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Schule in Steinbergen: Eltern entscheiden über Zukunft des Standortes

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Über die Zukunft des Grundschulstandortes Steinbergen soll das Kreuz an der richtigen Stelle entscheiden. Vor einigen Tagen hat die Stadt Rinteln die angekündigte Umfrage zur Beschulung der Kinder in Steinbergen an die Eltern verschickt. Ob das Kind am Schulstandort Steinbergen beschult werden soll, falls es zum Schuljahr 2017/18 eingeschult wird, soll ermittelt werden. Oder – falls es derzeit die Grundschule in Deckbergen besucht – ob es wieder in Steinbergen zum Unterricht gehen soll. Beigefügt ist die Sachdarstellung der Beschlussvorlage aus der Ortsratssitzung Steinbergen vom 30.11.2016 sowie der Antrag der Steinberger SPD-Fraktion an die Stadt Rinteln, eine Befragung durchzuführen.

„Der Ortsrat Steinbergen hat gefordert, die Sachdarstellung nicht mitzusenden, doch die Stadtverwaltung hat darauf bestanden“, so Sascha Gomolzig, Elternvertreter des Kindergartens, „das Schreiben hätte neutraler ausfallen müssen, so liest es sich vielmehr wie ein Argument für den Standort Deckbergen. Eltern könnten dadurch verunsichert werden, vor allem entsteht der Eindruck, man würde sich ja dazu verpflichten, sein Kind bei der jeweiligen Entscheidung in jedem Fall in Steinbergen beschulen zu müssen. Das ist nicht der Fall. Selbst wenn man sich jetzt für Steinbergen entscheidet, hält man sich bis zum Sommer alle Optionen nach wie vor offen.“

Jens Wienecke von der BISIS (Bürgerinitiative Schule in Steinbergen) stört vor allem, dass der Begriff „Kombiklasse“ im negativen Sinne gebraucht wird: „Es entsteht der Eindruck, eine Kombiklasse sei etwas Schlechtes. Das Gegenteil ist der Fall. Diese Klassenform gab es schon in Steinbergen und man hat sie hier niemals abgelehnt. Selbst Anke Matthaei vom niedersächsischen Kultusministerium sprach angesichts der Nähe von Krippe, Kindergarten, Grundschule und angrenzendem Schwimmbad von einer Traumkonstellation, die es stärker zu berücksichtigen gelte. Man signalisierte während unseres zweistündigen Gesprächs ein offenes Ohr für unsere Anregungen.“ In einer Informationsbroschüre spricht das Kultusministerium von einem „Weg zum erfolgreichen Lernen“ bei jahrgangsgemischten Eingangsstufen. Ideal für den Standort Steinbergen, so die Bürgerinitiative. Gleichzeitig fragt man sich aber, wieso Arbeit und Geld für eine Konzeptentwicklung investiert werden und dann in den einzelnen Schulen, wie hier in Steinbergen, nichts davon ankommt.

Von links: Sascha Gomolzig, Astrid Schulz (beide Elternvertreter des Kindergartens), Markus Ott (Mitglied des Schulvorstandes und des Fördervereins der Grundschule), Sabrina Lülf (Mutter) und Jens Wienecke (Vertreter der BISIS)

Die Schüler aus Deckbergen wieder nach Steinbergen zu holen – das Thema hat seitens der BISIS gar nicht mehr oberste Priorität. Viele Eltern, so heißt es, möchten ein Auseinanderreißen der bestehenden Klassengemeinschaften und entstandenen Freundschaften nicht riskieren und würden für die Weiterbeschulung in Deckbergen stimmen. Doch wenn im kommenden Schuljahr keine erste Klasse mehr in Steinbergen eingeschult wird, ist der Standort endgültig Geschichte, befürchtet man. Und noch etwas bereitet den Elternvertretern Kopfschmerzen. Am 12. Januar fand auf Einladung der Schulleiterin Claudia Buschke aus Deckbergen ein großes Treffen mit den Ortsräten Steinbergen, Deckbergen, Schaumburg, Engern, Ahe und Westendorf statt. Dabei ging es um die zukünftige Klassenbildung auf Grundlage der städtischen Prognose zur Entwicklung der Schülerzahlen (öffentlich HIER einsehbar). Das Konzept der Schulleitung sieht vor, dass weiterhin alle Schüler in Deckbergen zur Schule gehen sollen. Das „Führen einer Außenstelle“ sei demnach „für das gesamte Kollegium eine besondere Belastung“, heißt es darin, „insbesondere durch Aufsichten, im Bereich der Kommunikation, bei er pädagogischen Abstimmung und durch häufige Standortwechsel.“ „Im Klartext bedeutet das, für die Schulleitung kommt der Standort Steinbergen gar nicht mehr in Frage.“, so Gomolzig, der selbst Ortsratsmitglied in Steinbergen ist. Jens Wienecke ist sich sicher: „So ist es für die Lehrkräfte einfach bequemer. Die Kinder kommen und gehen mit dem Bus, man muss sich um nichts mehr kümmern. Der Nachwuchs in Steinbergen ist seit Jahren stabil, man könnte hier permanent 50 Kinder in der Schule haben. Der Kindergarten hat genug Zulauf, doch die Stadt Rinteln versteckt sich lieber hinter der Ansicht, die Schulleitung müsse letztlich über die Beschulung entscheiden.“

Dabei ärgert den Familienvater, dass die vertraglich vereinbarte und gesetzlich vorgeschriebene Kooperation zwischen dem Kindergarten in Steinbergen und der Grundschule Deckbergen inzwischen auf Null heruntergefahren wurde: „Im aktuellen Schuljahr sind die Kita-Kinder nicht ein einziges Mal in der Grundschule zu Besuch gewesen. Der Kooperationskalender sieht unter anderem ein gemeinsames Singen von Weihnachtsliedern und weitere Ereignisse vor. Davon hat nichts stattgefunden. Dabei ist die Zusammenarbeit die Grundlage für den jahrgangsübergreifenden Unterricht. Kinder müssen doch wissen, was in der Schule auf sie zukommt. Alles, was bisher gemeinsam unternommen wurde, geschieht auf Initiative der Eltern.“ Und Gomolzig ergänzt: „Von Seiten der Schulleitung heißt es nur lapidar, die Kooperation mit Steinbergen gestalte sich aufgrund der Entfernung schwierig und wenn vom Kindergarten keinerlei Signale zu vernehmen seien, gehe man von fehlendem Interesse aus.“

Wienecke, Gomolzig, wie auch Astrid Schulz, Elternvertreterin des Kindergartens, Schulvorstandsmitglied Markus Ott und Sabrina Lülf bedauern, dass den Kindern durch das Abhängen des Schulstandortes Steinbergen auch ein Stück Heimatgefühl genommen wird: „Jeden Monat hat der Wanderwart des TSV Steinbergen, Karl-Martin Pacholek, die Schüler mit auf eine Erkundung durch die heimische Umgebung geführt. Dabei konnten sie das eigene Dorf und die Landschaft mit Tieren und Pflanzen kennenlernen. All das ist jetzt komplett weggebrochen.“ Und Sabrina Lülf, deren Kind in diesem Jahr eingeschult werden soll, ergänzt etwas traurig: „Ich habe immer die Hoffnung gehabt, dass mein Kind wohlbehütet von Krippe, Kindergarten und Schule hier in Steinbergen aufwächst. Jetzt wissen wir überhaupt nicht, wie es zur Einschulung am 5. August weitergeht.“ Sie hat zusammen mit Astrid Schulz einen Leserbrief an die Tageszeitung geschickt, in der Hoffnung, dass die Eltern das Kreuz an der richtigen Stelle setzen und appelliert genau wie die Bürgerinitiative an Politik und Gremien, sich für den Fortbestand der Schule einzusetzen. Damit „Kurze Beine, kurze Wege“ in Steinbergen nicht nur ein leeres Versprechen bleibt.

Lesen Sie mehr zu den Anfängen des Themas „Grundschulstandort in Steinbergen in Gefahr“: KLICK

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