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Schadstoffe am Gymnasium? Verein erhebt schwere Vorwürfe

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Am Anfang war ein Stück der abgebrochenen Dachverkleidung vom Buswartehäuschen, das Dietrich Edler aufhorchen ließ. Der Vorsitzende des „Vereins Gesunde Schadstofffreie Schulen“ machte in einer Pressemeldung auf die seiner Meinung nach gravierenden Baumängel im Ernestinum aufmerksam.

In der Presse war zuvor von undichtem Dach und mangelhaften Fenstern zu Lesen (wir berichteten), laut der Pressemitteilung des Vereins sei dies aber nur die halbe Wahrheit. Von PCB, Formaldehyd und asbesthaltigen Stoffen, unter anderem in Dämmmatten, Fußböden und Wänden ist die Rede. Edler, selbst Mitglied des Schulelternrates und Bauingenieur sowie Sachverständiger wandte sich an die Schulgremien und bat um Begehung. In dieser wurden seinen Angaben zufolge freiliegende asbestfaserhaltige Stoffe, Schimmelgeruch und schadstoffhaltige Raumluft festgestellt. Desweiteren „ein stinkender Klassenraum ohne Fenster“, der nicht zulässig sei und schulintern „Bunker“ genannt werde und ein Keller, der bei starkem Regen bis zu 30cm unter Wasser stehen soll und in dem krebserregende Asbestfasern durch die Luft bröseln – inklusive schuleigener Mosterei.

Nachdem der Sachverständige die Verantwortlichen darauf hingewiesen hatte, wurden seinen Angaben zufolge sichtbare freiliegende Schadstoffe beseitigt. „Mehr nicht“, ergänzt Edler und prangert an, dass es zwar eine vom Schulträger veranlasste Schadstoffuntersuchung gebe, die Einsichtnahme ins Ergebnis aber verweigert werde. Ebenso habe eine erforderliche Raumluftüberprüfung nicht stattgefunden.

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Was ist da los im Gymnasium Rinteln? Gibt es ein Schadstoffproblem im Schulzentrum und sind Kinder und Lehrer womöglich Gefahren ausgesetzt? Eine Nachfrage beim Landkreis Schaumburg fördert Interessantes zu Tage. So bestätigt Fritz Klebe vom Hochbauamt des Landkreises: Ja, das Ernestinum sei in den 70er Jahren erbaut worden – aber jedes Gebäude sei individuell zu betrachten, nicht immer sei Asbest ein Thema. So sei das Schulgebäude 1988 im Rahmen einer Erfassung von Kreisliegenschaften auf das Vorhandensein von Asbest untersucht worden. Schon damals habe man freiliegende Teile im Innenbereich entfernt, so dass es nicht zu einer Beschädigung und Belastung kommen könne. „Eine Sanierungspflicht von Bauteilen bei fest gebundenem Asbest gibt es nicht“, ergänzt der Kreisbauamtsleiter, „es gibt keinen aktuellen Grund zum Handeln“. Bei älteren Brandschutzklappen seien Anteile von Asbest verbaut worden, diese müssen jährlich überprüft werden.

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Die Bushaltestelle, deren sprödes Dach den Stein ins Rollen brachte.

Auch das Gesundheitsamt sei beteiligt gewesen, man habe sich gutachterlich beraten lassen. „Die Ergebnisse der Schadstoffuntersuchung haben wir der Schulleitung und dem Schulelternrat zukommen lassen, da steht nichts dramatisches drin“, so Klebe. Er bestätigt den regelmäßigen Austausch mit den Schulgremien und reagiert mit Zurückhaltung auf die Meldung von Edler. Es habe, so Klebe, ein langes Schreiben gegeben, das man auch innerhalb der gesetzten Frist beantwortet habe. Die Behauptung, man würde auf Edlers Schreiben nicht reagieren, sei glatt gelogen. Man kommuniziere oft, per E-Mail, Fax, Telefon und Brief. Im Schadstoffgutachten (was nach unseren Informationen rund 10.000 Euro gekostet haben soll), seien zwar geringe Mengen Mineralfasern in der Luft nachgewiesen worden, jedoch kein Asbest. Für Mineralfasern gibt es aber keine festen Regeln, wie danach umzugehen sei, so Klebe. In dem Gutachten wurde empfohlen, Raumluftmessungen im Bezug auf Mineralfasern durchzuführen. Der Empfehlung sei man nachgekommen, das Ergebnis der Messungen werde in den nächsten Wochen erwartet. Darüber hinaus werde eine regelmäßige Kontrolle alle fünf Jahre empfohlen, mehr nicht. Klebe ergänzt, laut einer Einschätzung des Gesundheitsamts könnten alle Räumlichkeiten uneingeschränkt genutzt werden.

Die Undichtigkeit im Dach bestätigte Klebe. Vor drei Jahren sei das Flachdach von einer Fachfirma noch als in Ordnung beurteilt worden. Man vermutet aber, dass der nachträgliche Anbau einer Fluchttreppe ursächlich für diese Undichtigkeiten sein könne. Die Erneuerung der Dachfläche sei für 2019 geplant und werde rund 1,8 Millionen Euro kosten.

Klebe weiter: „Wir lassen jetzt nochmal durch das Ingenieursbüro Wessling feststellen, welche Teile mit gebundenem Asbest vorhanden sind und werden diese Teile soweit möglich entweder ausbauen oder einkapseln.“ Die Aufregung und das Gutachten, das man nicht einsehen dürfe, versteht Klebe nicht: „Wir haben Herrn Edler angeboten, das Gutachten hier bei uns im Hause einzusehen, aber das hat er abgelehnt. Er will es geschickt bekommen, aber das machen wir nicht!“

Von der politischen Seite betrachtet, hat die Diskussion ums Ernestinum eine ganz andere Wendung genommen. Dort geht es um undichte Fenster und eine Dachsanierung. Doch die wird wohl noch drei Jahre auf sich warten lassen.

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