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Roller auf dem Prüfstand

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Die Polizeibeamten schieben den Motorroller eine Metallrampe hoch, rasten das Vorderrad in einer Haltevorrichtung ein und geben Gas. Das Hinterrad setzt eine Rolle des „Traktal T1 Police“ genannten, mobilen Rollenprüfstands in Bewegung. Per Kabel werden die Messwerte an eine Databox, bestehend aus Computer und Tachograf, übermittelt. Daraus ermittelt das System, wie schnell ein 75 Kilogramm schwerer Mensch auf ebener Straße mit normalem Fahrtwind unterwegs sein könnte. Aus diesem Prüfstandsverfahren ergibt sich ein Ergebnis, das auch vor Gericht verwertet werden kann.

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Hintergrund der Aktion: Polizeibeamte der Polizeidirektionen Nienburg/Schaumburg und Hameln-Pyrmont waren zu Gast bei einer Prüfstandsschulung des Polizeikomissariats Rinteln. Hier in Rinteln ist der erste mobile Rollenprüfstand für Motorroller entstanden – entwickelt und auf Basis eines ursprünglich für Werkstattzwecke hergestellten Prüfstands mit diversen Komponenten verfeinert. Dazu gehören Türen, die Databox mit Laptop, Tachograph und Drucker, sowie ein Spritzschutz fürs Hinterrad. Von Anfang an als „Pioniere“ dabei und heute als Ausbilder am Rollenprüfstand: Stephan Weichert und Uwe Gels von der Polizei Rinteln.

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Am Ende der Schulung erwartet die teilnehmenden Beamten ein Zertifikat und die Erlaubnis, selbst Kontrollen im öffentlichen Verkehrsraum durchzuführen. Der mobile Prüfstand ist rund 130 Kilogramm schwer, zerlegbar und passt in einen kleinen Anhänger. Aus dem Polizeikomissariat Rinteln wird er an andere Komissariate verliehen. Mit dem mobilen System werden Motorroller auf eine mögliche Leistungssteigerung hin überprüft. Die Methoden, um dem Zweirad mehr Leistung zu entlocken, sind vielfältig und unterscheiden sich je nach Hersteller. In der Rollerszene sind die Kniffe (teils elektronisch, teils mechanisch) bestens bekannt, man tauscht sich aus und ist stets auf dem neuesten Stand. Es gibt klare Favoriten, wobei die tendenziell eher schwächer ausgelegten Roller aus Baumärkten unbeliebte Kandidaten bei Tuningfreunden sind.

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Doch warum werden leistungsstärkere Roller überhaupt gedrosselt? Durch den Verkauf baugleicher Roller, einmal als 45er und 25er-Variante (dann aber mit Drosselung) sparen die Hersteller Geld, da nur ein Modell entwickelt und gebaut werden muss. Aber auch die Rollerbesitzer müssen nicht das Fahrzeug wechseln, sobald sie von der Mofaprüfbescheinigung auf den Führerschein Klasse M (ab 16 Jahren) aufsteigen.

Wer mit einem frisierten Motorroller erwischt wird, begeht übrigens kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat: Fahren ohne Fahrerlaubnis. Ersttäter erhalten meistens Sozialstunden als Strafe aufgebrummt, das hängt aber ganz vom zuständigen Gericht ab. Im schlimmsten Fall kann das Kraftrad als Tatmittel von der Staatsanwaltschaft eingezogen werden und geht in den Besitz des Landes über. Dann wird es zu Schulungszwecken wie bei diesem Prüfstandslehrgang genutzt.

Der mobile Rollerprüfstand ist geeignet für Geschwindigkeiten bis 125 km/h. Das Highlight schaffte vor einiger Zeit mal eine frisierte Mofa – mit 90 Stundenkilometern.

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