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Viren reduzieren – aber wie? Schulausschuss berät über Luftreinigung

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(Rinteln) Mit dem Thema Lüftungsanlagen und Hygieneschutz in Rintelner Grundschulen beschäftigte sich jetzt auch der Schulausschuss in seiner jüngsten Sitzung. Die online per „Zoom“-Konferenz zugeschalteten Mitglieder befassten sich mit dem Antrag der WGS-Fraktion im Rat vom 25.11.2020, dem Antrag der CDU-Fraktion im Rat vom 15.12.2020, sowie dem Antrag des Ortsrats Möllenbeck vom 28.12.2020.

In ihrer Beschlussvorlage hat die Stadtverwaltung eingehend die Situation an den Schulen erläutert. Bisher wurden Spuckschutzwände, Mund-Nasen-Bedeckungen und CO2-Ampeln im Wert von rund 14.000 Euro gekauft. Die Frage nach der Anschaffung mobiler Luftreinigungsgeräte ließ sich aktuell allerdings nicht beantworten.

Sogenannte „Spuckschutzscheiben“ sind von der Stadt für die Grundschulen gekauft worden.

Kritik an den Ausführungen der Verwaltung gab es von Prof. Dr. Gert Armin Neuhäuser (WGS). Die vorliegende Kalkulation in Höhe von 3.500 Euro Anschaffungskosten pro Gerät (284.000 Euro insgesamt) sei künstlich hochgerechnet, für Differenzierungsräume und Büros würde klassisches Lüften ausreichen, statt 81 würden nur 69 Geräte benötigt und die Kosten pro Gerät seien mit 2.000 Euro realistisch. Macht laut Neuhäusers Rechnung 138.00 Euro. Obendrein mochte er die Argumentation über Installationskosten nicht nachvollziehen („da steckt man einen Stecker in die Steckdose, fertig“) und hegte die Vermutung, dass es an der Bereitschaft zum schnellen Handeln fehlen könnte.

Bürgermeister Thomas Priemer stellte klar, es gehe der Stadt nicht ums Geld und um eine Preisdiskussion sondern um eine sachgerechte Entscheidung, bei der das Wohl der Grundschüler im Vordergrund stehe. Weiterhin gebe es auch von Seiten des Niedersächsischen Städtetages Zweifel am Nutzen der Geräte. Baudezernent Stefan Eggert-Edeler erinnerte an große Unterschiede der Geräte in puncto Geräuschkulisse und Leistung. Bezüglich des Luftwechselvolumens gebe es keine genauen Vorgaben, möglicherweise müssten pro Raum auch mehrere dieser Luftreiniger angeschafft werden, was die Lautstärke wiederum erhöhen würde. Auch seien bestimmte Vorschriften bezüglich Stolperfallen durch herumliegende Kabel zu beachten.

Überhaupt mangelt es momentan an fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Effektivität mobiler Luftreinigungsgeräte in Klassen mit Schulkindern, so der Einwand von Giuseppe Sposato vom gleichnamigen, beratenden Ingenieurbüro, der als Gast zugeschaltet war. Die Empfehlung: Stoßlüften oder stationäre Lüftungsanlage, mobile Geräte nur als Ergänzung. Ein weiteres Problem: Eine Wartung und Überwachung müsse genau nach Herstellervorgaben erfolgen, damit sichergestellt wird, dass es zu keiner Belastung durch angereicherte Filter kommt. Weiterhin müsse sichergestellt werden, dass Kinder nicht etwa Stifte ins Gerät stecken oder Teile davon öffnen können. Dezentrale Lüftungsanlagen, bei denen die Geräte in eine Öffnung in der Wand gesteckt werden, seien ebenfalls möglich. Doch bauliche Eingriffe in die Statik sind aufwendig, die Planung und Ausschreibung kostet Zeit – nichts, was man spontan umsetzen könnte.

CO2-„Ampeln“ wie diese wurden ebenfalls für Rintelner Grundschulen angeschafft.

Auch Veit Rauch (CDU) sprach sich für eine bestmögliche Lösung im Sinne der Schüler aus, die sich möglicherweise nicht durch eine einzelne Maßnahme umsetzen lasse. Auch sollten seiner Ansicht nach weitere Stellungnahmen von Forschungsinstituten in den Entscheidungsprozess einfließen. Ein Leasingmodell, so Rauch, wäre die vielleicht die bessere Alternative und kostengünstiger, wenn das Thema „Corona-Pandemie“ hoffentlich in ein bis zwei Jahren abgehakt sei und die Geräte nicht mehr benötigt würden.

Carsten Ruhnau (SPD) erinnerte daran, bei einer notwendigen Ausschreibung dürfe man die Kitas nicht ignorieren. Bis diese abgeschlossen sei, wäre es allerdings Mai. Dann wären allerdings die Fenster aufgrund der Temperaturen ohnehin wieder durchgängig geöffnet.

Ein Lösungsvorschlag für die Debatte kam vom Bürgermeister. Da selbst Spitzenverbände momentan wichtige Fragen nicht beantworten könnten, man sich aber sicher sei, dass diese Ergebnisse erst noch vorgestellt werden, könne man zur Zeit nur weiter Vorschläge erarbeiten, die beratungs- und beschlussfähig seien, so Priemer. Für den Einsatz von mobilen Luftreinigern sollen daher neueste wissenschaftliche Erkenntnisse in die Beschlussvorlage einfließen, die von der Verwaltung zeitnah erstellt wird. Ein Konsens, der einstimmige Akzeptanz fand.

Der Schulausschuss tagte per „Zoom“-Onlinekonferenz.

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