denn aus denkmalpflegerischer Sicht an dieser Brücke das auslösende Moment für den Denkmalschutz?“ (Markus Brockmann, Leiter der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hameln)
Im Rathaus der Stadt Rinteln beschäftigt man sich eigenen Angaben zufolge im Rahmen der Umsetzung des Radverkehrskonzeptes weiterhin mit möglichen Verbesserungen der Radverkehrsführung in diesem Bereich.
Dazu Markus Luckhaus aus dem Ordnungsamt auf Anfrage: „Im Hinblick auf die mögliche Führung des Radverkehrs im Mischverkehr über die Fahrbahn der Weserbrücke wurden bereits Gespräche mit der zuständigen Landesbehörde, dem Arbeitskreis und den Planern geführt. Dabei wurden verschiedene verkehrliche und sicherheitsrelevante Aspekte betrachtet und erörtert. Die Abstimmungen diesbezüglich werden fortgeführt.
Auch zum Thema Anbau/Erhöhung des Brückengeländers werden auf Grundlage der laufenden Prüfungen und Abstimmungen derzeit mögliche Optionen erörtert. Ziel ist es, im weiteren Verlauf konkrete Maßnahmen zu definieren und diese umzusetzen. Ein konkreter Zeitplan kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht benannt werden.“
Das Thema greift auch Dr. Fabian Horn, der Rintelner Bürgermeisterkandidat von FDP und CDU auf. „Das dort geplante Konzept ist mit einer Gefährdung von Radfahrerinnen und Radfahrern verbunden. Der Wechsel vom Radweg auf die Fahrbahn und mögliche Unachtsamkeit von Autofahrern und Radfahrern sowie der tote Winkel bei LKWs kann auf der Rintelner Weserbrücke zu einem Unfallschwerpunkt führen“, so Horn in einer Pressemitteilung. Über die Aussage Brockmanns ist er überrascht: „Aus der Verwaltung hieß es immer, dass die Weserbrücke unter Denkmalschutz steht, dass das zu niedrige Geländer daher nicht erhöht werden könne und der gemeinsame Rad- und Gehweg zu schmal wäre und ebenfalls nicht verbreitert werden könne.“

Verbreiterung des Geh- und Radweges: „Da liegen wir bei 3,50 Meter Breite und mehr.“
Zum Thema der Verbreiterung stellt Behördenleiter Markus Brockmann die Frage in den Raum, ob es überhaupt klug ist, angesichts der Mengen an Fußgängern die Radfahrer überhaupt mit aufzunehmen. Da sei es nicht mit 50 Zentimetern mehr getan, „sondern deutlich mehr“. Aus anderen Planungen wisse man: „Da liegen wir bei 3,50 Meter Breite und mehr.“ Und schließlich habe die Brücke auch einen Anfang und ein Ende, man müsse auch schauen wie es sich mit dem Vorher und Nachher verhalten würde. Es mache daher Sinn, Radfahrer und Fußgänger physisch zu trennen und den Radler mit auf die Fahrbahn zu nehmen. Der Radverkehr möchte gern schnell unterwegs sein, die Fußgänger seien vielleicht nicht immer ganz so aufmerksam. Die Diskussion um Radfahrer im Mischverkehr werde eigentlich zwischen Baulastträger, Verkehrsleuten und der Polizei geführt – nicht von der Politik, befand Brockmann.

Dr. Horn regt an: „Um den potentiellen Unfallschwerpunkt zu vermeiden sollte die Verwaltung den Denkmalschutz konsultieren, die Inanspruchnahme möglicher Förderprogramme prüfen und sofern die Prüfung zu einem positiven Ergebnis führt, Autos und Radfahrer weiterhin baulich getrennt über die Weserbrücke leiten.“ Matthias Wehrung von der CDU ergänzt: „Die räumliche Trennung von Rad- und Autoverkehr auf der Weserbrücke fordert die CDU-Fraktion im Ortsrat Rinteln seit Jahren, denn hier geht es auch und insbesondere um die Sicherheit unserer Kinder.“
Es bleibt also spannend: Entweder es ändert sich etwas, oder es bleibt so, wie es ist.
(vu, pr/Fotos: vu, pr)



























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