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Stunde der Gartenvögel: Über 3,1 Millionen Exemplare gezählt

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(Landkreis) Das Endergebnis der diesjährigen „Stunde der Gartenvögel“ beeindruckt erneut mit einer hohen Teilnahmezahl:

Exakt 1213 Vogelfreunde haben in den vier Landkreisen vom 13. bis 16. Mai an der großen wissenschaftlichen Mitmachaktion von NABU und LBV teilgenommen. In den Landkreisen Schaumburg wurden 6468 Vögel gezählt, in Hameln-Pyrmont 7297, in Holzminden 2875 und in Hildesheim 13047 Vögel. Bundesweit haben sich mehr als 140.000 Menschen beteiligt, insgesamt wurden über 3,1 Millionen Vögel gezählt. Der NABU bedankt sich bei allen Teilnehmern.

Endergebnis

Trotz Regen und Fröstel-Temperaturen am langen Wochenende des Aktionszeitraums haben sich unzählige Naturfreunde kaum abschrecken lassen. Zählungen aus über 95.000 Gärten zeigen: Die Meisen zeigen sich vom schlechten Vorjahr deutlich erholt. Mit Ausnahme von Schwalben und Seglern konnten die meisten der Gartenvögel ihr Niveau halten oder leicht verbessern. Besonders stark nahm der Stieglitz zu. „Nach der Rekord-Teilnahme während des ersten Lockdowns im vergangenen Jahr ist die Teilnehmendenzahl auf hohem Niveau geblieben. Das freut uns in der Regionalgeschäftsstelle Weserbergland sehr“, sagt die Leiterin, Britta Raabe. Offenbar hat die Corona-Krise hat bei vielen Menschen die Sicht auf viele Dinge verändert. „Für die Natur ist es gut, wenn ein gewachsenes Interesse und die Freude an der Vielfalt vor der Haustür dazugehören.“

Amsel weiter stark – mehr Vögel je Garten

Das wechselhafte und kühle Wetter im Aktionszeitraum macht den Vögeln wenig aus, einige Arten profitieren sogar. Etwa die Amsel, sie kommt bei feuchtem Wetter viel besser an ihre Leibspeise: Regenwürmer. Der schwarze Vogel belegt nach dem Haussperling Platz zwei der am häufigsten gemeldeten Gartenvögel, wie bisher in jedem Jahr seit dem Beginn der Aktion 2005. Dabei ist er auch der zuverlässigste Gartenbesucher und konnte in über 92 Prozent aller Zählungen entdeckt werden. Der erstmals öffentlich gewählte Vogel des Jahres, das Rotkehlchen, fliegt auf Platz neun und erzielt damit – möglicherweise kraft Amtsbonus ­– seine bisher beste Platzierung.

Insgesamt konnten pro Garten mit knapp 33 Individuen von leicht über 11 unterschiedlichen Arten wieder deutlich mehr Vögel als im Vorjahr entdeckt werden. Während die Gesamtzahl der Vögel im Siedlungsraum im Gegensatz zu den Beständen in der Agrarlandschaft damit weiterhin weitgehend konstant bleibt, gibt es doch für viele Vogelarten besorgniserregende Entwicklungen: So verharren die Sorgenkinder Mauersegler, Mehlschwalbe, Zaunkönig, Hausrotschwanz und Mönchsgrasmücke auf Höhe der schlechten Ergebnisse aus den Vorjahren. Sie sind ausschließlich von Insekten lebende Vogelarten. Die beste Hilfe für unsere gefiederten Sorgenkinder ist eine Gartengestaltung, die Insekten zum Wohlfühlen einlädt: Heimische Laubgehölze pflanzen und Ecken mit Wildpflanzen anlegen.

Blaumeise wieder erholt

Mit Spannung erwartet wurden die Zählergebnisse der Blaumeise. Bei der kleinen Meise mit dem blauen Köpfchen hatte im Frühjahr 2020 ein bakterieller Erreger namens Suttonella ornithocola erstmals zu einem Massensterben in vielen Teilen Deutschlands geführt. Dort, wo es grassierte, hatten die Sichtungen bei der Vorjahreszählung deutlich abgenommen, wie eine Analyse nach Postleitzahlen zeigen konnte. Eine Welle verstorbener Blaumeisen war zwar auch in diesem Frühjahr wieder festzustellen, sie war jedoch deutlich kleiner. Die Blaumeise hat sich vom Einbruch im vergangenen Jahr gut erholt, auch wenn sie ihren normalen Durchschnittswert nicht erreichte. Offenbar konnten erfolgreiche Bruten die Verluste weitgehend ausgleichen.

Hausrotschwanz im Sinkflug – Stieglitz im Aufwind

Interessant sind auch die Ergebnisse bei den beiden Rotschwanzarten. Der eigentlich viel häufigere Hausrotschwanz nimmt seit vielen Jahren kontinuierlich ab. Inzwischen wird im Vergleich zum Beginn der Aktion vor 16 Jahren nur noch die Hälfte an Vögeln seiner Art gemeldet. Vermutlich leidet er als Gebäudebrüter am Verlust von möglichen Brutnischen und als Insektenfresser an fehlender Nahrung. Der seltenere Gartenrotschwanz hält sich dagegen stabil.

Positiv entwickeln sich weiterhin die Gartenbestände von eigentlichen Waldvögeln wie Ringeltaube und Buntspecht. Ein besonderer Gewinner der aktuellen Zählung ist offensichtlich der Stieglitz. Die gemeldeten Zahlen dieses farbenfrohen Finkenvogels machten einen Sprung: In diesem Jahr konnte er in 16 Prozent aller Gärten mit 0,43 Vögeln pro Garten entdeckt werden. Beide Werte sind doppelt so hoch wie noch zu Beginn der Zählungen. Die Besonderheit dieser Art ist, dass er als einer von ganz wenigen Singvögeln seine Jungen nicht mit Insekten, sondern vegetarisch ernährt. Apropos Vegetarier – Langfristig deutliche Zunahmen zeigen dagegen einige Vegetarier, darunter Ringeltauben, Stieglitz, Gimpel und Kernbeißer.

Die Vogelschutzexperten des NABU haben die Rohdaten der Zählung nun analysiert und statistische Korrekturen vorgenommen.

Bundesweit konnten pro Garten knapp 33 Vögel von 11,4 unterschiedlichen Arten entdeckt werden. Das sind deutlich mehr als im Vorjahr, in dem mit nur gut 30 Vögeln der bisher niedrigste Wert ermittelt wurde. Insgesamt erweist sich der Vogelbestand in Deutschlands Dörfern und Städten seit Beginn der Zählungen im Jahr 2005 als weitgehend stabil. Dennoch gibt es unter den 66 am häufigsten beobachteten Arten ein leichtes Übergewicht deutlich abnehmender Arten: 20 Arten mit sinkenden Beständen stehen 16 Arten mit zunehmenden und 30 Arten mit stabilen Zahlen gegenüber. Unter den größten Verlierern finden sich mit Mauersegler, Mehlschwalbe, Trauerschnäpper und Grauschnäpper auffallend viele Fluginsektenjäger. Mit Hausrotschwanz, Mönchsgrasmücke, Zaunkönig, Zilpzalp, Kuckuck, Nachtigall und Klappergrasmücke sind weitere ausschließlich von Insekten lebende Vogelarten dabei. Langfristig deutliche Zunahmen zeigen dagegen einige Vegetarier, darunter Ringeltauben, Stieglitz, Gimpel und Kernbeißer. Andrea Pohlen dazu: „Nicht umsonst rufen wir regelmäßig dazu auf, den eigenen Garten möglichst naturnah zu gestalten, damit sich Insekten dort wohlfühlen und Gartenvögel ausreichend Nahrung vorfinden. Es empfiehlt sich, heimische Laubgehölze zu pflanzen, Ecken mit Wildpflanzen anzulegen und selbstverständlich auf Umweltgifte zu verzichten.“

Wie auch in den vergangenen Jahren, liegen auf den ersten beiden Plätzen in unserer Region Haussperling (6,95 Tiere pro Garten) und Amsel (3,31).

Ein Rotkehlchen. (Archivfoto)

Der Feldsperling muss jedoch seinen dritten Platz an die Kohlmeise (2,78) abgeben und fällt damit auf Platz vier. Platz fünf geht erneut an den Star (2,69). Die besonders aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg gemeldeten Funde von erkrankten und verstorbenen Blaumeisen, spiegeln sich nur leicht in den Ergebnissen wieder. Im Vorjahr hatte die Art in Deutschland durch das Bakterium Suttonella ornithocola Verluste verzeichnen müssen. In diesem Jahr scheint es sich jedoch nur um regionale Ausbrüche zu handeln. Der erstmals öffentlich gewählte Vogel des Jahres, das Rotkehlchen, fliegt landes- und bundesweit auf Platz neun und erzielt damit – möglicherweise kraft Amtsbonus – seine bisher beste Platzierung. (pr)

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