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Wirtschaftsjunioren und Unternehmergespräche mit Podiumsdiskussion zum Standort Rinteln

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Die Stadt Rinteln lud jetzt zusammen mit den Wirtschaftsjunioren, dem größten Netzwerk junger Wirtschaft mit über 10.000 Selbstständigen und Führungskräften, zum Stadtgespräch in den Gewölbekeller des Stadtkaters. Bei einer Podiumsdiskussion diskutierten fünf Gäste über den Stadtort Rinteln und seine Zukunft. Unter ihnen waren Elisabeth Dursun (Ellis Stadtfriseur), Thomas Gieselmann (Unikum), Ingo Gödeke (Malerbetrieb Gödecke), Dr. Hubert Schmidt (Stüken) und Eduard Metzger (Existenzgründer aus dem Bereich IT). Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Ingo Tölle, Chefredakteur von Radio Westfalica.

Bürgermeister Thomas Priemer begrüßte rund 50 Gäste zu Unternehmergesprächen und der Podiumsdiskussion. Rechts: Melanie Thiem, Vorsitzende der Wirtschaftsjunioren Schaumburg.

Fünf Menschen, deren Betätigungsfelder unterschiedlicher nicht hätten ausfallen können. Von Existenzgründer Metzger, der aufgrund seines Unternehmensprofils eigentlich keinen speziellen Standort für sein Business benötigt und im vergangenen Jahr mit IT-Coaching und Softwareentwicklung durchstartete über Dr. Schmidt als Geschäftsführer des Rintelner Unternehmens Stüken, das mit seinen weltweit rund 1.200 Mitarbeitern (ca. 800 davon in Rinteln) einen Jahresumsatz von etwa 185 Millionen Euro erwirtschaftet reichten die fünf Profile an diesem Vormittag. Dabei kristallisierten sich einige wichtige Punkte heraus. So betonte Schmidt die Notwendigkeit der Ausbildung junger Menschen und die Qualifizierung für den Arbeitsplatz. Allerdings sei es ebenso wichtig, die ausgebildeten Fachleute auch am Standort Rinteln halten zu können. Oft, so der der Tenor, sei die duale Ausbildung zielführender als das, was immer noch in vielen Schulen empfohlen werde: Abitur, Studium und Bachelor. Studenten würden nach ihren Aufenthalten in Großstädten und dem Ausland oft gar nicht mehr nach Rinteln zurückkehren. Stimme dagegen die Infrastruktur mit überregionaler Anbindung, sei Leben in Rinteln und ein weiter entfernter Arbeitsplatz kein Problem. Man selbst habe Mitarbeiter im Unternehmen, bei denen es ähnlich funktioniere. Nur dass diese teilweise mit Wohnsitz ina Hannover, Springe oder Lübbecke zum Arbeiten nach Rinteln angereist kämen. Und: „Wächst ein Unternehmen, dann wachsen auch Dienstleister wie Handwerker und Sicherheitsleute in der Region.“

Malermeister Ingo Gödecke unterstrich, wie wichtig für einen Handwerksbetrieb Aufträge in der Region und die Zusammenarbeit der Firmen untereinander sind. Allerdings herrsche beim Thema Unternehmensgründung immer noch ein schwieriges Klima: „Es sind viele Einzelkämpfer unterwegs, die auch noch schwer zu erreichen sind.“ Unternehmer, die versuchten, in nächster Zeit ihren Ruhestand anzutreten, hätten Probleme einen Nachfolger zu finden. Überhaupt werde in den Schulen viel zu wenig über das Thema Firmengründung gelehrt, befand Eduard Metzger, der Familie und Freunden zuliebe seinen Wohnort aus der Bundeshauptstadt Berlin wieder zurück nach Rinteln verlegte.

Von rechts: Thomas Gieselmann, Eduard Metzger, Ingo Tölle, Elisabeth Dursun, Ingo Gödecke, Dr. Hubert Schmidt.

Thomas Gieselmann, der nach 20 Jahren Geschäftstätigkeit mit dem Umzug von Unikum und der Neueröffnung des Shop-in-Shop Konzepts in der Weserstraße gewissermaßen einen „Neuanfang“ wagte, hob hervor, wie wichtig das Sammeln von Erfahrungen für angehende Unternehmer mit dem Blick über den Tellerrand sei: Viele Existenzgründer seien angetrieben von Träumen und Individualismus und scheiterten oft schon nach dem ersten Jahr, weil ein solides Konzept fehle: „Unbedingt beraten lassen!“ Überregionales Stadtmarketing, so Gieselmann, sei für den Standort Rinteln besonders wichtig und ohnehin bereits existent. Mit dem Tourismusangebot von Doktorsee, Draisinen und Fahrradweg würden Kunden von umliegenden Städten nach Rinteln geholt, die die dortige Atmosphäre dort oft schon als „zu groß“ empfänden, berichtete der „Unikum“-Inhaber aus seinem Erfahrungsschatz mit Kunden. Elisabeth Dursun, die sich vor rund zwei Jahren mit ihrem Friseurgeschäft in der Brennerstraße selbstständig machte und fast ausschließlich mit regionalen Produkten arbeitet, wirkte angesichts der Samstagnachmittag oftmals geschlossenen Läden und Geschäfte samt uneinheitlicher Öffnungszeiten zunächst etwas überrascht. Das, so Gieselmann, habe man auch im Rahmen der Arbeit im Stadtmarketingverein Pro Rinteln „zu rund 80 %“ vereinheitlichen können. Allerdings bleibe es letztlich jedem selbst überlassen, wie er die Öffnungszeiten gestalte. Dursun hat ihr Geschäft inzwischen etabliert und ihr gefällt es Rinteln, so der Eindruck bei der Podiumsdiskussion. Allerdings werde sie von Kunden oft auf die Unzulänglichkeiten des Standortes Brennerstraße angesprochen: Dazu gehörten mangelnde Sauberkeit im Straßenbild und Parkgebühren.

Was den Standort Rinteln attrativ mache, ergänzte Gieselmann, sei auch das Erlebnis beim Einkaufen: „Ware ist austauschbar, die Freundlichkeit beim Kauf vor Ort macht den Unterschied gegenüber einer schnöden Internetbestellung. Aber dazu muss auch das Bewusstsein in der Bevölkerung vorhanden sein. Kunden, kauft lokal und vor Ort ein!“. Den Unternehmern riet er, sich zu organisieren und Interesse an „ihrer“ Stadt hoch zu halten. Oft würden Menge und Frequenz von Veranstaltungen in der Innenstadt kontrovers diskutiert, doch „gerade diese machen unsere Stadt so besonders. In anderen Städten läuft da weitaus weniger.“

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