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Verkehrswegeplan: Keine Gütertrasse durchs Weserbergland, dafür Planung von Ortsumgehungen für B83 und B238

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Der Entwurf zum Bundesverkehrswegeplan 2030 ist veröffentlicht. Auch in Rinteln und der Region hat man lange auf diesen Tag gewartet und um den Inhalt gebangt und gehofft. Jetzt wurde der Inhalt bekannt: Für Rinteln ein „Jackpot“.

Bürgerinitiativen haben sich im Vorfeld dafür stark gemacht, dass Projekte entweder möglichst nicht aufgenommen werden, oder für deren Umsetzung gekämpft. Alle erinnern sich an die Protestveranstaltung auf dem Rintelner Marktplatz, bei der hunderte Luftballons mit Hoffnungen gen Himmel losgelassen wurden. Ziel war es, den „Planfall 33“, die Güterbahntrasse durchs Weserbergland zu verhindern. Das ist geglückt. Die Bahnstrecke, die Rinteln und viele Anrainerkommunen zu teilen drohte, war Anfang Dezember 2014 von der WGS in einer Ratssitzung thematisiert worden.

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Der Stadtrat beraumte nach einer Rede von Ratsmitglied Heinrich Sasse (WGS) eine Sondersitzung am 17.12.2014 ein. Sasse forderte eine Raumwiderstandsanalyse und so selten wie nie zogen alle politischen Mitglieder und Gremien an einem Strang. Es wurden Unterschriftenlisten gesammelt und im Bundestag übergeben, kommunenübergreifende Bürgerinitiativen gegründet, es fand eine Infoveranstaltung im Brückentorsaal zu dem Thema statt – und die erwähnte Protestkundgebung auf dem Marktplatz.

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Die Freude über den Wegfall der Güterbahntrasse „Löhne-Elze“ (plakativ auch „Radau-Trasse“ genannt) hallte gestern durch zahlreiche Veranstaltungen. So machte Rintelns Bürgermeister Thomas Priemer keinen Hehl aus seiner Erleichterung, als er bei der Eröffnung der neuen „Rathausgalerie“ eine kleine Rede hielt. Auch zu Beginn der VTR-Jahreshauptversammlung ließen es sich VTR-Vorsitzender Karl-Heinz Frühmark und Rintelns Ortsbürgermeister Friedrich-Wilhelm Rauch nicht nehmen, ihre Freude über die soeben verkündeten Neuigkeiten an die Vereinsmitglieder weiterzugeben. Hans-Ulrich Peschka, Bürgermeister von Coppenbrügge, bedankte sich bei einem Rundschreiben per E-Mail an alle Beteiligten für die Initiative schlug eine Bahnparty vor. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Maik Beermann meldete sich aus Berlin zu Wort: „Auch wenn es sich erst um einen Entwurf handelt, an den sich ab kommenden Montag noch das Öffentlichkeitsverfahren anschließen wird, so ist bereits jetzt klar, dass wir in Schaumburg in Zukunft viele wichtige Verkehrsprojekte zielgerichtet angehen und in den kommenden 10 bis 15 Jahren umsetzen können.“

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Die Bürgerinitiative „BIOS“ freut sich über die guten Nachrichten aus Berlin: Staus in Steinbergen könnten so in ferner Zukunft der Vergangenheit angehören.

Angesichts des Wegfallens der Gütertrasse durchs Weserbergland dankte er allen Beteiligten für die konstruktive Arbeit: „Der aktive und unermüdliche Einsatz der Bürgerinnen und Bürger, das Wirken der Initiativen und die Expertise der Kommunen im Schaumburger Land haben hier zum Erfolg geführt.“

Überraschend neu hinzu gekommen ist der vierspurige Ausbau der Bahnstrecke Hannover-Bielefeld. Das Projekt wurde überraschend in den vordringlichen Bedarf gehoben. „Hier müssen die Kommunen und Menschen vor Ort prüfen, ob sie mit dieser Einstufung einverstanden sind“, erläutert Beermann und erklärte seine Bereitschaft zu Gesprächen und zur generellen Unterstützung.

Insgesamt sollen in den kommenden 15 Jahren 264 Milliarden Euro in Verkehrsprojekte zu Wasser, auf der Schiene und den Straßen investiert werden. Für Rinteln spielen neben dem Wegfall der Güterbahntrasse auch die Umgehungsstraßen eine große Rolle. Allen voran schafften es die durch die Bürgerinitiative „BIOS“ geforderten Ortsumgehungen für Steinbergen in den vordringlichen Bedarf. Eine „Troglösung“ für die B 238, die sich im Bereich der „Grafensteiner Höhe“ ihren Weg an Steinbergen vorbei durch den Berghang bahnt und dann in Autobahnnähe wieder hervortritt. Das Nutzen-Kosten Verhältnis dieser Baumaßnahme wird mit 4,5 bewertet. Die Investitionen betragen hier rund 16,1 Millionen Euro.

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Ein deutlich höheres Nutzen-Kosten Verhältnis besitzt die zweite Steinberger Ortsumgehung, nämlich die der B83. Mit zehn Punkten und einer Länge von 2,1 Kilometern scheint deren Umsetzung als erste wahrscheinlich. Bei veranschlagten Investitionskosten von rund 9,1 Millionen Euro ist jedoch auch noch keine Planung erfolgt.

Hier sind alle vier Umgehungs-Projekte in der Kurzübersicht aufgeführt:

Ortsumgehung Möllenbeck (B 238), im 2-spurigen Neubau, Länge 1,8 km, Gesamtkosten 7,7 Mio Euro, Planungsstand „ohne Planungsbeginn“, Vordringlicher Bedarf, Nutzen/Kosten-Verhältnis 4,5, städtebauliche Beurteilung hoch.

Ortsumgehung Steinbergen (B 238), Bauziel ist ein 2-, bzw. 4-spuriger Neubau, Länge 1,5 km, Gesamtkosten 16,1 Mio Euro, Planungsstand OP, Vordringlicher Bedarf, Nutzen/Kosten-Verhältnis 4,5, städtebauliche Beurteilung hoch, naturschutzfachliche Beurteilung hoch.

Ortsumgehung Steinbergen (B 83), Bauziel 2-spurig, Länge 2,1 km, Gesamtkosten 9,1 Mio Euro, Planungsstand OP, Vordringlicher Bedarf, Nutzen/Kosten-Verhältnis >10, städtebauliche Beurteilung hoch.

Ortsumgehung Deckbergen (B 83), Bauziel 2-spurig, Länge 4,3 km, Gesamtkosten 4,3 Mio Euro, Planungsstand OP, Weiterer Bedarf, Nutzen/Kosten-Verhältnis 1,8, eine städtebauliche Beurteilung steht aus.

Trotz aller Freude: Die Aufnahme der Projekte in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 bedeutet noch nicht deren sofortige Umsetzung. Aber man ist dieser jetzt schon ein großes Stück näher gekommen. Jetzt liegt es an den politischen Vertretern, sich auch weiterhin für die Planung, Finanzierung und den Bau der Maßnahmen stark zu machen.

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