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„Was kostet eine zusätzliche Fahrradbrücke über die Weser?“

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(Rinteln) Das Radverkehrskonzept für Rinteln sieht vor, eine längst überfällige Änderung der Straßenverkehrsordnung in die Tat umzusetzen: Mehr Mischverkehr und eine Aufhebung der Pflicht zur Benutzung von Radwegen, wo dies möglich ist. Darüber wurde bereits ausführlich berichtet.

Die Reaktionen in der Öffentlichkeit: Zurückhaltend und eher gemischt. Auch die heimische Politik hat mit Einzelheiten des Konzepts und seinen 60 Maßnahmen, erarbeitet von Dipl.-Ing. Reiner Dargel und der Planungsgemeinschaft PGV aus Hannover, offensichtlich Bauchschmerzen.

Dreh- und Angelpunkt der Bedenken, die auch die Diskussion im Ortsrat prägten: Die Weserbrücke. Kurz zur Erinnerung: Der kombinierte Geh- und Radweg ist zu schmal, das Brückengeländer ist zu niedrig, eine Erhöhung wegen des Denkmalschutzes nicht möglich. Die Lösung laut Konzept: Radfahrer sollen runter vom gemeinsamen Weg, rauf auf die Fahrbahn. Dazu Tempo 30 – auf einer Landesstraße, die über die Weserbrücke führt, eine Besonderheit. Eine Lösung, die im Übrigen auch mit der zuständigen Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr so besprochen ist.

Bei Gegenverkehr kein Überholen von Fahrradfahrern möglich: Laut Radwegekonzept soll auf der Weserbrücke Tempo 30 gelten. (Archivfoto)

Was wäre wenn?

Gunnar Dubiel (CDU) sprach aus, was viele wohl gedacht haben dürften. Was wäre, wenn man den Radverkehr über eine zusätzliche Brücke führen würde, so wie das in Minden mit der Glacisbrücke der Fall ist? Dubiel sah großes Gefährdungspotenzial, gerade zu Stoßzeiten, wenn sich der Verkehr über die Weserbrücke ballt. Dann fährt ein Gemisch aus Autos, Bussen, LKW, Traktoren – und jetzt auch noch Radfahrern? Überholen dürfte angesichts des nicht einzuhaltenden Mindestabstands nicht möglich sein. Weitere Schilder dürften das Problem kaum lösen. Und ob sich die Verkehrsteilnehmer an das Tempolimit halten? „Ich sage voraus, die Geduld der Autofahrer dürfte endlich sein“, wagte sich Prof. Dr. Gert Armin Neuhäuser aufs Parkett, „wird die Polizei die Einhaltung der Maßnahmen konsequent überwachen? Am liebsten wären mir zwei Blitzer auf der Weserbrücke.“

Matthias Wehrung (CDU) unterstrich seine bereits geäußerten Bedenken: Das neue Konzept nehme bewusst Radfahrer in den Fokus. Schwierig werde es jedoch, wenn Radler vom Bürgersteig „verbannt“ und in den bislang dominierenden Autoverkehr gezwungen werden. Angesichts der hohen Gehwegkante drohen seiner Ansicht nach Stürze, wenn diese versehentlich mit dem Pedal berührt würden: „Da sind auch Kinder zwischen den LKW unterwegs. Und bei einem Unfall hilft mir auch keine Studie, die beweisen soll, dass diese Art der Verkehrsführung sicher ist.“

Auch Parteikollege Kay Steding mochte sich mit der Situation nicht anfreunden. „Ein Großteil der Radfahrer ist auf dem Radweg besser aufgehoben. Bei dem Gefahrenpotenzial LKW/Rad ist doch klar, wer gewinnt.“ Steding schlug weiterhin vor, die Radwege in Einmündungsbereichen von Straßen aufzupflastern, so dass diese für Autofahrer deutlicher sichtbar seinen und überfahren werden müssten. Ingenieur Dargel argumentierte, es gäbe mehr Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern als zwischen Radlern und Autos. Der Planer mahnte gleichzeitig, Umstellungsprozesse wie diese würden ein bis zwei Jahre dauern und bedürften großer Öffentlichkeitsarbeit, dann stelle sich auch Akzeptanz ein.

Die Qual der Wahl? Wird man künftig Radfahrer auf der Fahrbahn und dem kombinierten Geh-/Radweg sehen? (Archivfoto)

Statt das Konzept einfach nur zur Kenntnis zu nehmen, verständigte man sich schließlich darauf, den Radfahrern die Wahl lassen zu wollen: In der Dankerser Straße, Mindener Straße und auf der Weserbrücke sollen sie die Wahl haben – Radweg oder Fahrbahn. Auch sollten Teile der West-Contrescarpe und der Dauestraße nach Möglichkeit zu einer Fahrradstraße umgestaltet werden. So könnte laut Wehrungs Argumentation zufolge für radelnde Schüler eine durchgehende Verbindung vom Pferdemarkt bis zum Schulzentrum geschaffen werden, auf der sie Vorrang vor dem übrigen Verkehr hätten.

Ursula Mückes (SPD) Forderung, auch den Blumenwall und die Wallstraße aufzunehmen, fand keine Unterstützung. Dargel zufolge sei dafür die erforderliche Breite im Blumenwall nicht erreichbar. In der Wallstraße wiederum herrsche zu morgendlichen Schulzeiten kein Autoverkehr, erklärte Neuhäuser.

Ebenfalls den Weg in den Beschlussvorschlag fand der Wunsch nach einer Kostenschätzung für eine „Fahrrad-Weserbrücke“, erneut aufgegriffen von Ortsbürgermeister Joachim Spohr. Was diese kosten könnte und ob es vielleicht sogar die Möglichkeiten zur Förderung gibt, wird wohl auf einer der nächsten Sitzungen bekanntgegeben werden. Planer Dargel wagte eine erste Prognose: Ein paar Millionen Euro. Und Neuhäuser erinnerte an den zeitlichen Rahmen, der bei so einem Projekt üblich ist: „Die Einweihung einer solchen Brücke dürften wohl die wenigsten von uns erleben“.

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