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Rinteln soll Glyphosat-frei werden

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Auf Anfrage der Rintelner Grünen teilte Bürgermeister Thomas Priemer in der jüngsten Stadtratssitzung mit, dass auf stadteigenen Flächen zukünftig kein Glyphosat mehr eingesetzt werden soll. Laut Priemer verzichtet die Stadt selbst seit 2015 auf den Einsatz des Pflanzenvernichtungsmittels, Pächter von stadteigenen Grundstücken konnten dieses jedoch bisher nutzen.

Das soll sich jetzt ändern. So werden sowohl neue Pachtverträge als auch Vertragsverlängerungen zukünftig um eine Klausel ergänzt, die den Einsatz von Glyphosat verbietet. Zudem sollen alle aktuellen Pächter angeschrieben und aufgefordert werden, den Einsatz von Glyphosat ebenfalls ab sofort zu unterlassen. „Es ist richtig und wichtig, das Vorsorgeprinzip ernst zu nehmen und Glyphosat zu verbieten, zum Wohle von Mensch, Tier und Natur“, freut sich Christoph Ochs, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat über den positiven Bescheid zum Antrag.

Löwenzahn (Symbolfoto).

Begründung des Antrags der Grünen: Glyphosat, besser bekannt unter dem Handelsnamen “Roundup”, ist das weltweit meist verkaufte Breitbandherbizid, welches häufig in der Landwirtschaft aber auch in Kleingärten eingesetzt wird.

In Regionen Lateinamerikas, in denen großflächig glyphosatresistente Pflanzen angebaut werden und Glyphosat in hohem Ausmaß als Herbizid eingesetzt wird, gibt es eine erhöhte Rate an Fehlgeburten, Fehlbildungen von Neugeborenen und Krebserkrankungen, die einen Zusammenhang nahelegen. In neuster Zeit hat die WHO internationale Glyphosatstudien ausgewertet und stuft das Herbizid, das bereits in mehreren Ländern verboten wurde, nunmehr für den Menschen als „Wahrscheinlich krebserregend“ ein. Aufgrund dieser Untersuchung und den bisherigen Ergebnissen empfiehlt die WHO ein sofortiges Verbot. Prof. Andreas Kortenkamp, anerkannter Human-Toxikologe von der Brunel University London betont die Seriosität dieser Neueinschätzung und fordert die zuständigen EU-Behörden auf, entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Verbraucher einzuleiten.

In diesem Zusammenhang ist auch eine Studie von Frau Prof. Monika Krüger von der Universität Leipzig interessant, die einen Zusammenhang zwischen dem Herbizid und dem weit verbreiteten Rinder- und Kälbersterben in der Landwirtschaft sieht. 70 % der Deutschen sind für ein Verbot von Glyphosat. Das Umweltinstitut München e.V. warnt, dass sich Glyphosat unter anderem bereits in Brot und Brötchen, Bier und in unseren Gewässern befindet. Zahlreiche weitere wissenschaftliche Studien belegen die gefährlichen Auswirkungen des Wirkstoffes und seiner Rückstände auf die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt.

Neben diesen Risiken trägt das Herbizid verstärkt zum Artensterben bei, da durch das Abtöten der Beikräuter vielen Insekten und damit auch den Feldvogelarten die Nahrungsgrundlage entzogen wird. Insbesondere gehen die Imker davon aus, dass das Bienensterben in Deutschland mit der Verwendung von Glyphosat im Zusammenhang steht. Da glyphosathaltige Mittel in die Nahrungskette gelangen, liegt es nicht fern, dass das Fasanensterben in Deutschland ebenfalls mit diesem Mittel zusammenhängen könnte. Studien zu der Frage, in wieweit der Einsatz dieses Giftes Auswirkungen auf die Anrainer glyphosatbehandelter Flächen, also auch Bürgerinnen und Bürger von Rinteln, sowie auf deren Haustiere hat, fehlen bisher gänzlich.

Nach Monatelangen Verhandlungen, in der es keine Mehrheit für eine weitere Zulassung des Mittels gab, stimmte am 27.11.2017 nun auch Deutschland, bzw. der Agrarminister Schmidt von der CSU mit 17 weiteren EU-Ländern für eine Verlängerung der Glyphosatzulassung. Damit hat sich Deutschland gegen das Vorsorgeprinzip gestellt. (pr)

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