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Rechtsanwalt Frühmark schreibt an Bundeskanzlerin Merkel: „Einige Politiker nehmen Ängste und Sorgen der Eltern, Schüler und Lehrer nicht wahr“

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(Rinteln) Rechtsanwalt Thorsten Frühmark hat auf dem beliebten YouTube-Kanal seiner Anwaltskanzlei Frühmark & Vogt bereits zwei Videos zum Thema Schule in Coronazeiten veröffentlicht (siehe unten). Auch in sozialen Netzwerk regt er mit seinen Beiträgen zu Diskussionen an. Nachdem er in der vergangenen Woche kritisch beim Niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne nachgefragt hat, warum die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts zum generellen Wechsel in „Szenario B“ (also geteilte Klassen) bei einer Überschreitung der Corona-Inzidenz von 50 pro Landkreis nicht beachtet werde, richtet sich Frühmark jetzt mit einem Brief direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Rechtsanwalt Thorsten Frühmark. (Foto: Screenshot YouTube)

An den Vater von drei schulpflichtigen Kindern würden in den letzten Tagen immer wieder Sorgen, Unmut und Ängste von Schülern und Eltern herangetragen. Den Vorschlag von Merkel an die Ministerpräsidenten der Länder, keinen vollen Präsenzunterricht mehr stattfinden zu lassen, habe man zur Kenntnis genommen. Dieser sei jedoch von vielen Ministerpräsidenten „kategorisch abgelehnt“ worden: „Teilweise haben die Ministerpräsidenten und Kultusminister dies sogar in sozialen Medien gefeiert.“

Dabei scheine es nicht um die Sache zu gehen, sondern darum, wer sich letztlich am Verhandlungstisch durchsetze, vermutet Frühmark: „Offenbar nehmen einige Politiker die Ängste und Sorgen der Eltern, Schüler und Lehrer gar nicht wahr. Es wird der Eindruck erweckt, als ob der volle Präsenzunterricht um jeden Preis durchgesetzt werden soll. Einige Kultusminister sind offenbar noch immer der Auffassung, Schulen stellen keine Infektionsherde dar. Dabei bringen die jüngsten Studien klar zum Ausdruck, dass insbesondere Kinder ab 10 Jahren durchaus als Infektionsträger anzusehen sind.“

Laut Frühmark sei für viele Eltern völlig unverständlich, warum in den Schulen keine Abstände eingehalten würden und die Schulbusse noch immer voll seien: „Testungen an Schülern werden nach meinem Kenntnisstand so gut wie gar nicht durchgeführt. Dies bekräftigt nicht gerade die Aussagen der Ministerpräsidenten.“ Die Infektionsgefahr würden allerdings auch einige Ministerpräsidenten sehen, so Frühmark. Anders wäre es nicht zu erklären, dass man die Weihnachtsferien vorziehe, um eine Ansteckungsgefahr für andere Familienmitglieder zu minimieren.

„Sollten wir uns nicht fragen, was dieser Zustand in den Schulen mit unseren Kinder macht?“, fragt Frühmark in seinem Schreiben und fährt fort, „was soll ich meinen Kindern antworten, wenn sie mich fragen, dass in meinem Büro die Hygienevorschriften und Abstandsregeln eingehalten werden müssen, sie in der Schule aber keinen Abstand einhalten können? Soll ich ihnen dann antworten, dass Bildung wichtiger ist als Gesundheit? Wie soll ich ihnen erklären, dass sie nach Aussage von vielen Ministerpräsidenten in der Freizeit nur noch einen Freund treffen können, wenn sie in der Schule sowieso mit vielen Kindern ohne Abstand in einer Klasse sitzen?“

Der Rechtsanwalt aus Rinteln vermutet, dass seitens der Ministerpräsidenten zwischen Bildung und Gesundheit abgewogen werde: „Dies kann aus meiner Sicht nicht der richtige Weg sein. Für viele Eltern sollten die Abstandsregeln in den Schulen unabhängig von der Ansteckungsrate in den jeweiligen Landkreisen gelten.“

Weiter appelliert Frühmark an Merkel: „Die Pandemie darf nicht auf den Rücken unserer Kinder ausgetragen werden. Sie sind die schwächsten Glieder in unserer Gesellschaft und übernehmen in der Schule die volle Verantwortung ohne Einhaltung der Abstandsregeln. Sie müssen ihren Großeltern sagen, dass sie sie nicht besuchen können, weil in der Schule keine Abstandsregeln eingehalten werden.“ Das Gleichgewicht zwischen Bildung und Gesundheit dürfte nur über den sogenannten Hybridunterricht (geteilte Lerngruppen mit Unterricht vor Ort und zu Hause – Anm. d. Red.) möglich sein, argumentiert Frühmark weiter.

„Bitte machen Sie den Ministerpräsidenten klar, dass sie die Verantwortung für jeden kranken Schüler und für jeden Lehrer mit einer Folgeerkrankung haben“, schließt Frühmark den Brief.

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