Das Online News-Magazin für Rinteln und die Umgebung.

„Seelische Stärke ist nicht angeboren“: Kinderschutzbund feiert Teenie-Jubiläum und Tag der offenen Tür

Premium Banner 1a
Premium Banner 1a

(Rinteln/Exten) „Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert Gesundheit anders, als man meinen möchte. Für sie ist dies der höchstmögliche Zustand an Wohlbefinden auf körperlicher, psychischer und sozialer Ebene – und nicht nur das Fehlen von Krankheiten.“ Psychologin Anne-Marie Zimmermann erinnerte in den Grußworten anlässlich des Jubiläumsfestes des Kinderschutzbundes in Exten an die Herausforderungen auf körperlicher und geistiger Ebene, mit denen sich Kinder und Jugendliche im Laufe des Heranwachsens konfrontiert sehen.

Psychologin Anne-Marie Zimmermann

Sie müssen sich den Anforderungen des Lebens stellen, dazu gehört die körperliche Entwicklung und das Erreichen eines Schulabschlusses. Aber sie müssen auch auf ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse eingehen, so Zimmermann. Das kann der Sport sein, oder das Spiel an der Konsole. Wichtig sei das Gleichgewicht, mit dem dies geschehe. Dazu gehöre auch eine liebevolle Bezugsperson, die Hilfe, Sicherheit und Geborgenheit biete. Dies müssten nicht die eigenen Eltern sein: „Seelische Stärke ist nicht angeboren.“ So lässt sich vielleicht auch der große Anklang erklären, den die beiden Projekte des Kinderschutzbundes Rinteln, „Teenie-Coaches“ und „Wellenreiter“, finden.

Die Vorsitzende des Kinderschutzbundes, Petra Rabbe-Hartinger (li.) und Bürgermeister Thomas Priemer.

Die Begleitung von Teenagern ab 12 Jahren durch einen ehrenamtlichen, geschulten Erwachsenen ist im Jahr 2014 gestartet, wie die Vorsitzende des Kinderschutzbundes, Petra Rabbe-Hartinger, zum Auftakt der Feierlichkeiten auf dem Bauwagengrundstück in Exten berichtete. Nachdem man in 2013 ein ausgearbeitetes Konzept zur Unterstützung durch die Aktion Mensch einreichte und dies abgelehnt worden war, entschied man sich aus Überzeugung, es mit dem Projekt im Kleinen zu versuchen. Nach Gesprächen mit Jugendamt und Stadtverwaltung und dem Land Niedersachsen startete das Vorhaben auf einem Grundstück, dass die Firma riha WeserGold an der Behrensstraße, direkt am Ortseingang zu Exten, zur Verfügung stellte. Im Laufe der Zeit kamen Bauwagen hinzu, derzeit sind es vier Stück, sowie eine Hütte und aktuell ein Unterstand, um auch bei schlechtem Wetter Zeit im Freien verbringen zu können. Hier verbringen die Teenies Zeit miteinander, lernen, Verantwortung zu übernehmen und Probleme zu lösen, aus denen sie gestärkt hervorgehen.

Für das Kinderschutzbund-Team gab es Rosen zum Dankeschön.

Doch es sei auch eine Menge an Arbeit, die das Team „wuppen“ müsse, so Rabbe-Hartinger. Räume wurden gesucht, neue Mitarbeiter eingestellt, ein Auto gekauft, Küchenräume und Einrichtungsgegenstände organisiert. Im Herbst bekämen Susanne Meyer, Frederike Pahne und Albrecht Schäffer und die beiden Minijobber nun Verstärkung, hieß es. Allerdings sei es bisher nicht gelungen, neue ehrenamtliche Coaches für Teenager zu finden. Auch hier will man im Herbst noch einmal die Initiative ergreifen und an die Öffentlichkeit gehen.

Einige der Jugendlichen nutzten die Gelegenheit und lobten aus ihrer Sicht der Dinge die jahrelange Zusammenarbeit und Fortschritte, die sie während der Projektdauer gemacht hätten. Unvergessene Freizeiterlebnisse, aber auch der Umgang mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen von Kindern und Eltern – ein Zentralthema des Projekts „Wellenreiter“, das jetzt einjähriges Bestehen feiert – hat die jungen Menschen gestärkt und Selbstbewusstsein aufgebaut, war zu erfahren. „Die Krankheit hat sich selbst entwickelt, daran haben Kinder und Eltern keine Schuld“, so eine Teilnehmerin.

Bürgermeister Thomas Priemer sprach Worte drückte seine Anerkennung gegenüber dem Kinderschutzbund und dessen verantwortungsbewusstem Team aus ehrenamtlich tätigen und fest angestellten Mitarbeitern aus. Der Verein feiere erfolgreiche und nachhaltige Projekte, so Priemer, die Defizite in der Gesellschaft erkennen und sich darum kümmern würden und dafür sorgen, dass Teenies ihr Leben in geordnete Bahnen führen würden. Bei Essen, Trinken und Teilnahmemöglichkeiten am Aktiv-Parcours auf dem naturverbundenen Bauwagengelände nebst Besichtigungsmöglichkeiten der „Wellenreiter“-Räume in der Klosterstraße klang der Jubiläums-Nachmittag schließlich aus.

Related posts