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Tausend Worte sagen mehr als ein Bild: 5. Poetry Slam im Gymnasium Ernestinum

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Es ist nie zu früh, um mit dem „Slammen“ anzufangen. Und so machte die 12-jährige Lina-Maria Steiner aus der 6. Klasse den Auftakt zu dem diesjährigen, 5. Poetry Slam im Gymnasium Ernestinum. Außer Konkurrenz und Wertung stimmte sie das Publikum auf die mehrstündige „Schlacht der Worte“ ein. Mit 13 Teilnehmern, überwiegend von weiblichen Texterinnen besetzt, war es ein kunterbunter Blumenstrauß der Gedichte, Gedanken und Verse, die den rund 150 Zuschauern und Gästen im Forum des Ernestinums wortwörtlich „um die Ohren“ gehauen wurden.

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Die Moderation übernahm auch dieses Mal wieder der „Papst der Poeten“, der 1981 geborene Hannoveraner Tobias Kunze. Mit locker-flotter Moderation führe Kunze durchs Programm und blühte regelrecht auf, als er vor dem Pausenblock aus den vier vom Publikum vorgeschlagenen Schlagwörtern „Schokolade, U-Boot, Einhorn und Heavy Metal“ einen mehr als sechsminütigen Slam hinlegte, der sich gewaschen hatte.

Poetry-Slam Profi Tobias Kunze mit einem Spontan-Slam zur Pause:

Die Beiträge der Teilnehmer reichten von den Themen „Mobbing“, „dem Sinn des Lebens“ bis zu einer „Revolution“ gegen gradlinigen Buchsbaumschnitt, Herr Knigge und dem System, zu der Lucas Golding aufrief und sich prompt einen messerscharfen Kommentar von Tobias Kunze einhandelte: „Wohlfrisierte Karohemdenträger fordern also Punkrock und eine Revolution“.

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Lucas Golding rief zur Revolution auf.

Das Publikum jubelte, die Wertungsrichter honorierten den Beitrag mit 91 von 100 möglichen Punkten. Abgestimmt wurde von vorher zufällig ausgewählten Zuschauern mittels Benotungskarten von 1 bis 10. Um Extrembewertungen und Sympathiepunkte auszuschließen, strich Kunze bei jeder Punktevergabe die jeweils niedrigste und höchste Punktzahl.

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Außer Konkurrenz: Gideon Kupper hielt die Menge nach der Pause in Atem – indem er einfach nicht zur Sache kommen wollte.

Der wohl polarisierendste Beitrag des Abends kam von Florian, der sich in einem satirischen Slam über die kleinen Alltagsbeobachtungen beim Einkaufen ausließ und einkaufende Rentner, osteuropäische Metzger mit Gesichtsbehaarung sowie Fertigprodukte mit zweifelhaften Zutaten durch den Kakao zog.

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Maija klagte das Schulsystem und die Schule an sich an. Sechs Jahre Deutsch lernen und dabei nur drei Autoren behandeln, Smartboards, die alles andere als smart sind, ein lahmes Schul-Internet, die Schule als chronisch unterfinanziertes Gefängnis. Doch die Erkenntnis folgte auf dem Fuße: „Je schlauer wir werden, desto mehr können wir über die Dummen lachen“.

Am lautesten Lachen konnte am Ende Laura Erkel. Die Vorjahresgewinnerin lieferte auch dieses Jahr wieder einen eindrucksvollen Slam ab, in dem sie ihre Traurigkeit über eine verflossene Beziehung bei einem Tag am Meer erfolgreich verarbeitete. Das Glas war für sie „endlich wieder halb voll, nicht mehr halb leer“ und schlussfolgerte ihre Achterbahn der Gefühle mit „ich brauch Dich nicht mehr“.

Laura Erkel entschied den 5. Poetry Slam im Ernestinum für sich. (Foto: privat)
Laura Erkel entschied den 5. Poetry Slam im Ernestinum für sich. (Foto: privat)

Das Publikum fand großen Gefallen und honorierte ihren Beitrag mit stolzen 96 Punkten. Das bedeutete den Sieg für Laura. Auf Platz Zwei kamen mit jeweils 91 Punkten Natalie Ochoki und Vicky Flentge als Duo sowie Lucas Golding. Den dritten Platz belegte Maija Groth mit 87 Punkten. Und trotz Top 3: Sieger waren an diesem Abend eigentlich alle Teilnehmer.

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