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Texte nach dem Reinheitsgebot: 4. Poetry Slam im Rintelner Gymnasium Ernestnium

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Nachdem der Poetry Slam am Ernestinum Rinteln im vergangenen Jahr fußballbedingt „unter Beschuss“ geraten war, konnten sich die „Slammer“ zur diesjährigen Veranstaltung voll und ganz auf ihre „wortgewaltiges Tontaubenschießen“ konzentrieren.

Moderator Tobias Kunze, der selbst um kein Wort verlegen war und in lockerer und wortreicher Atmosphäre durch den Abend führte, nahm die Zuschauer aus der Ferne „an die Hand“ und erklärte das Punktesystem.

12 zufällig ausgewählte Zuschauer bekamen Punktekarten von 1 bis 10, nach jedem Beitrag konnte bewertet werden. Ausreißer-Noten, also die jeweils beste und schlechteste Einzelwertung, kappte Kunze aus Gründen der Fairness.

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„Das Sweatshirt kam bei einem Auftritt in Belgien nicht so gut an“, gab Moderator Tobias Kunze zu.

12 Teilnehmer standen dieses Mal auf der Bühne und trugen ihre wortgewaltigen Texte zum Besten. Die Themen hätten nicht unterschiedlicher sein können und zeigten eindrucksvoll, wie unterschiedlich – und interessant – die Sicht der Schüler auf das Leben und die Schule sein kann. So reichte das Spektrum der Wortbeiträge von Anna-Lenas „Traumprinzen zum Selberbacken“ bis über Kelvins kritische und ironische Selbstreflektion unter dem Motto „Was fange ich bloß mit meiner Zeit an?“.

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Ist das Schulgebäude eine Anstalt und hat der Architekt nach dem Motto „Quadratisch, praktisch, gut“ geplant? Liegt der wahre Wert des Lebens in der Überlagerung von Sinuskurven und ist das schulinterne Netzwerk „iServ“ in Wahrheit ein Stasi-Bespitzelungssystem in blau? Fragen über Fragen, denen auch ein Apnoetaucher in einer Ritterrüstung wahrscheinlich nur ein metallisches Achselzucken entgegenzusetzen hat. Doch „Grillen kann man ganztags“ und sei es mit Drachenbabys, in Schraubstöcken eingespannt – zur Not auch auf Fichtenholz flambiertes Frauenfleisch, wie einer der Teilnehmer seine lyrische Gratwanderung zwischen Fantasie und Alptraum beschrieb.

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Wer mit alldem nichts anzufangen weiß, dem sei ein Besuch des „Poetry Slam“-Events im Gymnasium Ernestinum ans Herz gelegt. Organisatorin Kristina Rehr wird mit Sicherheit auch im Folgejahr wieder mit ihrer Slam AG in die Tasten hauen. Oder Stifte kauen. Oder fingernägel kauend mit Stiften auf Tasten drücken. Das Thema steckt an, das lyrische Werfen mit Worten macht Lust auf mehr. Moderator Tobias Kunze hat schon seit Jahren aus seinem Hobby einen Beruf gemacht. „Beim Slammen geht es viel um Inhalt und Präsentation“, weiß er. Anfangs wurde – wie bei vielen Trends – zuerst in den USA geslammt, dann schlug das Thema so große Wellen, dass sie über den großen Teich schlugen und in Europa landeten. „Der WDR“, so Kunze, „hat das Phänomen 2004 aufgegriffen, danach verbreitete es sich deutschlandweit.“ Auch der Nachwuchs ist angesteckt, außerhalb der Wertung „slammten“ Vivien und Sophie das Publikum auf den richtigen kurs. Kurse gibt Kunze übrigens international: „Ich war schon zu Workshops in Malawi, Rumänien, Österreich und der Schweiz eingeladen.“ Und das krasseste Erlebnis? „War ein Lehrgang an einer französischen Schule. In Spanien.“ Und wie habt Ihr Euch verständigt? „Auf Deutsch!“ Na dann 😉

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