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Wird 2020 das Jahr des Steinzeichen Steinbergen? Neuer Betreiber will Erlebniswelt Leben einhauchen

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(Steinbergen) Aus großer Entfernung thront der „Jahrtausendblick“ auf dem Messingberg. Einst Symbol des Steinzeichens Steinbergen und anlässlich der Weltausstellung Expo 2000 feierlich eröffnet, fristeten Park und Aussichtsplattform zuletzt ein trauriges Schattendasein. Das ehemalige Ausflugsziel machte Negativ-Schlagzeilen durch Vandalen, die das Gelände verwüsteten und über mehrere Monate Metallteile klauten. Zuletzt kam es sogar zu Brandstiftung und einem größeren Feuerwehreinsatz (wir berichteten). Doch seit einigen Wochen tut sich etwas – im positiven Sinne.

Imposant thront der Jahrtausendblick auf dem Messingberg (Archivfoto).

Als der Veranstalter Jörg Hellwig im Mai vergangenen Jahres den stillgelegten Erlebnispark auf einem Immobilienportal im Internet entdeckte, war sein Interesse geweckt. Der Duisburger Unternehmer und Location-Scout ist auf der Suche nach idealen Veranstaltungsplätzen für sogenannte Live-Rollenspiele (englisch „LARP“, Live Action Role Playing). Dabei schlüpfen die Teilnehmer in thematisch passende Kostüme und stellen Spielszenen aus einem bestimmten Genre nach. Eines der größten Events dieser Art ist das Drachenfest in Diemelstadt. „Das Gelände ist eine Wiese und wird eigens für die Dauer von vier Tagen hergerichtet“, erklärt Hellwig, „es kommen rund 6.500 Besucher.“

Veranstalter Jörg Hellwig aus Duisburg wird künftig die Geschicke der Erlebniswelt Steinzeichen leiten.

Die Kosten dafür sind immens. Rund 250.000 Euro kostet die Verwandlung einer Kuhwiese in eine mittelalterliche Stadt. Dazu kämen immer höhere behördliche Auflagen wie etwa eine nächtliche Beleuchtung, was nun gar nicht zum Mittelalter-Thema passe, so der Veranstalter. Da kommt ein Gelände wie die Erlebniswelt Steinzeichen wie gerufen. Nach dem ersten Termin beim Insolvenzverwalter im August habe es allerdings noch etwas gedauert, bis ein entsprechendes Angebot zur Übernahme der GmbH beim Insolvenzgericht eingereicht werden konnte. Die Gläubiger müssten zwar noch zustimmen, der Rest sei aber „Formsache“.

Dabei ist Hellwig in die bereits bestehende GmbH eingestiegen. Der Vorteil: Die Gesellschaft ist nicht abgemeldet, Genehmigungen und Verträge liegen bereits vor. Bestehende Auflagen, wie auch das Thema Brandschutz, müssten allerdings mit dem städtischen Bauamt überprüft werden.

Es geht voran

Seit einigen Wochen ist Bewegung auf dem Gelände zu sehen. Es wird gereinigt und aufgeräumt. Sicherheitskameras werden installiert, durch die ständige Präsenz auf dem Steinzeichen wird auch „verlaufenen Wanderern“ und anderen Unbefugten signalisiert: Achtung, hier wird man gesehen. Eindringlinge müssen ab sofort mit Strafverfolgung und zivilrechtlichen Konsequenzen rechnen.

Vandalen haben das Steinzeichen-Gelände verwüstet. Diese Bilder entstanden anlässlich eines Feuerwehreinsatzes im März 2019.

Apropos sehen: Bereits im März soll hier das erste (kleine) Rollenspiel-Event stattfinden, so Hellwig. Insgesamt sind für 2020 mehrere LARP-Veranstaltungen geplant. Teils auch im kleinen Kreis, um auszuloten, was auf dem Gelände so möglich wäre. Mit der akustisch präsenten Autobahn in der Nähe gelte es, abzustimmen, ob beispielsweise eine Mittelalter-Kulisse überhaupt spielbar wäre. Ein interessanter Gedanke: Game of Thrones im Steinzeichen? Oder ein Steampunk-Western? Denkbar sind auch Zombie-Szenarien. Oder Science-Fiction. Dieser Oberbegriff sei sehr gut für die Kulisse geeignet, sagt Hellwig.

Starke Partner fürs Steinzeichen: (von links) Florian Osthues (Porta Event), Jörg Hellwig (Veranstalter), Patrick Schem (Bike-Park), Lucas Scheermann (Wesertekk), Matthias Gräbner (TWW), Levent Stein und Arne Rörtgen (beide Wesertekk).

In den Startlöchern steht auch das Touristikzentrum Westliches Weserbergland (TWW) mit den Mountainbikern vom Bikepark Jahr1000Blick e.V. Wie Patrick Schem vom Verein mit über 250 Mitgliedern im Rücken sagt, sei der Berg vergleichbar mit einem großen Kuchen, aus dem viele Veranstalter etwas machen würden. Mountainbike sei eine Leidenschaft, die Fans seien durchaus bereit, hunderte von Kilometern zu fahren um ihrer Sportart in einem entsprechenden Park nachgehen zu können.

Wirtschaftlichkeit steht im Vordergrund

Für TWW-Geschäftsführer Matthias Gräbner ist klar, bei den neuen Planungen müsste ganz klar die Wirtschaftlichkeit im Vordergrund stehen. Er sieht, auch beim Bike-Park, ein „organisches Wachstum“ mit Erweiterungen nach und nach als Szenario. Das Steinzeichen Steinbergen habe sich bislang zunächst als Kulturpark aufgestellt, dann als familienorientiertes Angebot mit Spielcharakter. Jedoch alles mit „überschaubarer Wertschöpfung“, wie er sagt. Bedeutet: Am Ende fehlte es an Einnahmen. Das Ende ist bekannt: Rückläufige Besucherzahlen, hohe Abhängigkeit vom Wetter, schließlich wurde der Park im Jahr 2016 gar nicht erst wieder eröffnet. Es folgte die Insolvenz.

Wesertekk und das Steinzeichen Steinbergen: Bereits 2015 gab es hier eine Technoparty. (Archivfoto)

Die 20er Jahre sind nur wenige Tage alt und beginnen schon vielversprechend. Als weiteren Partner für Veranstaltungen hat man die Wesertekk-Truppe ins Boot geholt. Die Techno-Jünger helfen fleißig bei den Aufräumarbeiten und haben sich schon zum Ziel gesetzt, den Berg in diesem Jahr mit einer ersten Party im Spätsommer zum Beben zu bringen. Auch bei Porta Event hat man schon fleißig Konzepte erarbeitet und bereitet sich schon konkret für zwei bis drei Veranstaltungen im Steinzeichen vor, gibt Projektmanager Florian Osthues bekannt.

Von links: Patrick Stem, Jörg Hellwig, Matthias Gräbner beim Pressegespräch.

Für Jörg Hellwig ist klar, das neue Konzept braucht mehrere Jahre, um sich zu entwickeln. Der Steinbruch solle bis 2029 weiterbetrieben werden, danach ist eine Übernahme als Veranstaltungsgelände anvisiert. Eine Absichtserklärung des Eigentümers, der Fürstlichen Hofkammer, liegt laut Hellwig bereits vor. Doch zunächst müssen die kleinen Dinge angepackt werden. Toiletten, Strom, Abwasser, Beleuchtung, Infrastruktur. All das gilt es, instand zu setzen.

In welchem Umfang die gastronomischen Angebote wiederbelebt werden, steht noch nicht fest. Für personalintensive Gastronomie braucht es Publikumsverkehr. Und Gebäude. Durch Vandalismus und Diebstahl sind die Decken an den Bauten vom eindringenden Regen komplett durchnässt. Auch die gezielte Zerstörung hinterließ Spuren, so Hellwig: „Da ist keine einzige Fensterscheibe mehr intakt.“

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